Gymnasium Mattersburg muss Schulball "im Exil" feiern. Seit der Schließung des Kulturzentrums in Mattersburg 2014 wird der BRG-Schulball jährlich in Neudörfl ausgetragen.

Von Christian Artner. Erstellt am 02. Oktober 2019 (03:26)
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Die Maturanten und Maturantinnen bei ihrer Eröffnungstanzeinlage im Neudörfler Martinihof.

Der Abschlussball der Maturanten stellt sicherlich einen der an Höhepunkten nicht gerade armen Schullaufbahn eines jeden Heranreifenden dar. Dabei spielt der Ort, an dem dieses Ereignis stattfindet, für die meisten wohl eine eher untergeordnete Rolle; die Erfahrung des Dabeiseins rückt in den Vordergrund.

Viele Jahre lang war das Kulturzentrum in Mattersburg, das zwischen 1973 und 1976 erbaut wurde, Austragungsort für den Schulball des städtischen Bundesrealgymnasiums (BRG), ehe das Zentrum im Jahr 2014 geschlossen wurde. Direktorin Gerlinde Mihalits, die seit November 2018 die Schulleitung verantwortet, sieht in der Ausweichstation Martinihof kein großes Problem, betont aber: „Natürlich wäre es wünschenswert, gäbe es am Schulstandort geeignete Räumlichkeiten. Eines der wichtigsten Kriterien für die Austragung unseres Schulballes ist aber die Größe des Ballsaals.“

Alternativen wurden damals geprüft, unter anderem war ein SVM-Zelt angedacht, auch die Bauermühle wurde in Erwägung gezogen: „Aber auch die war letztendlich zu klein.“ Das Fassungsvermögen im Martinihof entspreche dagegen sehr wohl den Anforderungen des BRG, da auch der Ballsaal durch ein Zelt ins Freie erweitert werden kann.

„Natürlich wäre es wünschenswert, gäbe es am Schulstandort geeignete Räumlichkeiten"

Beim Kulturzentrum in Mattersburg, in dem traditionell der Schulball immer veranstaltet wurde, fanden Anfang Juli Abbrucharbeiten an Teilen des Gebäudes statt. Bis Mitte 2021 soll es neu errichtet werden und danach als „attraktiver Veranstaltungsort für die Region, die Stadt und die Vereine zur Verfügung stehen“, heißt es aus dem Büro des Landeshauptmanns.

Noch in den 1960er Jahren mangelte es an adäquaten Räumen für Kulturveranstaltungen und Erwachsenenbildung im Burgenland. Neudörfls Bürgermeister Dieter Posch erinnert sich an die Anfänge zurück, die zur Entstehung der burgenländischen Kulturzentren führten: „Gerald Mader, der damalige SPÖ-Kulturlandesrat, war derjenige, der gesagt hat, der arbeitende Mensch brauche neben seiner Arbeit auch kulturelle Bildung.“ Ziel war es deshalb, dem burgenländischen Raum solche kulturellen Möglichkeiten zu bieten, die bisher nur den Großstädten vorbehalten waren. „Man hat gesagt, ‚wir bringen die Kultur zum Menschen ins Land.‘ Daraus ist das Kulturzentrum Mattersburg als erstes Pilotprojekt entstanden.“

„Der Martinihof ist unser Kulturzentrum“

Zwei Jahre davor setzte man bereits in Neudörfl ein richtungsweisendes Signal mit dem Bau des Martinihofs, „aber nicht weil wir größenwahnsinnig waren, sondern weil das einzige Wirtshaus, in dem wir einen Tanzsaal hatten, davor zugesperrt hat. Der Martinihof ist seitdem unser eigenes Kulturzentrum.“

Und als solches hat es auch eine Bedeutung, die über die Austragung zahlreicher Feste der Vereine aus Neudörfl hinausreicht. Überregionale Künstler, wie z. B. der Kabarettist Thomas Stipsits, der hier sogar zweimal Station machte, gaben sich ein Stelldichein; aber auch Landesparteitage, Sportunionslandeskonferenzen oder Schulbälle, wie früher, als der Sparkassensaal in Wr. Neustadt renoviert wurde, der HTL-Ball oder wie jetzt der Schulball des BRG Mattersburg wurden im Martinihof abgehalten. „Demnächst kommt auch das Innenministerium zu uns und macht drei Tage lang eine Schulung. Alle möglichen Veranstaltungen finden hier statt, durchaus mit überregionaler Geltung.“

Vereine können den Saal gratis nutzen

Das Hauptaugenmerk der Gemeinde blieb zudem stets darauf gerichtet, den Neudörfler Vereinen den Saal gratis zur Verfügung zu stellen. „Jedes Monat zahlen wir eine bestimmte Summe an unsere Errichtungs-, Beteiligungs- und Betriebs-GmbH, deren Geschäfte Luzia Eitzenberger leitet, um damit für unsere Vereine das Gratisnutzungsrecht im Martinihof zu erwerben. Ansonsten müsste die GmbH mit den Vereinen abrechnen. Sie würden dann bei mir um Subventionen ansuchen, um sich die Miete für den Saal leisten zu können.“

Seit dem Ausbau des Martinihofs 2001 ist Eitzenberger Geschäftsführerin der GmbH, seit 2017 auch operative Geschäftsführerin des Martinihofs. „Wir haben die Zusage, dass sie das bis Ende 2019 macht. Und wir hoffen, dass sie auch darüber hinaus bleibt“, so Posch.