Pädagogisches Gipfeltreffen: 1000 Fragen an die Politik. Einmal jährlich kommen in Neudörfl die Kindergarten- und Kinderkrippenpädagoginnen zu einer mehrtägigen Sitzung zusammen, um das neue Betreuungsjahr zu planen.

Von Christian Artner. Erstellt am 28. Juni 2020 (05:10)
21 Pädagoginnen, ein Pädagogen, mehrere Kindergartenhelferinnen (nicht alle am Bild), Bildungslandesrätin Daniela Winkler und Bürgermeister Dieter Posch machten sich letzten Freitag Gedanken über die Betreuung der kleinsten Kinder in der Gemeinde Neudörfl. Winkler konnte von ihrem Besucher viele Anregungen mitnehmen. Die Klausur der Elementarpädagogen selbst dauerte drei Tage, von Mittwoch bis Freitag.
Christian Artner

„1000 Fragen an die Politik“. So stand es auf einem der Flipcharts im Festsaal des Martinihofs, im dem letzte Woche, von Mittwoch bis Freitag, 22 Pädagoginnen, darunter auch ein männlicher Pädagoge, der beiden Neudörfler Kindergärten und der zwei Kinderkrippen sowie der Nachmittagsbetreuung an der Volksschule zusammenkamen, um das neue Kindergartenjahr zu planen und über Schwierigkeiten ihrer Arbeit und Verbesserungsansätze zu diskutieren. Tausend Fragen an die Politik deshalb, weil Bürgermeister Dieter Posch – Elementarpädagogen sind Gemeindebedienstete, so erklärt sich unter anderem seine Anwesenheit –, auch Bildungslandesrätin Daniela Winkler einlud, die sich ein Bild der frühkindlichen Betreuung und Förderung in der Gemeinde machen durfte.

Das Besondere am Neudörfler Modell, erklärt Posch, ist, dass die drei Bereiche – Kinderkrippe, Kindergarten und Nachmittagsbetreuung – stark miteinander kooperieren. „Woanders ist es oft so, dass Kindergarten, Kinderkrippe und Schule räumlich weit voneinander entfernt liegen. Die drei haben miteinander dann nicht wirklich viel zu tun. In Neudörfl werden die Jüngsten, von eineinhalb Jahren bis Ende der Volksschulzeit, auf einem zusammenhängenden Areal gebildet und betreut. Aus dieser räumlichen Nähe konnte sich auch eine inhaltliche pädagogische Verwobenheit entwickeln.“ Diese Verschränkung spiegelt sich auch in einem Rotationsprinzip unter den Pädagogen wider. „Wenn jemand in der Kinderkrippe anfängt, heißt das nicht, dass sie oder er bis zum Pensionsantritt immer nur die ganz kleinen Kinder betreut. Es kann jährlich rotiert werden, nicht nach einem starren Plan, sondern das wird ausdiskutiert. Wer fühlt sich wo gut aufgehoben, wer harmoniert mit wem? Auch wenn 22 dasselbe Ziel haben, heißt das nicht zwangsläufig, dass alle die besten Freunde sein müssen.“

Interessant und einer Hervorhebung wert scheint auch der Aspekt zu sein, dass vier der 22 berufsbegleitend eine zusätzliche Hochschulausbildung absolviert haben – eine Pädagogin berichtet von ihrem Masterabschluss in Psychoanalytic Observational Studies, eine andere hat einen Abschluss in Bildungswissenschaften. „Aber nicht, um zu sagen, jetzt war ich ein paar Jahre Kindergärtnerin und mit meinem Uniabschluss gehe ich irgendwo anders hin. Sie bringen ihr Know-How bei uns ein“, sagt Posch. Deshalb sei auch eine weitreichende Beibehaltung der Autonomie in den Kindergärten so wichtig, wenn darüber diskutiert wird, dass etwa zukünftig Elementarpädagogen keine Gemeindebediensteten mehr sein sollten, sondern in den Landesdienst übergehen könnten. „Bei jeder neuen Geschäftsform, die gefunden wird, muss ganz oben eine größtmögliche Autonomie der jeweiligen Einrichtung stehen“, betont Posch und erntet auch die Zustimmung der anwesenden Pädagogen. „Bei uns ist so viel geleistet worden, das wollen wir nicht mit einem anderen übergeordneten Dienstschema gefährdet sehen. Denn die Motivation ist mitunter auch dadurch gewährleistet, dass man seine Konzepte und Programme anhand der gesellschaftlichen Herausforderungen selbst mitentscheiden kann.“

„Tausend Fragen an die Politik“

Alle tausend Fragen, die für Landesrätin Winkler vorbereitet wurden, konnten nach diesem Eingangsplädoyer letztendlich nicht gestellt und beantwortet werden. Einige Themen kamen aber doch in den rund zwei Stunden zur Sprache, so zum Beispiel das Thema der alterserweiterten Kindergartengruppen: Was ist die Idee dahinter, Zweieinhalbjährige Kinder in eine Kindergartengruppe mit älteren Kindern zu geben, wo doch die Bedürfnisse in dieser Altersspanne sehr weit auseinander klaffen können. Auch der Einsatz von Sonderkindergärtnerinnen von außerhalb – die grundsätzlich zwar eine wichtige Arbeit leisten, darüber war man sich einig – wurde diskutiert. Diese sind häufig nur einmal in der Woche vor Ort, wodurch ein richtiger Bezug zu den Kindern oft nicht hergestellt werden könne. Schließlich wurde auch der Digitalisierungsprozess in den Kindergärten besprochen sowie elementare Kinderrechte, wie etwa das Recht der Kinder auf Urlaub.

Bildungslandesrätin Daniela Winkler zeigte sich dankbar angesichts der vielen Anregungen: „Der Austausch hier mit euch ist mir sehr wichtig.“ Viele Punkte seien zwar bekannt, aber: „Ich bin froh, dass mir das alles auch noch einmal gesagt wird, wo es vielleicht hapert.“

Am Ende fasste Bürgermeister Posch die Botschaft der dreitägigen Sitzung und des öffentlichen Termins mit der Landesrätin zusammen: „Rund 25 Leute treffen sich, teils in ihrer Freizeit, und machen sich Gedanken über die Zukunft unserer Kinder. Diesen Einsatz öffentlich zu machen und zu würdigen, kann nicht falsch sein.“