Ingrid Salamon: „Weniger ist oftmals mehr“. Ingrid Salamon gab letzte Woche bekannt, dass sie nicht mehr als Bürgermeisterin von Mattersburg kandidieren wird. Im Gespräch mit der BVZ blickt sie zurück.

Von Richard Vogler. Erstellt am 17. Januar 2021 (04:45)
Ingrid Salamon
zVg.

BVZ: Seit dem Jahre 1987 sind Sie in der Kommunalpolitik tätig. Warum sollte es gerade die SPÖ sein?

Ingrid Salamon: Ich bin in einem ‚roten’ Haus aufgewachsen, sämtliche Verwandtschaft war sozialdemokratisch. Auch als ich mir als Jugendliche die Sache mit etwas anderen Augen gesehen habe, war mir klar, dass dies meine politische Heimat ist.

Wenn man Bürgermeisterin und auch auf Landesebene in der Politik tätig ist, muss man da nicht große Abstriche im Bereich Familie machen?

Salamon: Dies steht außer Zweifel. Mir kommt zu Gute, dass mir mein Mann Herbert immer den Rücken freigehalten hat, weiters ist unsere Großfamilie ein Vorteil.

Die sozialen Medien haben die Gesellschaft in den letzten Jahren stark verändert, die ständige Erreichbarkeit ist ein Aspekt davon. Wie gehen Sie damit um?

Salamon: Man muss sich bewusst sein, dass jeder in den diversen sozialen Medien reinschreiben kann, was er will und es werden auch Unwahrheiten verbreitet. Man muss sich selbst ein Rezept zurechtlegen, dass einem das nicht nahegeht. Jene Leute, die mich persönlich beleidigen, suche ich mir persönlich aus.

Über die Jahre hinweg wurde in Mattersburg im sozialen Bereich sehr viel investiert.

Salamon: Dies ist richtig. Es gibt keinen Kindergarten oder keine Schule, die nicht neu gebaut oder saniert worden ist. Kinder und Krippenplätze wurden auf Vordermann gebracht. Dadurch wurden auch mehr Arbeitsplätze geschaffen. Neben der sozialen Schiene haben wir auch die wirtschaftliche nicht vergessen. Wir haben auch ein Förderschema für Betriebe eingeführt, das letztes Jahr adaptiert worden ist.

Stichwort Wirtschaft. Es gibt immer wieder Stimmen, die kritisieren, dass das FMZ2000 an einem Ende der Stadt, die Arena am anderen Ende angesiedelt ist oder dass diese Einkaufszentren negative Auswirkungen auf die Innenstadt haben.

Salamon: Klar kann man das in gewisser Weise auch nachvollziehen. Es muss beides funktionieren, ich denke, die Vorteile für die aktuelle Situation überwiegen. Die Arena ist fußläufig, die beiden Fachmarktzentren nun mit dem MABU zu erreichen. Durch die beiden Fachmarktzentren wurden sehr viele Arbeitsplätze geschaffen und für den Handel sind sie sehr wichtig und wie man sieht werden die Fachmarktzentren auch vom Konsumenten bedient. Ansiedelungen an der Peripherie gibt es eigentlich in allen größeren Städten. Das Areal in der Kochstraße wird sich sicher sehr gut vermarkten lassen. Die Planungen für ein neues Innenstadtkonzept sind bereits angelaufen.

Die Commerzialbank-Pleite wird uns noch länger beschäftigen, Sie kennen Martin Pucher schon viele Jahre. Wie beurteilen Sie die Situation, überwiegt die persönliche Enttäuschung oder der Ärger über die Folgen?

Salamon: Ich bin 22 Jahre von so einer Krise verschont geblieben. Ich war genauso überrascht wie alle anderen auch. Jetzt im Nachhinein ist man g'scheiter. Ich bin überzeugt, dass nach diesem Tief auch ein Hoch kommt. Wir sind froh, dass es uns als Stadt finanziell nicht sehr getroffen hat.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit der Mattersburger ÖVP?

Salamon: Manchmal funktioniert, sie manchmal nicht. Für mich ist wichtig, mit anderen so umzugehen und zu sprechen wie ich mir das für mich selber wünsche. Man muss nicht immer einer Meinung sein, ich muss aber weder beleidigend werden noch muss ich persönliche Angriffsattacken reiten. Die Bevölkerung will keine Streitereien, das persönliche Anpatzen will keiner.

Nach Ihrer Rücktritts-Ankündigung sieht die Landes-ÖVP darin einen Zusammenhang mit der Commerzialbank.

Salamon: Ich bin 63 Jahre alt. Wenn ich nach 22 Jahren mein Amt übergebe und andere politische Parteien dies als Anlass zur Kritik nehmen, will ich das eigentlich gar nicht kommentieren – weniger ist oftmals mehr. Die Gemeindeordnung sieht vor, dass man sein Bürgermeisteramt schon ein Jahr vor den Wahlen übergeben kann. Es ist wichtig für den neuen Kandidaten, sich zu präsentieren und dass die Mattersburger ihn kennenlernen.