Drogen und Rotlicht: Verleumdete Pensionist zwei Frauen?

Erstellt am 16. Juni 2022 | 04:13
Lesezeit: 4 Min
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Zwei Ungarinnen nahm der Pensionist mit nach Hause. Um Sex sei es dabei nicht gegangen, sagte er vor Gericht.
Foto: Symbolfoto: Oleg Elkov, shutterstock.com
Ein 65-jähriger Pensionist aus dem Bezirk Mattersburg nahm zwei Ungarinnen aus Sopron mit und warf ihnen danach den Diebstahl von Goldketten vor.
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Am 30. Juli 2020 hatte der 65-jährige Pensionist aus dem Bezirk Mattersburg Grund zum Feiern: Nach dem Crash der Commerzialbank hatte ihm die Einlagensicherung sein Erspartes in Höhe von mehr als 80.000 Euro ausgezahlt.

Er fuhr nach Sopron, um dort zu feiern. „Das Geld hatte ich eingesteckt“, erzählte der Pensionist vor Gericht, wo er sich wegen zweifacher Verleumdung und falscher Beweisaussage verantworten musste.

„Waren Sie alkoholisiert?“, fragte Richterin Birgit Falb. „Ich trinke nie“, antwortete der Angeklagte. „Ich freute mich, weil ich geglaubt hatte, dass das Geld weg ist.“

Am Parkplatz in Sopron, wo sein Auto stand, kauerten zwei Frauen am Randstein. Eine der beiden habe „wie ein Mann“ ausgeschaut, so der Angeklagte.

Er nahm sie mit nach Hause, aus Mitleid, wie er sagte.

„Warum nehmen Sie zwei wildfremde Frauen mit?“, fragte die Richterin.

„Weil ich einen Poscher habe!“

„Weil ich eine Poscher habe“, erklärte der Angeklagte. Außerdem habe er eine „wunderhübsche 19-jährige Freundin“. Um Sex sei es bei den beiden Ungarinnen nicht gegangen.

Er kenne sich im Rotlichtmilieu aus, verriet der Pensionist.

Als Versicherungsvertreter habe er die „Chefs“ in den „Puffs“ alle gekannt. „Aber ich war nie mit so einer Dame auf dem Zimmer“, beteuerte der 65-Jährige.

Zuhause habe er den Ungarinnen „Essen und Trinken“ hingestellt und ihnen angeboten, sie könnten sich in der Küche schlafen legen.

Seine wertvolle Goldkette legte er im Badezimmer ab.

„Diese Goldkette fehlte dann und auch eine kürzere sowie eine dritte, aber die ist nicht echt“, erzählte er.

Der Anhänger einer Kette sei draußen beim Auto gelegen.

Eine der flüchtenden Frauen habe er bei den Haaren erwischt, der anderen lief ein Nachbar nach.

Der Pensionist erstattete am 31. Juli 2020 Anzeige bei der Polizei, wurde dann aber selbst angeklagt: Er habe die Ungarinnen zu Unrecht des Diebstahls beschuldigt und somit verleumdet.

Die Ungarinnen hatten ihn beschuldigt, sie zu ungewöhnlichen sexuellen Praktiken aufgefordert zu haben.

Ex-Freundin bei der Polizei angeschwärzt

Doch damit nicht genug: Am 16. März dieses Jahres suchte der Pensionist die Polizeiinspektion in Eisenstadt auf und behauptete, seine Ex-Freundin betreibe Drogenhandel im großen Stil.

Mit dieser Frau, einer Steirerin, sei er einige Monate lang, bis Februar 2022, liiert gewesen, so der Angeklagte. Er habe sich über sie geärgert, fürchte sich aber auch vor ihr, weil sie eine Waffe habe, „Jus studiert und alle anzeigt“.

„Ich fragte die Polizistin: Wenn jemand größere Mengen Drogen hat, bekommt diese Person eine Hausdurchsuchung?“, berichtete der Pensionist.

Daraufhin habe ihn die Polizistin nach seinem Namen und seinem Ausweis gefragt.

Steirerin soll „Gras“ um 3000 € verkauft haben

Vor Gericht behauptete er weiters, er sei dabei gewesen, wie die Steirerin „Gras“ um 3000 Euro an einen Mann verkauft habe.

„Ich wusste, wenn sie (die Polizisten, Anm. d. Red.) hineingehen, dann finden sie eine größere Menge und sie hat das Problem“, schilderte er seine Gedankengänge.

Eine Niederschrift habe er aber bei der Polizei in Eisenstadt nicht machen wollen.

Die Steirerin gab gegenüber der Polizei an, dass sie nie etwas mit Drogen zu tun gehabt habe. Bei einer Überprüfung ihrer Wohnräume wurden keine Suchtmittel gefunden.

Der Pensionist wurde daraufhin ein weiteres Mal wegen Verleumdung angeklagt.

Ein 51-jähriger Freund des Angeklagten berichtete vor Gericht, dass ihm die Steirerin im Jänner oder Februar 2022 ein „Glas mit einer grünen Substanz“ gegeben habe.

„Es wird wahrscheinlich Cannabis gewesen sein“, vermutete er. Das Glas habe er „weggeworfen“. Außerdem habe die Substanz „schimmlig gerochen“.

Der Prozess wurde vertagt. Die Richterin will die beiden Ungarinnen und die Steirerin als Zeuginnen laden.

Auch die Polizistin von der PI Eisenstadt, bei der sich der Angeklagte wegen der Hausdurchsuchung erkundigt hatte, soll als Zeugin aussagen.

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