„Nachbar-Hilfe“: Stadt geht eigenen Weg. Stadtgemeinde steigt aus Verein „Nachbarschaftshilfe Plus“ aus. Projekt wird ab 2022 eigenständig betrieben.

Von Richard Vogler. Erstellt am 01. Juli 2021 (05:06)
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„Nachbartschaftshilfe Plus bietet diverse kostenlose, soziale Dienste an.
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Im Jahre 2014 wurde das Projekt „Nachbarschaftshilfe Plus“ im Bezirk Oberpullendorf aus der Taufe gehoben. Hierbei werden von Ehrenamtlichen diverse soziale Dienste wie Fahr- und Begleitdienst, Einkaufs- und Medikamentenservice, (Telefon-) Besuchsdienst, Spaziergehdienst oder auch Kinderbetreuung für Bedürftige kostenlos angeboten.

Mattersburg trat 2019 dem Verein bei

Seit Anfang 2019 gibt es auch den Verein für den Bezirk Mattersburg (Mitgliedsgemeinden Mattersburg und Hirm, vergangenes Jahr schloss sich auch Zillingtal dem Verein an), im kommenden Jahr steht eine Änderung am Plan: Die Stadtgemeinde Mattersburg wird daran nicht mehr teilnehmen. Der Ausstieg aus dem Verein war ein Punkt auf der Tagesordnung bei der vegangenen Donnerstag abgehaltenen Gemeinderatssitzung. „Die Zusammenarbeit mit Organisatorin Astrid Rainer war sehr schwierig, der Antrag sieht vor, dass wir mit 31. Dezember 2021 aus dem Verein aussteigen“, erläuterte Stadträtin Claudia Schlager. Der Punkt wurde einstimmig vom Gemeinderat abgesegnet.

Im Gespräch mit der BVZ will Schlager nicht näher auf die Ausführungen bei der Gemeinderatssitzung eingehen. Sie hält jedoch fest, dass die „Nachbarschaftshilfe Plus“ von der Gemeinde weiterhin betrieben werden soll und zwar in eigenständiger Form unter „Nachbarschaftsfhilfe Plus Mattersburg“. „Es wird unkomplizierter und flexibler werden. Birgit Haider, die auch bereits jetzt schon damit beauftragt ist, wird weiterhin die Organisation übernehmen. Wir brauchen keinen Trägerverein, über den das läuft. Im Grunde geht das ganz einfach über die Gemeinde, das haben wir im ersten Lockdown im März und April gesehen.“

Die BVZ fragte bei Astrid Rainer am Freitag vergangener Woche nach, die Meldung, wonach Mattersburg austreten wolle, kam für sie überraschend. „Davon weiß ich nichts, ich möchte diesbezüglich erst mit der Stadtgemeinde sprechen“, hielt Reiner fest. Übers Wochenende gab‘s ein Gespräch von Reiner mit der Gemeinde. Auf die „schwierige Zusammenarbeit“ angesprochen, hielt Reiner fest: „Auf so etwas reagiere ich in der Öffentlichkeit nicht, so etwas mache ich generell nicht.“

In einer Aussendung erläuterte Rainer: „Sowohl den Einstieg, als auch einen Ausstieg entschieden die Gemeinderäte in den Gemeinden, geregelt ist beides in Kooperationsverträgen, die die Gemeinden mit den Trägervereinen eingehen. Mit Ende 2021 werden drei Gemeinden aus dem Projekt aussteigen – Müllendorf, Hornstein und Mattersburg, 18 Gemeinden setzen das Projekt weiter um. Entsprechende personelle Änderungen bei den Funktionen in den Vereinen sind die Folge“, so Rainer, um weiter auszuführen: „Die Gründe für einen Ausstieg sind unterschiedlich – einige sind: wenn das Angebot in der Bevölkerung zu wenig angenommen wird, wenn andere Themenschwerpunkte im Gemeinderat definiert werden, wenn die gemeindespezifischen Bedürfnisse zu wenig Raum bekommen, wenn in den Gemeinden die finanziellen Mittel für andere Projekte gebraucht werden und so weiter.“

Keine Änderung bis Jahresende

Laut Rainer ändert sich für „die Ehrenamtlichen, als auch für die HilfeempfängerInnen durch den Ausstieg in den drei Gemeinden bis zum Jahresende nichts. ‚Nachbarschaftshilfe Plus’ koordiniert weiterhin Angebot und Nachfrage und betreut die KlientInnen und Ehrenamtlichen persönlich, wie gewohnt. Im Laufe der nächsten Monate wird gemeinsam mit allen Beteiligten in den drei Ausstiegsgemeinden geklärt, ob und in welcher Form 2022 das vorhandene Ehrenamtspotential weiterhin den Gemeinden bestmöglich zugute kommen kann.“

Dass Hirm weiterhin dabei ist, bestätigt Christian Wöhl, seines Zeichens Obfraustellvertreter. „Bei uns hat es genauso Gedanken mit einem Ausstieg gegeben. Dies hat jedoch nichts mit der Organisation zu tun gehabt, sondern mit dem wunderbaren Geschenk, das uns Martin Pucher gemacht hat. Es hatte finanzielle Gründe. Die Finanzierung von Seiten der Gemeinde Hirm ist gesichert, wir werden auch kommendes Jahr dabei sein.“