Arbeitsplätze gerettet: So lief es ab

Hauptgesellschafter Manfred Strodl, Land Burgenland und private Investoren gründen Auffanggesellschaft.

Richard Vogler
Richard Vogler Aktualisiert am 28. Dezember 2020 | 13:09
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Wirtschaftslandesrat Leonhard Schneemann, Wirtschaftsagentur Geschäftsführer Harald Zagiczek, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Mitgesellschafter Ralph Hofmann, Hauptinvestor Manfred Strodl, und die zukünftigen Geschäfsftührer Thomas Moser und Daniel Gärtner am Firmenareal.
Foto: Landesmedienservice

Die Sanierung der seit 1851 bestehenden Zimmermann GmbH ist nach dem Commerzialbank-Desaster und aufgrund einer massiven Überschuldung der Gesellschaft nicht mehr möglich. Das Unternehmen Zimmermann wurde als Familienbetrieb über Generationen geführt und ist stetig gewachsen. Höhepunkt war der Neubau der Firmenzentrale am Standort Mattersburg 2018.

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„Nach der Commerzialbank-Pleite und aufgrund massiver Managementfehler ist das Unternehmen in die Insolvenz geschlittert. Die Auffanggesellschaft DFT Dach- und Fassadentechnik GmbH mit Hauptgesellschafter Manfred Strodl sorgt für die Weiterführung des Betriebes und die Sicherung der 80 Arbeitsplätze“, heißt es in einer Presseaussendung des Landes.

Sanierungsverfahren im Oktober eröffnet

Im Oktober wurde das Sanierungsverfahren über die Zimmermann GmbH eröffnet. „Die Firma Zimmermann hat uns als Sanierungsberater ins Boot geholt. Schnell war klar, dass es ohne Investoren nicht gehen wird“, berichtet Ralph Hofmann, Geschäftsstellenleiter der BHM Wirtschaftstreuhand GmbH. „Wir haben dann mit dem Land Burgenland und möglichen Investoren Kontakt aufgenommen. Wir wurden uns dann mit Manfred Strodl bald einig. Er besitzt ein Gros an fachlicher Kompetenz für diesen Bereich. Es war wichtig, dass ein Branchenkenner dabei ist.“

„Ich will meinen Beitrag leisten, um die Arbeitsplätze der Region zu sichern und den entstandenen Schaden zu minimieren.“Manfred Strodl

Vergangene Woche gab es dann die letzten Gespräche und von den zuständigen Gremien wurde die Konstellation abgesegnet, am Montag dieser Woche wurde die neue Gesellschaft aus der Taufe gehoben.

Manfred Strodl ist Hauptgesellschafter und hält mit seiner neu gegründeten „HMCA Immo Invest“ 53 Prozent. „Ich wurde von der BHM Mitte November bezüglich einer Beteiligung kontaktiert. Nach Studium der Unterlagen und auch angesichts des Standortes habe ich mich dazu entschieden, mich zu beteiligen“, so Strodl, der weiter ausführt: „Als Mattersburger habe ich die Entwicklung und die Schwierigkeiten des Unternehmens mitverfolgt. Ich will meinen Beitrag leisten, um die Arbeitsplätze der Region zu sichern und den entstandenen Schaden zu minimieren. Mit meinen Mitgesellschaftern und vor allem dem Land Burgenland bzw. der Wirtschaftsagentur habe ich tolle Partner, so dass wir gemeinsam das neue Unternehmen in eine sehr erfolgreiche Zukunft führen wollen und werden. An dieser Stelle sage ich herzlichen Dank für die Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen von Landeshauptmann Doskozil und von Wirtschaftslandesrat Schneemann.“

Strodl kann auf mehr als 45 Jahre Erfahrung im Baugeschehen verweisen. Als Geschäftsführer für den Bauträgerbereich im STRABAG-Konzern, im Jahre 2005 gründete er seine erfolgreiche MS BAU. In den letzten 15 Jahren wurden zahlreiche Wohnhausanlagen in der Bundeshauptstadt Wien für den freifinanzierten Wohnbau realisiert. „Bereits während meiner beruflichen Tätigkeit habe ich immer wieder großen Wert auf die Geschäftsbeziehung zu burgenländischen Unternehmen gelegt“, so Strodl.

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Die Firma Zimmermann wurde im Jahre 1851 gegründet. Das Unternehmen Zimmermann wurde als Familienbetrieb über Generationen geführt und ist stetig gewachsen. Höhepunkt war der Neubau der Firmenzentrale am Standort Mattersburg 2018. Im Zuge des Commerzialbank-Skandals schlitterte der Betrieb in die Insolvenz.
Richard Vogler

Das Sanierungsverfahren der Zimmermann GmbH wickelt der Joiser Rechtsanwalt Felix Storecky ab. „Eine Fortführung der Firma Zimmermann selber war eigentlich nie angedacht. Es war immer das Ziel, mit einer Auffanggesellschaft den Betrieb weiter fortzuführen. Mit Manfred Strodl konnte ein erfahrener Mann im Baugewerbe gewonnen werden“, so Storecky, um weiter auszuführen: „Die HMCA Immo (Anm.: Das neu gegründete Unternehmen von Manfred Strodl) hat alles, was im Eigentum der Firma Zimmermann war, wie auch das gesamte Areal gekauft.“ Beim Konkursverfahren der Firma Zimmermann steht am 11. Jänner die Tagsatzung an. Bis dahin können Gläubiger ihre Forderungen einbringen.

