Neudörfl: Testbereitschaft weiterhin ungebrochen

Erstellt am 12. März 2022 | 05:32
Lesezeit: 4 Min
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Carmen Tamandl arbeitet seit sieben Jahren in der Passage-Apotheke.
Foto: zVg
Die Neudörfler Pharmazeutin und Apothekerin der Passage-Apotheke, Mag. pharm Carmen Tamandl, spricht über Kaliumjodidtabletten, die Corona-Testbereitschaft unter den Neudörflern und wie sehr Internetapotheken den Apotheken im Ort Konkurrenz machen.
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Der Beschuss des größten europäischen Atomkraftwerks Saporischschja löste bei vielen Menschen auch hierzulande große Sorge aus. In einigen Apotheken ist es deshalb in den letzten Tagen zu Engpässen bei Kaliumjodidtabletten gekommen, die bei einem Atom-Unfall Schutz vor Einlagerungen von radioaktivem Jod in die Schilddrüse schützen sollen.

„Der Konflikt in der Ukraine hat uns alle über Nacht überrollt und viele Ängste geschürt“, sagt Carmen Tamandl, Pharmazeutin der Passage-Apotheke, „es ist daher verständlich, dass viele auf etwaige Katastrophen vorbereitet sein möchten und wir daher auch in den letzten Wochen verstärkt mit Nachfragen nach Kaliumiodidtabletten konfrontiert waren.“

Eine vorsorgliche Jodzufuhr hat keinen Nutzen

Die Tabletten dürfen allerdings erst eingenommen werden, wenn Gesundheitsbehörden auch tatsächlich dazu aufrufen, warnt Tamandl. Eine vorsorgliche Einnahme hätte auch keinerlei Nutzen. Bei Personen über 40 Jahren wird von einer Einnahme überhaupt abgeraten, da ihr Risiko an strahlenbedingtem Schilddrüsenkrebs zu erkranken sehr gering ist.

Von einem Engpass bei Jodtabletten ist in der Neudörfler Apotheke momentan keine Rede. „Wir sind letzte Woche, unabhängig vom Ukrainekrieg, mit neuer kostenloser Ware zur Versorgung von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen und allen unter 18-Jährigen, Schwangeren und Stillenden in ausreichender Form ausgestattet worden.“ Wer sich näher zu dem Thema informieren möchte, kann gerne die Beratung des Neudörfler Apotheken-Teams in Anspruch nehmen, sagt Tamandl: „Sollten Ängste vorhanden sein, versuchen wir so gut es geht, diese zu minimieren.“

„In Spitzenzeiten mit hohen Inzidenzen waren es sogar 600 bis 700 pro Tag.“

Was durch den Angriffskrieg Russlands in den vergangenen Tagen schon beinahe aus der medialen Berichterstattung verdrängt wurde, ist die Corona-Pandemie. Trotzdem ist sie nach wie vor präsent, sagt auch die Pharmazeutin. „Das sehen wir an den Personen, die sich täglich in unserer Apotheke testen lassen – im Schnitt ungefähr 200 Mensch pro Tag – und an den positiven Test-Ergebnissen, die zirka wieder ein Niveau wie zu Beginn des Jahres erreicht haben.“ Die Testbereitschaft unter den Neudörflern sei weiterhin ungebrochen. „In Spitzenzeiten mit hohen Inzidenzen waren es sogar 600 bis 700 pro Tag.“

Um diese Menge an Tests bewältigen zu können, wurde zu Beginn (gratis Antigentests gibt es seit über einem Jahr, PCR-Tests seit Juli) auch diplomiertes Personal der Sozialstation Neudörfl hinzugezogen. „Seit April letzten Jahres haben wir unser Testangebot nochmals erweitert und seither zusätzlich Sanitäter geschult.“

Auch bei den mittlerweile fünf Impftagen war Carmen Tamandl stets tatkräftig beteiligt: „Da uns nach dem ersten Impftag etliche weitere Anfragen erreicht haben, hatte ich spontan die Idee, unbürokratisch einen weiteren Impftag zu organisieren. Durch die vorragende Zusammenarbeit mit der Gemeinde konnten wir innerhalb von zwei Wochen einen weiteren Termin auf die Beine zu stellen.“

Als Impfärzte konnten Dr. Elisabeth Seedoch (Miteigentümerin der Apotheke), Dr. Alice Kerschbaumer-Schmitzhofer und Dr. Martin Schmitzhofer sofort dafür gewonnen werden. An den stark frequentierten Impftagen im Dezember war auch Dr. Johann Neugebauer behilflich. „Doris Götz von der Gemeinde und ich waren für die Anmeldung zuständig und in Folge auch für die Eintragung ins System, sodass die Patienten rasch ihr neues Impfzertifikat in der Apotheke abholen konnten.“ Insgesamt über 900 Personen konnten so an den Impftagen bisher immunisiert werden.

Beratung vor Ort wird geschätzt

Carmen Tamandl arbeitet seit mittlerweile sieben Jahren in der Neudörfler Apotheke. Während dieser Zeit konnte sie auch die Entwicklung rund um diverse Online-Apotheken verfolgen. Sieht sie dadurch die Apotheken in den Gemeinden in Gefahr? „Das digitale Zeitalter hat auch vor unseren Toren nicht Halt gemacht. Ich bin aber überzeugt, dass viele unserer Kunden die persönliche Beratung einer Fachkraft zu schätzen wissen, die während den Öffnungszeiten, 54 Stunden pro Woche, ohne Terminvereinbarung ohne Portokosten und ohne Mindestbestellwert für einen da ist.“

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