Causa Schweinezuchtbetrieb: „Es raubt uns den Nerv“

Seit Wochen demonstriert der „Verein gegen Tierfabriken“ vor einem Betrieb in Pöttelsdorf. Nun meldet sich erstmals der Landwirt zu Wort.

BVZ Redaktion Erstellt am 12. August 2021 | 06:01
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Ein Foto, das laut dem VGT im Pöttelsdorfer Schweinezuchtbetrieb aufenommen wurde.
Foto: VGT

Seit mehr als einem Monat protestiert der VGT gegen einen Schweinezuchtbetriebt. Der Vorwurf: Der VGT ortet Tierquälerei, rund 300 Tiere sollen in Kastenständen untergebracht gewesen sein. Der VGT veröffentlichte Aufnahmen, die aus dem Betreib stammen sollen. Laut VGT soll es dort verdreckte Vollspaltenboden-Buchten mit verletzten Tieren. Die Haut zerkratzt, die Ohren und Schwänze blutig gebissen, der Boden völlig verkotet und mit Parasiten übersät.

Der VGT fordert die Schließung des Unternehmens, zeigte es an und protestierte schon mehrmals vor dem Betrieb.

Nun meldet sich zum ersten Mal jener Landwirt, der die besagte Schweinemast betreibt, zu Wort. Zu den Vorwürfen will er keine Stellung nehmen, er spricht jedoch davon, dass „mein Familie und ich Angst haben. Es wird bei uns ständig eingebrochen. Wir fühlen uns nicht mehr sicher. Ständig kommt die Polizei oder der VGT oder sonstige Personen auf unser Gelände und belästigen uns. Ich möchte einfach, dass das Ganze in nächster Zeit Ruhe findet. Nicht nur wegen mir, sondern vor allem wegen meiner Familie. Wir bekommen ständige Anrufe oder werden am Gelände belästigt. Es raubt uns alles den letzten Nerv“.

Auch in der vergangenen Tagen überschlugen sich die Ereignisse. Nach Protest von Tierschützern gegen einen Schweinezuchtbetrieb samt „Befreiung“ von zwei Tieren im Bezirk Mattersburg ermittelet die Polizei wegen Diebstahls. Die Erhebungen richten sich gegen unbekannte Täter, sagte ein Sprecher der burgenländischen Exekutive am Sonntag auf Anfrage. Diesbezüglich habe es ein Einvernahmeersuchen an die oberösterreichische Polizei gegeben. Betroffen waren laut dem Verein gegen Tierfabriken (VGT) ein Gnadenhof im Bezirk Kirchdorf a.d. Krems.

Die verschwundenen Schweine wurden offenbar in dem Tierheim in Oberösterreich vermutet, teilte der VGT in einer Aussendung mit. Das Betreiberpaar des Gnadenhofes sei am Sonntag befragt worden. Der Verein berichtete zudem von einer Hausdurchsuchung - das wurde vonseiten der Polizei aber nicht bestätigt. Im Zuge der Ermittlungen könne es aber zu einer freiwilligen Nachschau gekommen sein. Die beiden Schweine seien nicht gefunden worden, berichtete der VGT.

Vergangenen Donnerstag hatten die Aktivisten gegen Vollspaltenboden-Haltung in dem Zuchtbetrieb im Bezirk Mattersburg protestiert und die beiden Schweine „befreit“. Tierschützer bauten ihnen ein Freigehege. Der Landwirt habe die Schweine zunächst dem Tierschutz geschenkt, das sei aber später widerrufen worden, teilte der Verein mit. Ins Visier der Polizei geriet das Tierheim laut VGT, weil die Tierrettung dieses Gnadenhofes ins Burgenland fuhr, um die beiden Schweine abzuholen. Das sei aber von der Polizei verhindert worden. Nach einer Räumung durch die Exekutive am Donnerstagabend wurden die beiden „Mickey“ und „Jackie“ genannten Schweine laut VGT zu einem Schlachthof gebracht.

Unbekannte sollen die Tiere laut Aussendung Freitagfrüh in einem Transportanhänger gefunden und sie an einen unbekannten Ort in Sicherheit gebracht haben.