Zu viel Lärmemission bei Fundermax?

Das Neudörfler Unternehmen Fundermax ist seit vielen Jahren erfolgreich im europäischen Holzverarbeitungsmarkt tätig. Bei der Produktion kann es machmal laut werden.

Erstellt am 09. Mai 2021 | 03:23
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Foto: BVZ

Fundermax (vormals Homogen) hat eine lange Tradition in Neudörfl. Seit 1970 werden auf einem Grundstück von über dreihunderttausend Quadratmeter jährlich mehr als fünfhunderttausend Kubikmeter Rohspanplatten mit Premiumqualität erzeugt.

„Die Rohstoffversorgung passiert zu einem sehr großen Teil aus der Region“, sagt Arnulf Penker, der seit Mai 2020 gemeinsam mit Gernot Schöbitz die Geschäftsführung inne hat. Neben Hackschnitzel und Sägespänen wird auch Recyclingholz für die Herstellung der Spanplatten verwendet. „Wenn zum Beispiel in Neudörfl jemand seine Küche erneuert und die alte wird in ein Altstoffsammelzentrum gebracht, kann es möglich sein, dass wir sie zu einem hochwertigen Produkt weiterverarbeiten“, sagt Penker. „Das ist für den Nachhaltigkeitsgedanken, dem wir uns verpflichtet fühlen, ganz wichtig.“

Dass es bei der Produktion von Spanplatten nicht immer ganz geräuschlos zugeht, wird niemanden verwundern. In den sozialen Medien entbrannte kürzlich eine Diskussion darüber, wie die Anrainerinnen und Anrainer, die in der Nähe der Fundermax wohnen, die Entwicklung in diesem Punkt sehen. „Leider ist es seit geraumer Zeit, vor allem nachts ziemlich laut“, beschreibt eine Neudörflerin ihre subjektive Wahrnehmung.“ Jemand anderes sagt: „Manchmal glaube ich, sie schreddern in meinem Garten. Ich denke auch, dass es früher ruhiger war. Vielleicht weil die Bäume abgeholzt wurden. Auf jeden Fall wird es sehr laut werden in der Nacht, wenn ich wieder das Fenster offen habe.“

„Wir können mit Stolz sagen, dass alles, was wir produzieren, Made in Austria ist“, sagt Gernot Schöbitz, Unternehmenssprecher und Geschäftsführer von Fundermax

Gernot Schöbitz, Unternehmenssprecher und seit September 2019 Geschäftsführer im Unternehmen, sagt, dass man sich als integraler Bestandteil der Gemeinde sehe und sich deshalb auch mit möglichen Bedenken von Anrainern auseinandersetze. „Wir arbeiten im Bereich der Grenzwertkontrollen, die es natürlich gibt, konstruktiv mit der Bezirkshauptmannschaft Mattersburg zusammen.“ Nicht nur im Bereich Lärmemission gibt es von den Behörden vorgeschriebene Werte, auch andere Emissionen werden laufend kontrolliert, ergänzt Penker. „Nachdem unser Biomassekraftwerk, mit dem wir viertausend Haushalte, aber auch Unternehmen, in Neudörfl, Bad Sauerbrunn und Wr. Neustadt, mit Fernwärme, also grüner Wärme, versorgen, eine Verbrennungsanlage ist, finden natürlich auch hier laufend unabhängige Messungen statt.“

Gab es nun in den vergangenen Wochen oder Monaten Veränderungen im Produktionsprozess, welche die Wahrnehmung einiger Anrainer bestätigen könnte, die Geräusche würden immer lauter? Arnulf Penker sagt: „Wir haben keine Investitionen getätigt, die einen Anstieg der Geräuschkulisse mit sich bringen.“ Dass auch nachts und am Wochenende gearbeitet wird, sei aus technischer und ökonomischer Sicht notwendig. „Wenn wir die Anlage abstellen, dauert es zwei bis drei Tage bis sie wieder anläuft.“ Was allerdings nachts nicht passiert, sei die Anlieferung von Rohstoffen und die Ablieferung der fertigen Platten.

Die Diskussion in den sozialen Medien griff allerdings auch andere Gesichtspunkte auf. Neudörfl sei nun mal ein Industriestandort, heißt es, man müsse industrielle Arbeitsgeräusche miteinkalkulieren, wenn man dort wohne. Außerdem biete Fundermax vielen Menschen aus Neudörfl und der Region Arbeitsplätze und lasse, durch Kommunalabgaben, die Gemeindekasse klingeln. Derzeit sind in Neudörfl 200 Mitarbeiter beschäftigt, zehn Lehrlinge machen eine Ausbildung. Zusammen mit den anderen Niederlassungen in St. Veit an der Glan und Wr. Neudorf habe man über 1.400 Arbeitsplätze geschaffen.

Die Produktion der Rohspanplatten in Neudörfl, die anschließend in St. Veit beschichtet oder direkt in den Markt gebracht werden, beispielsweise in die Möbelindustrie, stellt dabei ein Herzstück des Unternehmens Fundermax dar. „Wir sind damit europaweit erfolgreich, manches geht sogar nach Übersee“, sagt Schöbitz. „Ein ganz wichtiger Punkt ist dabei, dass wir mit Stolz sagen können: Alles, was wir produzieren, ist Made in Austria.“

Bereits 4.000 Antigen-Schnelltests

Das vergangene Jahr hat Fundermax sehr gut überstanden. „Wir mussten keine Mitarbeiter abbauen, da die geringere Auftragslage bei uns nur etwa drei Monate gedauert hat“, berichtet Penker. „Seit Juli sind wir eigentlich voll ausgelastet in Neudörfl, wie auch an den anderen Standorten in Österreich.“ Was man gemerkt und wovon man auch profitiert habe: „Die Menschen haben dadurch, dass sie weniger oder gar nicht auf Urlaub fahren konnten und viel Zeit zuhause verbrachten, begonnen zu renovieren, ob das Küche, Schlafzimmer oder sonst etwas war. Das Thema Möbel ging deshalb sehr gut.“ Grundsätzlich könne man nämlich in allem, wo Holzwerkstoff verarbeitet wird, Fertigungen aus den Händen der Fundermax finden. „Das Bett, der Wohnzimmerkasten, die Garderobe im Vorzimmer. Aber zum Beispiel auch in der Küche, nicht nur die beschichtete Holzspanplatte, sondern auch die Arbeitsplatte aus Kompaktlaminat und eventuell sogar draußen auf der Fassade“, erklärt Schöbitz.

Auch die Gesundheitsmaßnahmen habe man im Unternehmen vorbildlich umgesetzt. „Wir haben mittlerweile über 4.000 Antigen-Schnelltests durchgeführt, um auch Fälle zu finden, die wenig oder gar keine Symptome haben. Dadurch ist es uns gelungen, Clusterbildungen zu vermeiden.“ Demnächst beginnen auch die betrieblichen Impfungen für Schlüsselarbeitskräfte. „Damit Support und Vertrieb wieder raus zu den Kunden können und unsere Techniker die Projekte wieder wie üblich vorantreiben können.“