Stefan Müller als erster männlicher Marketender. Stefan Müller ist seit Anfang des Jahres der erste männliche Marketender in der 45-jährigen Geschichte des Neudörfler Musikvereins Szent Miklos.

Von Christian Artner. Erstellt am 07. September 2019 (03:04)
BVZ
Julia Pinter, Stefan Müller und Birgit Ivancsits bei einem ihrer Rundgänge als Marketender beim 45-jährigen Jubiläum des Musikvereins Szent Miklos. Müller ist der erste männliche Marketender im Verein. Seine Aufgabe ist es, Schnäpse gegen freie Spenden unters Volk zu bringen und den Musikverein zu repräsentieren.

Angeblich gibt es nur zwei männliche Marketenderinnen, mithin Marketender, im ganzen Burgenland. Ein Register, in dem das verzeichnet wäre, ist Stefan Müller nicht bekannt. „Aber im Bezirk Mattersburg bin ich ziemlich sicher der einzige. Und auch in der 45-jährigen Vereinsgeschichte von Szent Miklos, dem Neudörfler Musikverein, gab es noch keinen Mann in dieser Funktion.“

Marketender und Marketenderinnen begleiteten ursprünglich militärische Truppen und versorgten die Soldaten mit Lebensmittel und Dienstleistungen. „Heute ist der Begriff nur mehr bei Marsch- und Blaskapellen üblich“, so Müller, der seit Anfang des Jahres in diese Rolle geschlüpft ist. Dem Musikverein fühlte er sich allerdings auch schon davor immer eng verbunden: „Ich bin langjähriges zahlendes Mitglied und auch mein Vater hat dort gespielt.“

„Zunächst fanden es einige lustig“

Die Initiative, in das Marketender-Kostüm zu schlüpfen, das sich allerdings vom Aufzug der Musiker, wie er ausführt, nicht unterscheidet, ging dabei nicht unbedingt vom 27-jährigen Neudörfler selbst aus. „Viele meiner Freunde spielen im Musikverein. Sie haben mich dann plötzlich gefragt, ob ich nicht Zeit und Lust hätte. Ich musste auch gar nicht lange überlegen, ob ich ihnen helfen soll.“ So ist Müller von einem unterstützenden Mitglied zu einem tatsächlichen Mitglied geworden. Gemeinsam mit seinen beiden Kolleginnen, Birgit Ivancsits und Julia Pinter, geht er bei Veranstaltungen, während die Blechbläser auf der Bühne ihre Noten spielen, von Tisch zu Tisch. „Darf ich Ihnen ein Schnapserl anbieten“, sei dann einer der häufigsten Sätze, durch den der erste Kontakt mit den Gästen hergestellt wird. „Danach redet man ein wenig mit ihnen. So kommen dann schon einige Spenden für den Musikverein an einem Abend zusammen.“ Dass durch seine Beteiligung nun mehr gespendet wird, darauf will sich Müller nicht festlegen: „Ich glaube, es macht keinen großen Unterschied, obwohl mich in der Gemeinde schon einige kennen.“

In seinem weiteren Bekanntenkreis, etwa am Arbeitsplatz, ist der Installateur nicht verlegen, von seiner Freizeitbetätigung zu erzählen. „Ich gehe damit relativ offen um. Zunächst fanden es zwar einige lustig, aber im Grunde stellt das kein Problem dar.“

Über sein Marketenderdasein an speziellen Abenden hinaus – das er durchaus auch selbst mit etwas Humor nimmt –, ist Müller auch sonst im Vereinsleben der Gemeinde aktiv. Er ist Mitglied beim Burschenverein und Obmann beim örtlichen Krampusverein, den Neudörfler „Gfang Teifl“.