Storch geht‘s gut!

Verletzter Storch auf der Schnellstraße bei Pöttelsdorf geborgen. Beim Storchenverein in Rust wurde er versorgt.

Erstellt am 06. August 2021 | 05:49
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Die Polizei fing den Storch auf der Schnellstraße ein, Rudolf Karassowitsch übernahm das Tier in der Storchenstation in Rust.
Foto: Polizei

Ein offensichtlich verletzter Storch stakste vorige Woche am Donnerstagmorgen auf der S31 bei Pöttelsdorf zwischen zweiter Fahrspur und Betonleitwand herum.

Zum Glück waren gerade Beamte der Autobahnpolizei auf diesem Streckenabschnitt unterwegs.

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Ihnen fiel der hilflose Vogel auf. Die Beamten konnten den Storch bergen. Sie brachten das verletzte Tier mit dem Polizeiauto zum Storchenverein in Rust, wo der Storch von Rudolf Karassowitsch, dem Cousin von Vereinsobmann Josef Karassowitsch, übernommen wurde.

„Dem Storch geht’s gut“, berichtete Rudolf Karassowitsch zu Wochenbeginn.Er vermutet, dass die bis vor Kurzem herrschende Trockenheit schuld am Unfall des Tieres war.

Störche fanden zu wenig Futter

„Die Störche finden kein Futter und suchen auf der Straße nach kleinen Tieren, die zusammengeführt werden“, erklärt der Storchen-Experte.

Im Notfall würden Störche nämlich auch Aas fressen.

„Dieser Storch war heuer schon der Vierte, der auf der Straße erwischt wurde.“

Vermutlich wurde der Vogel auf der Schnellstraße von einem PKW gestreift oder er flog an einem LKW an und erlitt dabei eine Gehirnerschütterung.

Das verletzte Tier wird beim Storchenverein Rust wieder aufgepäppelt und für die Entlassung in die Freiheit vorbereitet.

Bei erwachsenen Störchen sei es gar nicht so einfach, sie zu füttern. „Jungstörche fangen schnell zu fressen an, erwachsenen Störchen muss man zu Beginn ein bisschen helfen“, erklärt Rudolf Karassowitsch. Die Storchen-Crew weiß schon, wie das geht: „Man muss dem Storch den Fisch richtig in den Schnabel geben und über den Hals hinunterstreicheln, damit er ihn frisst.“ Das sei am Anfang ein bisschen mühsam, nach zwei oder drei Tagen klappe es dann schon ganz gut.

Auch der vorige Woche auf der Schnellstraße geborgene Storch komme wieder zu Kräften. Die drei anderen im Straßenverkehr verletzten Störche seien leider gestorben, berichtete Rudolf Karassowitsch.

Die Station des Storchenvereins in Rust sei derzeit mit vielen Störchen belegt. „Die Störche kommen aus dem ganzen Burgenland und Niederösterreich zu uns.“

Verein kümmert sich auch um Halbwaisen

Kommt ein Teil eines Storchenelternpaares ums Leben, so nimmt der Storchenverein die im Nest verbliebenen Halbwaisen auf. „Ein Storch allein kann die Jungen nicht füttern“, erklärt Rudolf Karassowitsch. Beim Storchenverein werden die Jungen mit Futter versorgt und fürs Leben in Freiheit vorbereitet.

Gefährlich: Jungstorch auf Flugübung

Die Jungstörche sind aber auch dann Gefahren ausgesetzt, wenn sich beide Elternteile um sie kümmern, nämlich sobald sie mit ihren Flugübungen beginnen. „Bei den Flugexperimenten kann es schon einmal passieren, dass sich der Storch verschätzt, nicht richtig vom Nest wegkommt, über das Dach abrutscht und in einer Dachrinne hängen bleibt“, erzählt der Storchen-Experte.

Passiert so ein Unfall in Rust, so wissen Polizei und Feuerwehr gleich, wen sie anrufen müssen.

Rudolf Karassowitsch ist als städtischer Bauhofleiter ohnehin viel unterwegs und rückt in solchen Fällen rasch aus, um bei der Storchenbergung zu helfen.

Schlimm sei es, wenn sich ein Storch ein Bein bricht. „Das sind Röhrenknochen, die nicht mehr zusammenwachsen“, erklärt Karassowitsch.

Experimente beim Schienen der Beine

Man habe schon alles Mögliche ausprobiert, sogar mit der Uni Wien Drahtkonstruktionen und Stützen für die gebrochenen Storchenbeine angefertigt, nichts habe geholfen.

Störche mit gebrochenen Flügeln hätten bessere Überlebenschancen.

Sie bleiben auf Dauer in der Storchen-Stationen, weil sie nicht mehr fliegen können. Sechs solche Störche leben derzeit in der Einrichtung in Rust.

Wer den Storchenverein unterstützen möchte, kann dies durch den Kauf des Storchenweins tun, den es bei der Weinbar des Weingutes Karnerhof in Rust gibt. 1.000 Flaschen des Welschrieslings konnten bereits verkauft werden. Das Etikett hat Künstlerin Petra Neulinger gestaltet.