„Für gesamte Region wichtiger Standort“

Der Produktionsstandort und ein Großteil der Arbeitsplätze bleiben erhalten, gab Landeshauptmann Hans Peter Doskozil am Montag dieser Woche bekannt: „Die neu gegründete Gesellschaft unter Federführung von Manfred Strodl, die DFT Dach- und Fassadentechnik GmbH, wird die Betriebstätigkeit am Standort der insolventen Firma Zimmermann in Mattersburg aufnehmen und einen Großteil der Mitarbeiter übernehmen. Das Land Burgenland beteiligt sich über die Wirtschaftsagentur Burgenland mit 25,10 Prozent an diesem neuen Unternehmen. Wenige Tage vor Weihnachten in einem sehr herausfordernden Jahr freut es uns besonders, mit dieser Kooperation einen für die gesamte Region wichtigen Firmenstandort und die Arbeitsplätze von rund 80 Mitarbeitern abzusichern“, betonte Doskozil.

Das Land wende damit dasselbe Rezept zur Standort- und Arbeitsplatzsicherung an, das sich bereits bei der ehemaligen Firma Stangl bewährt hat, so Doskozil: „Ich bin überzeugt, dass die Neuaufstellung des Unternehmens ein sehr hohes Potenzial für weiteres Wachstum hat. Wie erfolgreich eine solche Betriebsübernahme mit Beteiligung des Landes aussehen kann, zeigt die LuSt Malereibetrieb & Vollwärmeschutz GmbH, die nach der Insolvenz der Pöttschinger Firma Stangl gegründet wurde.

Die Wirtschaftsagentur Burgenland hat sich auch dort mit 25,7% am Unternehmen beteiligt. 45 Mitarbeiter wurden anfangs übernommen, aufgrund der guten Auftragslage ist die Beschäftigtenzahl bereits auf 57 angewachsen.“

Die neue Betriebsgesellschaft wurde bereits gegründet. Neben Strodl und dem Land über die Wirtschaft Burgenland AG sind private Investoren (Ralph Hofmann sowie zwei in der Branche sehr erfahrene Unternehmensberater) mit 22 Prozent beteiligt. Ein Großteil der Mitarbeiter wird übernommen und die operative Tätigkeit am Standort Mattersburg fortgeführt und ausgebaut.

Die operative Tätigkeit wird je nach Witterung unmittelbar nach den Weihnachtsfeiertagen beginnen. Das Unternehmen bleibt im Baunebengewerbe tätig und erbringt hauptsächlich Leistungen für Zimmerei, Spenglerei (Dach, Fassade), Dach- und Schwarzdeckerei. „Das schnelle Agieren des Landes, die professionelle Sanierungskoordination der Wirtschaftsagentur Burgenland und die Gewinnung zusätzlicher privater Investoren mit der entsprechenden Branchenerfahrung haben den Standort und die Arbeitsplätze gerettet. Mein Dank gilt hier natürlich den Mitinvestoren und auch der Wirtschaftsagentur Burgenland, die in einer äußerst schwierigen Phase ihre Kompetenz als Sanierungsstelle unter Beweis stellen konnte“, betonte Wirtschaftslandesrat Dr. Leo Schneemann.

Die in der insolventen Zimmermann GmbH beschäftigten MitarbeiterInnen werden in der neuen Gesellschaft in einem Stufenplan bis März 2021 eingestellt und die Produktion wieder voll hochgefahren. Das Unternehmen verfügt über langjährige Kunden und hat eine ausgewogene Lieferantenstruktur. Im kommenden Jahr ist angedacht, den Umsatz der letzten Jahre in Höhe von rund zehn Millionen Euro pro Jahr zu erreichen. Durch eine Landeshaftung in der Höhe von maximal einer Million Euro wird das für das Wachstum notwendige Working Capital abgesichert.

„Sehr fordernde und intensive Zeit“

„Es war in den letzten Wochen – angesichts der Commerzialbank-Problematik – eine sehr fordernde und intensive Zeit. Unter diesen Prämissen bin ich sehr glücklich, dass wir nach dem Fortbetrieb der insolventen Fassadenprofi Stangl GmbH nun auch eine sehr gute Lösung für die Zimmermann-Insolvenz zuwege gebracht haben. Die Umsatzsituation des Unternehmens war immer gut – unter der neuen, sehr effizienten und zeitgemäßen Aufstellung wird auch die Ertragssituation anders als zuletzt gezeigt sein“, sagte Wirtschaftsagentur-Geschäftsführer Harald Zagiczek.