Hündin Mia hilft bei Therapien im Pflegezentrum. Anita Fuchshuber und ihre Hündin Mia helfen Klienten im Neudörfler Pflegezentrum spielerisch, ihre mentalen und haptisch-motorischen Fähigkeiten zu bewahren.

Von Christian Artner. Erstellt am 26. September 2020 (04:23)
Anita Fuchshuber und ihre Yorkshire Terrier Hündin Mia bilden ein sogenanntes Therapiebegleithundteam. Die Ausbildung dauert in der Regel zwei Jahre. „Wir waren aber Streber und haben sie in einem knappen Jahr gemacht.“
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„Mia kam im Rudel mit anderen Hunden auf mich zugelaufen, und sofort war es um mein Herz geschehen“, erzählt Anita Fuchshuber. Blickt man Mia, der Yorkshire Terrier Hündin in ihr zotteliges Gesicht, mit den kugelrunden Augen und der stupsigen Knopfnase, lässt sich das nur allzu gut nachvollziehen. Diese Begegnung war vor sechs Jahren. Seitdem sind Fuchshuber und Mia ein unzertrennliches Team – nicht nur im Alltag, sondern auch bei ihren gemeinsamen Einsätzen im Pflegeheim St. Nikolaus in Neudörfl. Mia ist ein staatlich geprüfter Therapiebegleithund und sorgt dafür, dass Bewohner des Pflegeheims zusätzlich zum restlichen Angebot der Betreuer und Betreuerinnen spielerisch ihre mentalen und haptisch-motorischen Fähigkeiten bewahren bzw. wieder etwas verbessern können.

Anita und Mia betreuen dort zwei Gruppen, maximal sechs Klienten sind bei den als Setting bezeichneten Stunden anwesend. „Mehr würden gar nicht gehen“, sagt Fuchshuber, „davon hätten die Klienten nichts und auch für Mia würde die Arbeit zu stressig und anstrengend werden.“ Denn, und das ist Fuchshuber wichtig zu betonen: Es ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit, die der Hund leistet.

„Viele denken immer noch, er spielt ja nur. Aber sie wissen nicht, wie herausfordernd so ein Setting für den Hund ist.“ Deshalb sind auch viele Ausbildungsstunden notwendig, ehe sich ein Vierbeiner Therapiebegleithund nennen darf. In der Regel dauert die Ausbildung, die beide gemeinsam beim Neudörfler Verein „Tiere Helfen Leben“ absolviert haben, zwei Jahre. „Wir haben sie jedoch in einem Jahr geschafft. Wir waren Streber“, lacht Fuchshuber. In kürzerer Zeit gehe es aber nicht.

Bei aller Strebsamkeit vergisst die Pensionistin trotzdem nicht, vorrangig auf das Wohl ihrer geliebten „Miamaus“ zu achten: „Im Vordergrund steht immer meine kleine Maus. Sie macht sich auch bemerkbar, wenn etwas ist. Es ist schon vorgekommen, dass wir nach einer halben Stunde abbrechen mussten, weil sie nicht gut drauf war. Normalerweise macht es ihr aber immer unheimlich viel Spaß.“ Freiwilligkeit steht selbstverständlich auch bei den Klienten an oberster Stelle. „Wenn jemand sagt, er mag heute nicht, dann muss er auch nicht. Es soll Spaß machen und wir begegnen unseren Klienten immer auf Augenhöhe.“

Viele denken immer noch, der Hund spielt ja nur. Aber sie wissen nicht, wie herausfordernd so ein Setting für den Hund ist, sagt Anita Fuchshuber über die Arbeit ihrer Mia.

Neben Mia und den Klienten spielt natürlich auch Fuchshuber selbst eine wichtige Rolle, damit eine Therapiestunde ein Erfolg wird. Sie erstellt Konzepte für das jeweilige Setting und bereitet die „Spiele“ zuhause vor – bei einem können die Klienten würfeln, danach wird eine Schachtel mit dem gewürfelten Bild gesucht, diese geöffnet, Mia daraus ein Leckerli gereicht und wieder geschlossen. Motorik und Gedächtnis werden dabei trainiert. Nach jedem Setting dokumentiert Fuchshuber, wie es den Klienten erging und welche Fortschritte erzielt wurden.

Diese Dokumentationen werden anschließend mit dem Pflegepersonal besprochen. Die Utensilien, die das Team für das jeweilige Setting benötigt, packt Fuchshuber, bevor sie gemeinsam mit Mia jeweils montags und freitags in das Pflegeheim fährt, in eine große Einsatztasche. Dann weiß Mia: jetzt geht es zur Arbeit. In der Beginnphase von Corona wurde Mia öfters unruhig, lief immer wieder zur Einsatztasche und tippte mit der Pfote darauf. „Ich dachte mir, ich hätte vielleicht ein Leckerli darin vergessen. Bis ich verstand, Mia möchte wieder arbeiten. Das war so berührend für mich. Ihr hat das richtig gefehlt.“ Seit ungefähr eineinhalb Monaten sind die beiden jetzt wieder im Einsatz. Beim ersten Setting nach der Pause wurde das erstellte Konzept aber schnell wieder über den Haufen geworfen: „Beim großen Wiedersehen mit Mia wurde fast nur geschmust, gestreichelt und geküsst, natürlich unter Einhaltung aller Sicherheitsvorlagen.“