Neudörfl für Hochwasser sehr gut gewappnet. Neudörfl versucht sich durch mehrere Maßnahmen vor Hochwasserschäden zu schützen. Rückhaltebecken, bauliche Vorschriften und Feldwegniveauanhebungen zählen dazu.

Von Christian Artner. Erstellt am 31. Juli 2021 (05:19)
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Das Rückhaltebecken am Katzelsdorfer Hotter kann bei einem gefährlichen Hochstand der Leitha geflutet werden. Errichtet wurde es zwischen 1996 und 1998. Foto: regiowiki
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Die Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands forderte mindestens einhundertfünfzig Todesopfer und verursachte Schäden in Milliardenhöhe. Unwetterwarnungen wurden zwar ausgesprochen, aber mit dem letztendlichen Ausmaß der Niederschläge wurde nicht gerechnet. Angesichts von Bildern mit verwüsteten Städten und Gemeinden kann die Frage gestellt werden, ob auch Neudörfl von solch einer Katastrophe betroffen sein könnte und welche Vorkehrungen gegen Unwetterschäden getroffen werden.

„Laut hydrologischen Berechnungen, die mehrere Faktoren mit berücksichtigen, sind Schäden wie in Deutschland, bei uns nicht zu erwarten.“Bürgermeister Dieter Posch

Bürgermeister Dieter Posch, der im Katastrophenfall wie zum Beispiel Hochwasser, Erdbeben oder auch Pandemien in seiner Funktion als Bürgermeister erster Krisenmanager ist, sagt, dass Neudörfl glücklicherweise in der Vergangenheit kaum mit gravierenden Hochwasserschäden zu kämpfen hatte. „Laut hydrologischen Berechnungen, die mehrere Faktoren mit berücksichtigen, sind solche Schäden wie in Deutschland, die durch anschwellende Flüsse verursacht werden, bei uns auch nicht zu erwarten.“

Damit ist allerdings nicht gesagt, dass nicht bereits in der Vergangenheit vorgesorgt wurde. Neudörfl ist Mitglied im Leithawasserverband 4. Dessen Zuständigkeit betrifft den Abschnitt der Leitha zwischen Bad Erlach und Eggendorf. Zehn Gemeinden, inklusive der Stadt Wr. Neustadt, sind im Verband vertreten, Neudörfl ist in dem erwähnten Bereich der einzige burgenländische Ort. „Ausgehend vom Verband gibt es entlang des gesamten Flusslaufes immer wieder bauliche Maßnahmen, die dem Schutz vor Hochwasser dienen“, erklärt Posch.

Eine der sichtbarsten dieser Maßnahmen ist das Rückhaltebecken auf dem Katzelsdorfer Hotter. „Sollte die Leitha einmal einen gefährlichen Höchststand erreichen, wird zentral durch den Verband eingegriffen, indem das Rückhaltebecken geflutet werden kann.“

Dabei werde so lange wie möglich mit der Flutung gewartet. „Als Laie fragt man sich vielleicht manchmal, wenn die Leitha gefährlich hoch erscheint, warum das Becken nicht schon geflutet ist. Die Erklärung lautet: das höchste Ziel, wenn sich Bäche in reißende Flüsse verwandeln, ist es, die Wassermassen so schnell wie möglich durchzuleiten. Das Becken ist dabei für den äußersten Notfall gedacht, um für ein paar Stunden das Wasser zurückhalten zu können.“

Zehntausend Euro zahlt die Gemeinde jährlich an Mitgliedsbeiträgen für die Instandhaltung der Schutzmaßnahmen an den Leithawasserverband. Die dortige Zusammenarbeit stelle für Posch einen wichtigen Punkt der Prävention dar, denn Hochwasserschutz sei eine Aufgabe, die nicht nur eine Gemeinde einzeln umsetzen kann. „Das ist eine solidarische Aufgabe.“

Zusätzlich gibt es im angrenzenden Wr. Neustadt im Uferbereich der Leitha ein Überschwemmungsgebiet, das nicht bebaut werden darf. „Wenn die Leitha zu viel Wasser führt, ist dort ein Überflutungsgebiet, das sich bis nach Lichtenwörth zieht.“

Strenge Auflagen sind weiters beim Bau von Gebäuden in Gefahrenzonen vorgesehen. Das Niveau für die neuen Reihenhäuser der OSG am Brunnfeld musste um 50 cm angehoben werden, um Schäden bei einem „100-jährigen Ereignis“ hintanzuhalten. Keller sind dort ohnehin nicht zugelassen.

Mehr Sorge als eine überlaufende Leitha machten aber lange Zeit immer häufiger auftretende Starkregenereignisse. Dem begegnet die Gemeinde durch Vorschreibungen eigener Versickerungsflächen bei Neubauten. Zudem wurde zum Beispiel bei den beiden großen Wohnprojekten beim ehemaligen Firmenareal Frauenberger und Hofer eine 100-prozentige Bodenversiegelung aufgebrochen. „Jetzt sind nur mehr 35 Prozent dieser Flächen verbaut. Der Rest ist sickerfähig.“

Die regelmäßigen Sanierungen der Neudörfler Kanäle dienen im Gegensatz dazu nicht vorrangig dem Hochwasserschutz. Die Rohre müssen sogar eher einen geringeren als einen größeren Durchmesser aufweisen, um genügend Druck erzeugen zu können, damit Abwässer aus WC-Anlagen mittels Pumpwerken wegbefördert werden können. „Daher ist es unmöglich einen Kanal so zu dimensionieren, dass er die ganzen Oberflächenwässer von Straßen und Dächern aufnehmen kann.“ Bei sämtlichen Straßenprojekten werde aber eine natürliche Versickerungsfläche mit eingeplant, um den Kanal nicht zu überfrachten.

Tennisplatz und Keller regelmäßig überflutet

Das südöstliche Gebiet Neudörfls im Bereich der Gfang, der Lazerwiese und des Marienbaches ist bei diesem Thema ebenfalls eine eigene Erwähnung wert. Ein eingetiefter Feldweg hat dort bis vor zehn Jahren Oberflächenwässer von Äckern ständig ins Ortsgebiet schießen lassen. Tennisplatz, Keller von Häusern und selbst die Hallen der Fundermax waren dadurch regelmäßig überflutet, berichtet Posch. Das wurde 2011/12 mit einem Retentionsbecken und vor allem mit einem erhöhten Feldwegniveau behoben. Seitdem gebe es dort keine Probleme mehr.

Sollte Neudörfl trotzdem von Unwettern betroffen sein, ist die Freiwillige Feuerwehr Neudörfl gut darauf vorbereitet. Spezielle Hochwassereinsätze sehen deren Proben zwar nicht vor, sagt Neo-Feuerwehrkommandant Peter Schmid, „wir beüben und warten allerdings regelmäßig die Geräte, die wir im Einsatzfall brauchen.“ Sporadisch vorkommende Wassereintritte in Keller können in der Regel immer schnell behoben werden.

Zusammenfassend kann aufgrund des Gesagten davon ausgegangen werden, dass in Neudörfl die Gefahr von gravierenden Schäden infolge eines Hochwassers durch die geologische Lage der Gemeinde und aufgrund der Maßnahmen, die getroffen wurden, eher marginal ist.