Telefonseelsorge: Im Gespräch bleiben. Marlies Odic bekam 1985 von Bischof Laszlo den Auftrag, die Telefonseelsorge Burgenland mit aus der Taufe zu heben.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 08. März 2017 (02:53)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Ausgezeichnet. Marlies Odic bei der Paulus-Preisverleihung.
BVZ, Maria Pöplitsch

Marlies Odic war immer eine aktive Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben und in der Diözese Eisenstadt verwurzelt war. Sie stammt aus Neudörfl, nach ihrem Großvater Matthias Kollwentz ist eine Straße in Neudörfl benannt.

„Er war Schulleiter, die Bezeichnung Direktor gab es zu seiner Zeit noch nicht“, erläutert Odic. Im Februar bekam sie von der Katholischen Aktion den Paulus verliehen, auch wenn ihre aktive Zeit bei der Telefonseelsorge im Jahr 1998 endete.

„Bevor ich in der Diözese angestellt wurde, engagierte ich mich ehrenamtlich bei der Katholischen Frauenbewegung. Eines Tages sagte Diözesan-Sekretärin Helga Kaiserseder zu mir: „Bischof Laszlo möchte, dass auch das Burgenland die Telefonseelsorge einrichtet. Wäre das keine Aufgabe für dich? Ich habe nicht lange nachgedacht, sondern ja gesagt“, erzählt Odic. Denn diese diözesane Einrichtung gab es schon in jedem Bundesland, nur das Burgenland fehlte noch.

Unterstützung bei dieser Aufgabe kam von der Erzdiözese Wien. „Von dort habe ich auch den Rat bekommen, die Telefonseelsorge ökumenisch, also unter Einbeziehung der evangelischen Kirche, einzurichten“, erzählt Odic.

Die ökumenische Zusammenarbeit war immer partnerschaftlich und auf Augenhöhe

Die ökumenische Zusammenarbeit war immer partnerschaftlich und auf Augenhöhe. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Was in der Anfangszeit hingegen schwierig war: Es galt, einerseits geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für den Dienst am Telefon zu finden und andererseits die Menschen zum Anrufen zu motivieren. „Die Telefonseelsorge war damals von 8 bis 12 Uhr besetzt und von 16 bis 22 Uhr. Heute ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr besetzt und unter der Kurzwahl 142 zu erreichen“, berichtet Odic.

„Dass die Telefonseelsorge zu Beginn kostenpflichtig war, stellte ebenfalls eine große Hürde dar, gegen die Odic bis zu ihrer Pensionierung kämpfte und um die Einführung des Ortstarifes. Trotz aller Anfangsschwierigkeiten ging die Telefonseelsorge am 31. Oktober 1985 in Betrieb. Odic selbst absolvierte eine neunmonatige Ausbildung, in deren Mittelpunkt die Personenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers stand. „Das war für mich etwas ganz Neues, ich hatte mit der Materie vorher keine Erfahrung“, erinnert sich Odic, die sich nach ihrer Basisausbildung laufend weiter bildete.

Die Telefonseelsorge wurde rasch zu einer gefragten Praktikumsstelle für Frauen und Männer, die dabei waren, eine Psychotherapieausbildung zu absolvieren.

„Es gibt Mitarbeiter, die seit 1985 bis heute bei der Telefonseelsorge arbeiten“, weiß Odic. Was sie auch lernen musste: die Probleme aus der Telefonberatung nicht mit nach Hause zu nehmen. Die Decknamen, unter denen die Mitarbeiter bis heute arbeiten, helfen dabei, eine Grenze zu ziehen. „Man ist kein Berater, sondern ein Begleiter. Ratschläge sind Totschläge“, zieht Odic aus ihren Erfahrungen Resümee.