Sven Köhler ist zurück in der Wahlheimat

Acht Monate war Sven Köhler, Physiotherapeut aus Neudörfl, zuletzt in Dänemark, um eine Weltklassehandballspielerin bei ihrer Reha zu begleiten. Jetzt ist er wieder daheim.

Christian Artner Erstellt am 19. September 2021 | 06:35
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Sven Köhler mit Ines Khouildi. Die 36-Jährige spielt beim deutschen Handballbundesligisten Thüringer HC und arbeitet zur Zeit gemeinsam mit Köhler intensiv an ihrem Comeback nach einem Kreuzbandriss, mehrere Stunden pro Tag. Für seine „normalen“ Patienten bleibt trotzdem noch Zeit.
Foto: zVg

Die Zusammenarbeit mit der niederländischen Handballnationalspielerin Estavana Polman, die sich im August letzten Jahres einen Kreuzbandriss zugezogen hat, war für Sven Köhler ein voller Erfolg. „Estavana hatte bereits ihr Comeback beim dänischen Handballverein Esbjerg gegeben und auch gleich wieder unglaublich gut gespielt, mit einigen Toren und einem erfrischenden Spielstil.“ Auch für das Nationalteam war sie wieder im Einsatz. Kurze Zeit später verletzte sie sich erneut. Das Kreuzband ist zwar heil geblieben, ein kleiner operativer Eingriff war aber dennoch notwendig. „Ihr Operateur hat gesagt, wenn wir nicht so intensiv und konstruktiv trainiert hätten, wäre das Kreuzband wieder im Eimer gewesen.“ Die Olympischen Spiele in Tokyo musste Polman dadurch aber an sich vorbeiziehen lassen. Von Österreich aus stellte Sven Köhler ihr einen Trainingsplan zusammen. „Hier noch einmal alles liegen lassen, kam für mich nicht infrage.“

Spezialisiert auf Bereiche Schulter und Knie

„Wenn jemand 30 Minuten einen Termin hat, plane ich mir immer 45 Minuten ein.“ Für den Neudörfler Physiotherapeuten Sven Köhler steht die Kundenzufriedenheit an erster Stelle.

Köhler zog es Anfang 2018 aus dem Norden Deutschlands nach Neudörfl. Gemeinsam mit seiner Partnerin Stefanie Kaiser, die für Hypo Niederösterreich und das österreichische Nationalteam spielt, lebt er in der Gemeinde. Im Tenniscenter Habeler & Knotzer hatte er bis zu seinem Ruf aus Dänemark eine Physiotherapiepraxis. Zurück in Österreich ist Köhler natürlich wieder als Physiotherapeut tätig, seine Praxis hat er nun in Bad Sauerbrunn, direkt am Hauptplatz, eingezogen.

Dort behandelt er die Hobbysportlerin und den Amateurfußballer genauso wie die „normale“ Büroangestellte oder den körperlich hart schuftenden Arbeiter bei allen möglichen Beschwerden. „Am häufigsten kommen Rückenbeschwerden vor“, sagt Köhler, „und dadurch, dass ich viel im Handballsport unterwegs bin, habe ich mich auch auf die Bereiche Schulter und Knie spezialisiert.“ Die Zusammenarbeit mit Nichtprofisportlern hat Köhler während seiner Zeit in Dänemark ganz besonders vermisst. „Ich habe mir jetzt wieder klar vorgenommen, meinen Kundenstamm zeitlich nicht zu vernachlässigen, weil mir die Arbeit mit Menschen mit unterschiedlichem sportlichen Hintergrund sehr großen Spaß macht. Das ist auch das, was mich dazu motiviert, schon morgens um fünf Uhr mit der ersten Behandlung zu beginnen.“

Einen Unterschied zwischen Topathletin und Hobbysportler macht Köhler, was seine professionelle Herangehensweise betrifft, nicht. „Ich glaube, das merken meine Patienten auch, was ein Grund sein könnte, warum viele nach meinem Aufenthalt in Dänemark meine Dienste wieder in Anspruch nehmen.“ Viel lässt sich nämlich auch präventiv leisten und nicht erst wenn Rückenschmerzen schon chronisch geworden sind. „Ich versuche die Leute auch ein wenig zu erziehen, dass der Zustand, in dem es ihnen gut geht, einer ist, den man kontinuierlich bearbeiten muss, um ihn zu erhalten.“ Das würden die Kunden schätzen. Und auch, dass es bei ihm so sei, „dass wenn jemand 30 Minuten einen Termin hat, ich mir immer 45 Minuten einplane.“

Bei so einem, für die Patienten natürlich vorteilhaften Zeitmanagement, bleibt für Köhler selbst im Moment nicht allzuviel Freizeit. Neben seiner Physiotherapiepraxis hat er auch wieder seine Arbeit als Athletikcoach bei Hypo Niederösterreich aufgenommen. Außerdem schaffte er den Sprung vom Physiotherapeuten des österreichischen Nachwuchs-Frauennationalteams, der er lange Zeit war, zum Physio der A-Mannschaft.

Nach 10 Jahren wieder für WM qualifiziert

Zudem hat Köhler derzeit noch bis Ende September eine prominente Handballspielerin auf internationalem Top-Niveau bei ihm in Behandlung: Ines Khouildi spielt für den deutschen Bundesligisten Thüringer HC und vertrat ihr Heimatland Tunesien zwischen 2007 und 2017 bei fünf Weltmeisterschaften. Khouildi zog sich, genauso wie Polman, einen Kreuzbandriss zu. „Wir trainieren jetzt zirka drei Stunden am Vormittag bei mir in der Praxis. Dort machen wir Athletiktraining und passive Behandlung mit Strom oder Regenerationsboots. Am Nachmittag gibt es dann noch ein zweistündiges Training in der Südstadt – und das sechs Mal die Woche“, gibt Köhler einen kleinen Einblick in die Reha. 24 Stunden, die ein Tag normalerweise hat, sind für Köhler also fast schon zu wenig.

Für den Neudörfler aber kein Problem: „Ich weiß, dass die gemeinsame Zeit mit Ines begrenzt ist. Deshalb kann ich das auch fünf Wochen lang durchziehen. Anschließend wird es dann wieder ein wenig ruhiger.“ Wobei ruhig im Leben von Sven Köhler relativ ist. Schon im Dezember steht die nächste große Herausforderung an. Das österreichische Damennationalteam hat sich nämlich nach 10-jähriger Abwesenheit bei großen Turnieren wieder für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. „Das ist privat, dadurch dass meine Freundin für Österreich spielt, als auch beruflich für mich sehr viel wert.“