Briten später dran mit Corona-Maßnahmen. In England wartete man mit Maßnahmen länger ab. Der gebürtige Mattersburger Wolfgang Gold berichtet aus Manchester.

Von Richard Vogler. Erstellt am 03. April 2020 (18:35)
Wolfgang Gold ist als Hotel-Consultant tätig. Der 48-Jährige erhält wie die anderen Unternehmer von der Regierung einen Zuschuss von 2.500 Euro, jedoch erst im Juni.
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Europa ist der am stärksten von Corona betroffene Teil des Erdballs und auch in Großbritannien steigt die Anzahl der ausgewiesenen Infizierten steil an. Der aus Mattersburg stammende Wolfgang Gold bekommt die Situation dort hautnah mit, seit 1998 ist er auf der Insel wohnhaft. „Zum ersten Mal ist mir die Gefahr Anfang März bewusst geworden, als ein Flug nach Kiew zu einem Meeting und danach nach Cannes zu einer Messe storniert wurde“, berichtet der 48-Jährige.

Ursprüngliche Linie bald verworfen

„Wie viele andere habe auch ich dies zu Beginn jedoch nicht so ernst genommen. Die Regierung vertrat auch zunächst die Linie der Herden-Immunisierung“, so Gold. Davon ist man in England bald abgekommen und jene Maßnahmen, wie man sie von Österreich kennt, wurden erst rund eine Woche später ergriffen. Zunächst wurde der Bevölkerung geraten, zuhause zu bleiben. Am Donnerstag, den 19. März, wurden die Schulen geschlossen, am Montag, den 23. März, vergangener Woche folgte dann der „Lock Down“.

„Es wurden dann in etwa die gleichen Maßnahmen wie in Österreich getroffen. Es haben nur mehr systemrelevante Geschäfte wie Poststellen, Banken, Apotheken oder auch Lebensmittelgeschäfte geöffnet“, so Gold, um von einer ungewöhnlichen Entscheidung zu berichten: „Nicht ganz nachvollziehbar ist, dass Radgeschäfte nach wie vor offen haben dürfen.“ Bei den Menschen in England und Manchester erkennt er ein gewisses Umdenken: „Natürlich gibt es immer wieder Unverbesserliche, die sich nicht an die Vorgaben halten. Der Großteil hält sich jedoch daran, bei den Menschen spürt man dennoch mittlerweile auch, dass es eine gewisse Solidarität gibt.“ Bei den Supermärkten wird darauf geachtet, dass „nur eine gewisse Anzahl an Kunden den Markt betritt. Viele Regale sind leer.“

Der 48-Jährige ist Hotel-Consultant. Hierbei berät er Hotels bei deren Entwicklung, der Wahl des Standortes oder auch des richtigen Segmentes und für eine holländische Hotelgruppe wickelt er den Einkauf ab. Beim „International Hospitality Award“ fungierte er bereits als Juror.

Bei seinem regulären Arbeitsalltag hat sich im Grunde nicht viel geändert. Schon vor Corona betrieb er Homeoffice, nur die internationalen Meetings fallen nun weg. „Natürlich haben mich die Maßnahmen durch Corona auch sehr stark getroffen. Die Tourismusbranche liegt brach. Das Geschäft mit meinem Hauptkunden fällt weg und andere Projekte wurden gestoppt.“ Angestellte bekommen von der Regierung 80 Prozent des Gehaltes erstattet, bei den Selbstständigen in England sieht die Angelegenheit anders aus. „Nun stehen schwierige Zeiten für Unternehmer an. Selbständige bekommen einen Zuschuss von 2.500 Euro im Monat, dieser wird jedoch erst im Juni ausbezahlt. Dies zu überbrücken wird für viele sehr schwierig werden“, schildert Gold die Situation.