Band "Oehl" schreibt Song zu Commerzialbank-Skandal. Mit ihrem Song „300.000“ sinniert das Duo über den Commerzialbank-Skandal. Das Video wurde von Fabian Edelbacher mit Opfern des Bankenbetruges gedreht.

Von Richard Vogler. Erstellt am 03. Juni 2021 (05:02)
Ariel Oehl und Hjörtur Hjörleifsson bilden das Duo „Oehl“.
 
Tim Cavadini

Mit den Zeilen „Sie hatten 300.000 für ein Haus gespart/Aber nur 100.000 deckt der Staat/Alles andere ist weg“ beginnt die zweite Single der Gruppe „Oehl“, die damit den Commerzialbank-Skandal zum Thema ihres Liedes machen. Im Pressetext wird der Hintergrund dazu wie folgt beschrieben: In der Nacht von 14. auf 15. Juli 2020 wurden die Konten von 14.000 Kunden der österreichischen Commerzialbank eingefroren, nachdem ein Betrugsskandal um den Bank-Chef ans Licht kam.

705 Millionen Euro waren einfach so verloren. Unter den Bankkunden war eine burgenländische Jungfamilie, deren Erspartes unwiederbringlich weg war. Blöd nur, dass sie sich den Großteil dieses Geldes selbst nur von Verwandten ausgeliehen hatten, teilweise über Kredite von anderen Banken – um ein Haus zu bauen.

Über Podcast von Bank-Skandal erfahren

„Ich war mit meinem Sohn gerade am Spielplatz, als ich in einem Nachrichtenpodcast von dem Skandal erfahren habe. Bei meiner Recherche stieß ich dann auf diese Familie, der Vater gleich alt wie ich, der Sohn so alt wie meiner, da konnte ich nicht anders als weinen. Das hätte ich sein können. Da hab ich begriffen, dass diese Idee von Sicherheit eine Illusion ist. Nicht mal das Geld am Sparbuch ist sicher. Wenn man das einmal kapiert hat, dann sieht man die Welt mit anderen Augen“, berichtet Ariel Oehl, ein Teil des Duos.

Für den Isländer Hjörtur Hjörleifsson (der andere Part von „Oehl“) gab es, als er vom Commerzialbank-Skandal hörte, fast ein Déjà-vu. „Ich musste daran denken, wie das künstlich aufgeblasene isländische Bankwesen im Jahr 2008 in sich zusammenstürzte. Die Investment Hot Shots, dessen „kluge“ Geschäfte im Ausland sie zu Helden des Volkes machten, hatten die kleine Nation am Polarkreis mit leeren Versprechen eines Isländischen Wirtschaftswunders geblendet. Es war auch der Sommer, in dem ich in Island in einer Fischfabrik gearbeitet habe – mein Lohn war, als ich nach Österreich ging, aufgrund der Hyperinflation nur halb so viel wert.“

Musikvideo mit Opfern des Betrugsskandals

Das Musikvideo wurde in Kooperation mit dem selbst durch den Bankskandal geschädigten Filmemacher Fabian Edelbacher im Burgenland mit Opfern des Betrugsskandals und Laiendarstellern an Originalschauplätzen gedreht, darunter das Pappelstadion, eine Bankfiliale und die unendliche Schilflandschaft des Neusiedlersees – dem Wahrzeichen des Burgenlandes.

„Da meine Familie bei der Bank war, ich in der Region aufgewachsen bin und auch den Konkurs direkt miterlebt habe, ist dies ein sehr spezielles Projekt für mich. Die Commerzialbank war Teil des Lebens bei uns im Dorf und im Bezirk. Man kannte die Mitarbeiter, die Bank hat Vereine und Feste gesponsert, sie war einfach präsent. Ich dachte auch nie darüber nach ob was schieflaufen könnte, man verbindet Banken mit Sicherheit und Vertrauen. Beide Begriffe sind nun für viele ehemalige Kunden stark angeschlagen.“, erzählt Regisseur Fabian Edelbacher.