Tierische Therapeuten im Einsatz. Der Verein „Tiere Helfen Leben“ aus Neudörfl bildet Therapietiere aus und hilft bei der Vermittlung von Assistenzhunden. Am Sonntag gab es ein großes Familienfest.

Von Christian Artner. Erstellt am 21. September 2019 (04:42)
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Susanna Haitzer, Obfrau des Vereins „Tiere Helfen Leben“, umringt von Assistenzhunden und ihrer kürzlich verstorbenen Hündin Aimee(l. hinten).

„Hallo, mein Name ist Aladin. Ich bin ein Chihuahua-Spitz-Mischling und schon drei Jahre alt. Im Februar habe ich meine Ausbildung zum Therapiebegleithund abgeschlossen.“ So beginnt einer von mehreren Berichten über den Einsatz von Therapiebegleittieren auf der Homepage von „Tiere Helfen Leben“. Der ehrenamtliche Verein, der nächstes Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiert, bildet auf seinem 11.000 m² großen Areal Hunde zur unterstützenden Begleitung für Therapien aus und hilft bei der Beratung und Vermittlung von Assistenzhunden.

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„Das sind, neben der Ausbildungsmöglichkeit zum Hundeverhaltenstrainer, unsere zwei Hauptaugenmerke“, berichtet Susanna Haitzer, die seit zwölf Jahren Obfrau des Vereins in Neudörfl ist, der auch unter anderem Ausbildungsstätten in Wien, dem Waldviertel und der Steiermark hat. Jährlich werden dort 40 bis 50 sogenannte Teams – ein Team besteht aus Mensch und Therapietier – ausgebildet; rund 120 solcher Teams sind österreichweit im Einsatz und besuchen Menschen etwa in Krankenhäusern, oder Wohneinheiten für körperlich oder geistig beeinträchtige Menschen. „Man muss bei diesen Zahlen aber bedenken, dass gewisse Hunde nach einer Zeit nicht mehr in den Einsatz gehen können, weil sie zum Beispiel zu alt sind.

“Ein Besuch mit einem Therapiebegleithund ist dabei immer davon geprägt, über das Tier Motivation aufzubauen, erklärt Haitzer, „damit ein älterer Mensch, ein Kind oder jemand mit einer Beeinträchtigung seine Fähigkeiten entsprechend einsetzt und diese gefördert werden.“ Viele ältere Menschen seien zum Beispiel schon oft therapiemüde oder demotiviert.

„Und dann kommt jemand mit einem Hund, es werden dieselben motorischen Übungen gemacht und plötzlich sind sie mit viel mehr Eifer dabei. Leute, die sonst den ganzen Tag nur im Sessel sitzen, stehen auf und verstecken Dinge für den Hund, der sie anschließend sucht.“ Ein zweites Einsatzgebiet eines Therapiebegleithundes liegt im Gebiet psychiatrischer Behandlungen. „Hier dient der Hund als Multiplikator für den Therapeuten. Über das Tier findet der Therapeut einen Zugang zum Menschen und kann darauf seine Behandlung aufbauen.“

Aber nicht nur Hunde eignen sich als Therapietiere, sondern auch Minischwein, Pony, oder Hühner können eine solche Ausbildung durchlaufen. Letztere sind vor allem bei älteren Menschen beliebt, weiß Haitzer zu berichten: „Viele ältere Frauen, die früher Hühner hatten, haben das sehr gerne, wenn sie ein Hendl im Arm halten.“

Von den Therapiehunden und sonstigen -tieren unterscheidet sich der Assistenzhund, bei dessen Vermittlung der Verein Hilfestellung leistet, in der Hinsicht, dass ein Therapietier seinem Besitzer gehört und beide ein Klientel besuchen, während der Assistenzhund ein unterstützender Hund eines beeinträchtigen Mensch ist und mit diesem zusammenlebt. Hier ist die Art der Unterstützung, die von den Hunden geleistet wird, sehr umfangreich. „Beginnend bei Hörgeschädigten, denen der Hund etwa anzeigt, dass es an der Tür klopft, über die Unterstützung von Eltern mit autistischen Kindern bis hin zum Klassiker, dem Servicehund, der Dinge bringt, Lichtschalter betätigt oder der einem beim Aufsetzen hilft, indem man sich an seinem Brustgeschirr festhält.“

„Tiere Helfen Leben“ kann auch besucht werden. „Nächste Wochen haben wir Kindergartenkinder aus Neudörfl hier, die Woche darauf 42 Kinder aus Rohrbach.“ Am vergangenen Sonntag veranstaltete der Verein außerdem einen Familiennachmittag, bei dem ein kleiner Einblick in die Arbeit mit Therapietieren gewonnen werden konnte.

Haitzer und ihr ehrenamtlich arbeitendes Team wären auch sehr dankbar über jegliche Unterstützungen: „Mit fünf oder zehn Euro monatlich wäre uns schon sehr geholfen.“ Und damit auch vielen Menschen, denen Therapietiere und Assistenzhunde ihr Leben bereichern.