Auf des Jägers Spuren: Neudörfler Schüler (18) im Gespräch

Erstellt am 18. April 2022 | 05:37
Lesezeit: 4 Min
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Michael Marchhart mit seinem Vater Christoph Marchhart mit Jagdhund Urs. Mit 18 Jahren ist er einer der jüngsten Jäger in der näheren Umgebung, wenn nicht sogar im ganzen Burgenland. Foto: zVg
Foto: BVZ
Michael Marchhart ist nicht nur einer der jüngsten Vertreter im vor Kurzem neu gewählten Pfarrgemeinderat, mit 18 Jahren zählt er auch zu den jüngsten Jägern in der Umgebung.
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Früher hat Michael Marchhart häufig Geschichten von seinem Urgroßvater erzählt bekommen. Darin ging es auch darum, dass dieser ein passionierter Jäger war.

„Daraufhin habe ich angefangen, mich dafür zu interessieren und zu klären, ob das überhaupt etwas für mich ist“, erzählt der Schüler, der heuer seine Matura machen wird, wie er zu dem doch etwas außergewöhnlichen Hobby, jedenfalls in seiner Altersstufe, kam. Einfach ein Gewehr kaufen und damit in den Wald spazieren, geht natürlich nicht.

Nahrungsknappheit soll vermieden werden

Mit 16 hat er seine Jagdprüfung an der Bezirkshauptmannschaft Mattersburg abgelegt. „Diese besteht aus einem theoretischen und praktischen Teil. Davor absolviert man einen Kurs, in dem einem die Theorie beigebracht wird, das Wissen über die Tiere, das Jagdrecht und auch die Bräuche.“

Ein eigenes Revier hat Marchhart aus Zeitmangel noch nicht. „Ich habe aber schon häufiger die Möglichkeit gehabt, das Revier von Verwandten im Seewinkel zu besuchen und auch in Neudörfl bin ich hin und wieder schon mit auf die Jagd gegangen.“

Dass die Jagd in der heutigen modernen Gesellschaft nicht bei allen den besten Ruf genießt, dem ist sich auch Michael Marchhart bewusst. „Das Problem liegt aber darin, dass der Mensch manche natürlichen Feinde von Wildtieren, wie den Wolf oder den Bären, weitgehend ausgerottet hat und sich Wildtiere dadurch schnell vermehren können.“ Um bei größer werdenden Population Krankheiten oder Nahrungsknappheit zu vermeiden, müsse der Mensch in Form des Jägers sozusagen als „Feind“ einspringen, sagt Marchhart.

Was einen guten Jäger allerdings auszeichnen muss, ist der Respekt vor dem Tier, eine pure Tötungslust darf unter keinen Umständen sein Handeln bestimmen, ist Marchhart überzeugt.

„Der Respekt vor den Tieren als Teil der Schöpfung muss natürlich für mich immer gegeben sein. “ Michael Marchhart, Schüler und Jäger

Marchhart: „Ich sehe das Tier zum einen als Lebewesen, welches für das natürliche System von Wäldern, Wiesen und Feldern wichtig ist. Zum anderen sehe ich es auch als eine Ressource von Fleisch. Der Respekt vor den Tieren als Teil der Schöpfung muss natürlich für mich immer gegeben sein, so gibt man zum Beispiel dem erlegten Tier einen Ast in den ‚Äser‘, dem Mund des Tieres. Diesen Brauch nennt man den ‚Letzten Bissen‘“. Damit wolle man dem erlegten Tier symbolisch noch eine letzte Mahlzeit mit in den Tod geben.

Das geschossene Tier wird in der Regel anschließend auch, sofern es nicht krank ist, verwertet. Im Wildfleisch sieht Marchhart deshalb auch eine gesündere und humanere Alternative zum Fleisch aus Massentierhaltung, das aufgrund seiner Begrenztheit natürlich aber nicht den gesamten Hunger nach Fleisch in der Gesellschaft decken kann. „Aber meiner Einschätzung nach gewinnt Wildfleisch in letzter Zeit immer mehr an Beliebtheit“, so Marchhart.

„Es kostet Überwindung, auf ein Tier zu schießen.“

Jetzt im Frühling beginnt die Hauptjagdsaison für Großwild wie zum Beispiel Hirsch oder Reh. Für Niederwild, etwa Hasen, Fasane oder Enten ist die Hauptsaison im Herbst und dauert bis Jahresende. Wildschweine können das ganze Jahr über gejagt werden, erklärt Marchhart, „da sie sich rasch vermehren und auch für die Landwirtschaft ein großes Problem darstellen.“

Im Gegensatz zu Niederwild, das meistens mit mehreren Jägern und Treibern gejagt wird, da eine Jagd alleine weniger Erfolgsaussichten hat, geht man auf Wildschweinjagd eher einzeln oder zu zweit. Bisher war Marchhart nur bei Niederwildjagden dabei, berichtet er.

Sobald es letztendlich darauf ankommt, auch den Gewehrabzug zu drücken, wenn ein Tier ins Visier gerät, ist das für den 18-Jährigen aber tatsächlich nicht immer einfach: „Sicherlich kostet es eine Überwindung, auf ein Tier zu schießen. Manchmal habe ich es auch nicht geschafft abzudrücken. Das ist jedoch nicht wirklich schlimm, man muss ja nicht gnadenlos handeln, nur damit man etwas erlegt“, so die Handelsmaxime von Michael Marchhart, die vorhin auch schon als die definiert wurde, die einen guten Jäger leiten soll.

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