Es wird wieder gesungen. Endlich darf wieder gemeinsam gesungen werden, so auch im Neudörfler Männergesangsverein. Die Stimmen sind zwar noch etwas kratzig, das soll sich aber schnell ändern.

Von Christian Artner. Erstellt am 17. Juli 2021 (04:50)
Noten Musik Klassik Symbolbild
Symbolbild
Wongsiri Subhayon/shutterstock.com

Griechischer Wein, aus dem Repertoire „Heurigen Singen“, war das erste Lied, das der Männergesangsverein (MGV) nach fast eineinhalbjähriger Pause wieder gemeinsam gesungen hat. Einen bestimmten Grund, warum gerade dieses Lied ausgewählt wurde, nennt Günter Kornfeld, Schriftführer und zweite Bassstimme – „das ist tief im Keller“ – nicht. Vielleicht war es als Lied zum Dank dafür gedacht, dass endlich wieder die Heurigenlokale geöffnet haben oder einfach schon eine Vorbereitung auf ihren ersten gemeinsamen Auftritt seit dem MGV-Ball 2020, kurz vor dem ersten Lockdown. Ein paar Monate muss man sich allerdings noch gedulden, ehe man die Männer wieder live auf einer Bühne bestaunen kann: „Das Heurigen-Singen beim Hauer wurde jetzt zweimal abgesagt, wir hoffen, im Mai 2022 endlich auftreten zu können.“

Intern wird allerdings wieder seit fast drei Wochen gesungen. Wer nahe dem Kulturkeller der Volksschule Neudörfl genau lauscht, kann möglicherweise hören, wie der Griechische Wein besungen wird oder andere Lieder aus dem Bereich Schlager, Klassik oder dem traditionellen Volksliedgut zum Besten gegeben werden. Ginge es nach Günter Kornfeld, so würde man auch „Bohemian Rhapsody“ von Queen performen. Dafür fehlt dann aber doch das Neudörfler Äquivalent zu Freddy Mercury, das aber durchaus noch gefunden werden kann, denn eine geschlossene Gesellschaft ist der Männergesangsverein nicht. „Ein Chor kennt kein oberes Limit und da unser Altersschnitt ohnehin sehr hoch ist, freuen wir uns über jeden Neuling.“

„In erster Linie geht es jetzt um Stimmbildung und Kameradschaftspflege. Da wir ein sehr harmonisches Miteinander pflegen, war die Freude, wieder gemeinsam singen zu dürfen, bei allen spürbar.“ (Günter Kornfeld )

Seit dem 17. Juni wird nun also wieder geprobt, traditionell donnerstags zwischen 19 und 21 Uhr. „In erster Linie geht es jetzt um Stimmbildung und natürlich Kameradschaftspflege. Da wir ein sehr harmonisches Miteinander pflegen, war die Freude, wieder zusammenzusitzen und gemeinsam singen zu dürfen, bei allen spürbar“, sagt Kornfeld, der seit 10 Jahren im Verein mitsingt. Corona-Einschränkungen gibt es inzwischen keine nennenswerten mehr. „Alle aktiven Chormitglieder sind geimpft, getestet sowieso – trotz Impfung – und ein Kollege ist genesen.“

Zwar nicht in ihrer Funktion als Sänger, dafür aber hinter der Theke beim Ausschank wird der MGV beim bevorstehenden Dorffest im September, wozu wie berichtet bereits die Vorbereitungen laufen, eine gute Figur abgeben. Überraschungen oder Veränderungen wird es dort höchstwahrscheinlich nicht geben: „Wir sind mit unserem Stand ein beliebter und hochfrequentierter Treffpunkt. Deshalb gibt es keinen Anlass, etwas zu verändern, außer, dass unser Chormeister Rudi Belloschitz mit seiner Band ‚Rudi & Friends‘ am Sonntag bei uns aufspielen wird.“ Dieser sei als ehemaliger Wiener Sängerknabe auch „der einzige, der für einen Soloauftritt in Frage kommen würde.“ Die gute Kameradschaft innerhalb der Gruppe wird auch an dieser Feststellung von Kornfeld vermutlich nicht zerbrechen, denn die gibt es, wenn freilich mit wechselnden Mitgliedern, schon seit 140 Jahren. Gegründet wurde der Verein 1881. „Die große Jubiläums-Feier hätte heuer im September stattfinden sollen. Aus bekannten Gründen haben wir diesen Termin auf 2022 verschoben, weil wir zu wenig Zeit für die Vorbereitung hatten und wir auch singtechnisch wie alle unsere Gastchöre noch auf keinem guten Niveau sind.“

Hundert verschiedene Lieder schon gesungen

Dreißig Lieder hat der Chor ständig auf Abruf parat, trotzdem müssen die Stimmen der Hobbysänger wieder trainiert werden. Insgesamt sind es ungefähr hundert Lieder, schätzt Kornfeld, die die Männer in den vergangenen Jahren gemeinsam erarbeitet und gesungen haben. Privat hört der Gemeindebedienstete alles Mögliche: „Vor allem aber Jazz in allen Facetten, Blues aber auch Schwermetall. Mit anderen Worten: von Miles Davis bis Metallica, von Allman Brothers Band bis Paolo Conte.“