Ohne Ticket im Zug: Fahrgast rastete aus

Erstellt am 31. Dezember 2021 | 05:22
Lesezeit: 3 Min
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Ein Fahrschein-Kontrollor wurde im Zug von Mattersburg nach Wiener Neustadt von einem Fahrgast verletzt. Jetzt steht der Täter, ein 23-jähriger Mann, wegen des Verbrechens der schweren Körperverletzung vor Gericht.
Foto: Symbolfoto: Milorad Milankovic, shutterstock.com
23-jähriger Mann wegen schwerer Körperverletzung angeklagt. Prozess vertagt.
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Ein 23-jähriger Mann hatte am 19. August 2021 in einem Zug von Mattersburg nach Wiener Neustadt einen Fahrkarten-Kontrollor krankenstandsreif geprügelt.

Kurz vor Weihnachten stand der junge Mann vor Gericht. Er sei damals „frisch von der Arbeit“ gekommen und wollte mit dem Zug nach Hause fahren. Eine Fahrkarte hatte er nicht.

„Früher konnte man im Zug eine Fahrkarte kaufen“, verteidigte sich der Angeklagte.

Bereits am Bahnsteig in Mattersburg hatten ihn drei Ticket-Kontrollore, zwei Männer und eine Frau, beobachtet, die mit dem selben Zug nach Wiener Neustadt fahren wollten. „Im Zug fragte mein Kollege den Herrn wegen seiner Fahrkarte“, berichtete einer der Kontrollore, ein 32-jähriger ÖBB-Angestellter aus dem Bezirk Neusiedl.

„Der junge Mann sagte, er hat keine Fahrkarte. Mein Kollege sagte, dass der Fahrgast ja zehn Minuten am Bahnsteig gesessen sei und gesehen habe, dass wir Kontrollore sind.“ Mattersburg sei ein Bahnhof mit Ticketschalter, daher bestehe die Möglichkeit nicht, erst im Zug eine Fahrkarte zu erwerben, erklärte der Kontrollor.

Der Fahrgast habe mit seinem Kollegen zu diskutieren begonnen. Der Kontrollor fragte nach einem Ausweis, um eine Anzeige wegen Schwarzfahrens erstatten zu können.

Der 23-Jährige habe geantwortet, er werde die Strafe nicht bezahlen.

Kontrollor erhielt zwei Ohrfeigen

„Ich versetzte ihm einen Faustschlag“, gab der Angeklagte zu. Weil der Kontrollor weiter auf ihn zugegangen sei, habe er ihm ein zweites Mal mit der Faust aufs Kinn geschlagen und den ÖBB-Mitarbeiter dann in den „Schwitzkasten“ genommen.

„Sie lagen im Gang zwischen den Fahrgästen“, berichtete die Fahrschein-Kontrollorin. Sie habe zum ersten Mal erlebt, dass es zu einem solchen Übergriff im Zug kam.

Augenzeugen des Vorfalls wurden auch ein 39-jähriger Mann aus dem Bezirk Mattersburg und seine zwölfjährige Tochter.

„Das war kein schöner Tag“, erinnerte sich der 39-Jährige. Schimpfwörter seien hin- und hergeflogen.

Seine Tochter habe entsetzt geschrien und geweint. „Die Kontrolleurin war so nett und ging mit ihr weg“, erzählte der Augenzeuge. Seine Tochter habe noch heute Angst, allein mit dem Zug zu fahren. „Und das alles wegen einem 6-Euro-Ticket!“, wunderte sich der Zeuge.

Der Kontrolleur selbst, der bei der Attacke durch den Fahrgast verletzt worden war, konnte nicht als Zeuge vernommen werden. Er hatte nach dem Vorfall seine Tätigkeit für die ÖBB beendet und übersiedelte als Dolmetscher nach Portugal.

Fraglich ist, ob der 26-tägige Krankenstand des Opfers tatsächlich medizinisch gerechtfertigt war.

Der Verteidiger des 23-jährigen Angeklagten beantragte daher ein entsprechendes Sachverständigengutachten.

Sollte bei dem Opfer eine mehr als 24-tägige Berufsunfähigkeit vorgelegen sein, so gilt die durch den Angeklagten verursachte Verletzung des Fahrkarten-Kontrollors als schwer und dem Angeklagten droht für dieses Verbrechen eine Haftstrafe im Ausmaß von sechs Monaten bis fünf Jahren.

Dauerte die Berufsunfähigkeit hingegen kürzer als 24 Tage, so liegt das Strafmaß zwischen null Monaten und zwei Jahren.

Der Prozess wurde vertagt.

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