Dorffest als Fixpunkt im "Dorfleben". Vereine sind ein wichtiger Teil des Dorflebens. Beim jährlichen Dorffest sind viele vertreten und bessern sich ihre Kassa auf.

Von Christian Artner. Erstellt am 15. September 2019 (16:18)
BVZ

8.000 bis 10.000 Besucher hätten sich, einer Schätzung von Bürgermeister Dieter Posch zufolge, bei gutem Wetter in den besten Jahren durch die Hauptstraße von Neudörfl gedrängelt, wenn alljährlich am zweiten Wochenende im September ein kleiner Ausnahmezustand in die Gemeinde einkehrt und alles andere, zwar nicht zum Erliegen kommt, aber kurz in den Hintergrund rückt und das Dorffest gefeiert wird. „Dabei zähle ich jene wie mich doppelt, die Samstag und Sonntag zu Gast sind.“ Dies gelte auch für viele andere, weshalb die Anzahl der individuellen Besucher geringer ist.

Das Neudörfler Dorffest wurde vor 29 Jahren das erste Mal unter dem damaligen Bürgermeister Ernst Götz ausgetragen. Über ein Jahr lang wurden davor an der Hauptstraße Rückbau-Arbeiten durchgeführt. Je länger sich das Projekt hinzog, umso größer wurde der Unmut in der Bevölkerung, die noch in einer Volksbefragung mit großer Mehrheit für diese Arbeiten gestimmt hatte, berichtet Posch, der damals bereits Vizebürgermeister war.

„Ernst Götz und ich haben sogar erlebt, dass ein Autobus stehen blieb, die Tür öffnete und der Chauffeur hinaus schimpfte. Es war nicht angenehm.“ Als die Arbeiten schließlich erfolgreich zu Ende gebracht wurden, habe Götz beschlossen, das Teilstück der neuen Hauptstraße zu einer Festmeile zu erklären. „So ist unser Dorffest entstanden“, das vor allem auch den Vereinen der Gemeinde eine Möglichkeit bietet, ihre interne Kassa auf Vordermann zu bringen.

18 Vereine und 4 Gastronomiebetriebe haben am Samstag und Sonntag eigene Stände geführt. Jeder Stand – ausgenommen derjenigen der Kinderfreunde und des ARBÖ, die aufgrund dessen, dass sie nichts angeboten haben, das sie hätten verkaufen können – musste eine Standgebühr von 165 Euro zahlen. Im Gegenzug stellt die Gemeinde die Infrastruktur zur Verfügung. Die Kosten für Stromver- und Müllentsorgung, WC-Anlagen, die Musikkapellen am Sonntag, Werbung etc. beliefen sich auf etwa 15.000 Euro. „Das ist der Betrag, den die Gemeinde investiert, um den Vereinen die Möglichkeit zu bieten, mit Kreativität und Einsatz einen Teil ihres Jahresbudgets zu erwirtschaften“, so Posch

„Das Dorffest ist für uns finanziell sehr wichtig“

Roland Portius, Obmann des Männergesangsvereins Neudörfl, zahlt diese Standgebühr gerne. „Die Gebühr sehe ich als rein symbolische Geste und deckt sicherlich nicht die realen Kosten der Gemeinde ab.“ Etwa ein Viertel bis ein Drittel der Jahreseinnahmen würden der Männergesangsverein durch das Dorffest lukrieren.

Damit ist es der zweitgrößte Aktivposten nach dem Ball am Faschingssamstag und noch vor den Mitgliedsbeiträgen. Aber nicht nur das Finanzielle steht für Portius beim Dorffest im Vordergrund: „Die Gemeinschaft wird gefördert, wir können den Chor nach außen hin präsentieren und es macht Spaß.“ Für den Lederhosen- und Dirndlverein Neudörfl würde das Dorffest sogar etwa 60 bis 70 Prozent des jährlichen Gesamtbudgets ausmachen, schätzt Bernhard Götz, Obmann der LEHODIs.

„Das Dorffest ist für uns natürlich sehr wichtig und wir sind immer wieder gerne vertreten.“ Seine Bilanz fällt trotz des Regenwetters am Samstag positiv aus. „Insgesamt war es in Ordnung, der Sonntag brachte einen guten Umsatz“. Viele ungeöffnete Getränkeflaschen seien nicht übrig geblieben, außerdem habe man auf Kommission gekauft: „Wir können Getränkekartons, die nicht verwendet wurden, zurückbringen.“

Bürgermeister Posch hat sich auch bereits bei den Vereinen umgehört: „Kein einziger Verein hätte gesagt, dass er in Summe draufzahlen musste. Für unsere Schweizer Partnergemeinde, die jedes zweite Jahr Raclette-Käse anbietet, war es sogar das beste vorstellbare Wetter, denn wenn es zu heiß ist, kauft niemand zerflossenen Käse. Am Sonntag waren sie ausverkauft.“

Posch möchte außerdem lobenswert hervorheben: „Seit 29 Jahren müssen die Anrainer entlang der Hauptstraße diesen Ausnahmezustand erdulden. Dafür möchte ich mich bedanken und auch bei den Gemeindemitarbeitern, die dafür sorgen, dass am Montag die Hauptstraße wieder sauber ist.“