Augenzeugin in Hamburg: „Die Stadt atmet auf“. Die Marzerin Johanna Sebauer erlebte die Krawalle beim G20-Gipfel aus nächster Nähe. Jetzt kehrt Ruhe ein.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 12. Juli 2017 (05:09)
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Johanna Sebauer. Die Marzerin lebt als freie Redakteurin und Texterin in Hamburg.
Daniel Schröder

Das sonst so freundliche Hamburg machte in der Vorwoche weltweit Schlagzeilen. Von der „nervösen Stimmung in der Stadt“, die mit dem G20-Gipfel einzog, bis zu den Krawallen und deren gewalttätiger Eskalation – die aus Marz stammende Wahl-Hamburgerin Johanna Sebauer erlebte es mit.

Sebauer, die seit vier Jahren in Hamburg als freie Redakteurin und Autorin arbeitet, lebt in einer Wohnung in St. Pauli, unweit des Schauplatzes der Randale. „Die Menschen in unserer Straße waren schon auf die Demonstrationen vorbereitet und haben ihre Autos weggebracht. Geschäfte wurden zugenagelt“, erzählt Sebauer im Gespräch mit der BVZ.

„Die Hamburger holen sich ihre Stadt zurück“

Sie selbst war auch bei jener Demo vor Ort, mit der die Lage zwischen Gewaltbereiten und Polizei eskalierte: „Da war schon im Vorhinein klar, dass es knallen wird. Davon ausgehend wurden dann in der ganzen Stadt Autos angezündet und Geschäfte verwüstet. Viele junge Leute sind da in einen regelrechten Rausch geraten.“

Dabei betont Sebauer, dass es auch viele friedliche Proteste gegeben habe, wie etwa die Abschluss-Kundgebung mit zehntausenden Menschen: „Viele waren da, um politische Forderungen einzubringen und nicht, um etwas einzuschlagen. Es ist sehr schade, dass das nun so ein Bild hinterlässt.“

Symbolisch auch eine Aktion, zu der sich die Bewohner nach den Krawallen einfanden – mit Besen räumten sie gemeinsam die Straßen auf. Johanna Sebauer war dabei: „Das war eine schöne Aktion. Es hat sich so angefühlt, als würden sich die Hamburger ihre Stadt wieder zurückholen.“

Inzwischen sind die führenden Wirtschaftsmächte wieder abgereist, Gipfel und Proteste sind vorbei, Hamburg erholt sich langsam, wie Johanna Sebauer sagt: „Es fühlt sich so an, als würde die Stadt regelrecht aufatmen. Und so, als müsste das noch länger gemeinsam aufgearbeitet werden.“