Sauerzopf ist 90: „Wichtig ist: Wenn man etwas macht, dann mit Liebe“

Erstellt am 27. Mai 2022 | 05:27
Lesezeit: 4 Min
Der Mattersburger Franz Sauerzopf prägte über Jahrzehnte hinweg die burgenländische Landespolitik mit. Am 17. Mai feierte der ehemalige Landeshauptmannstellvertreter seinen 90. Geburtstag.
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Geboren ein halbes Jahr vor der Machtergreifung Hitlers in Deutschland, kann Franz „Ferry“Sauerzopf auf ein langes und vor allem auch ereignisreiches Leben zurückblicken.

Während des Krieges besuchte Sauerzopf die Volksschule, später das Bundesrealgymnasium in Mattersburg. 1950 begann er sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, das er 1954 mit einer Promotion zum Dr. jur. abschloss.

Nach dem Studium absolvierte Sauerzopf 1954 sein Rechtspraktikum an verschiedenen Gerichten in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland und war ab 1955 Richteramtsanwärter. Am 12. Mai 1958 wurde er zum Richter ernannt und war zunächst Gerichtsvorsteher am Bezirksgericht Eisenstadt.

Später wechselte er an das Landesgericht Eisenstadt und an das Oberlandesgericht, war Vorsitzender des Sozialversicherungsschiedsgerichtes und Senatsvorsitzender am Landesgericht Eisenstadt. Daneben unterrichtete Sauerzopf ab 1964 an der Handelsschule und zwischen 1966 und 1978 an der Handelsakademie Eisenstadt.

Ich mische mich aber nicht mehr ein oder gebe Erklärungen ab. Ich versuche nicht der ‚Herr G’scheit‘ zu sein.“ Franz Sauerzopf ehemaliger Landeshauptmannstellvertreter

Der Startschuss zu seiner politischen Karriere erfolgte 1967, als Sauerzopf in den Mattersburger Stadtrat einzog und die ÖVP dort bis 1978 vertrat. 1972 wurde er in den Landtag gewählt und war ab Juli 1978 auch Mitglied der Landesregierung und Landeshauptmannstellvertreter unter dem damaligen SPÖ-Landeshauptmann Theodor Kery.

Im selben Jahr übernahm Sauerzopf die Funktion des Landesparteiobmannes der ÖVP Burgenland, die er bis 1982 bekleidete. Zwischen 1985 und 1991 übte er diese Funktion erneut aus. Auch als Landesrat und Landeshauptmannstellvertreter legte er zwischen dem 27. Jänner 1986 und dem 21. April 1993 eine zweite Periode ein.

Neben zahlreichen Errungenschaften für das Burgenland (Sauerzopf-Milliarde, Thermentourismus, KRAGES, Technologiezentren und Fachhochschule) gelangte der ÖVP-Politiker vor allem durch zwei Ereignisse zu österreichweiter Berühmtheit:

Rücktritt im Jahre 1982 im Zuge der „WBO-Affäre“, wo er aus Rücksicht auf die Partei die Reißleine zog „Wobei ich nie etwas Unrechtes getan hatte und alle Gerichte mich vollständig rehabilitiert haben“, stellte Sauerzopf schon in früheren Interviews klar.

Die „Nicht-Wahl“ zum Landeshauptmann: Die ÖVP brach 1987 die absolute Mehrheit von SPÖ-Landeshauptmann Theodor Kery. Nach der Wahl beschloss Sauerzopf einen Pakt mit der FPÖ – unter Zusage von Jörg Haider. Die Wahl von Sauerzopf zum Landeschef sollte nur noch Formsache sein. Allerdings fiel FPÖ-Mann Gregor Munzenrieder um, weshalb Hans Sipötz zum Landeshauptmann gekürt wurde.

1993 zog sich Sauerzopf in den Ruhestand zurück. Heute genießt er seinen Lebensabend und lebt „gut und glücklich verheiratet“, wie er sagt, in Mattersburg. Auf die Frage, welcher der drei beruflichen Schwerpunkte, Richter, Lehrer oder Politiker, ihm am meisten Freude und Spaß bereitet hat, sagt Sauerzopf: „Alles gleich viel. Wichtig ist: Wenn man etwas macht, dann mit Liebe. Ich war Richter mit Leib und Seele. Lehrer war ich auch gerne, weil ich gerne mit jungen Leuten zusammengearbeitet habe. Und die Politik habe ich mehr aus Leidenschaft als aus sonstigen Gründen gemacht. Ich war immer voll beschäftigt und voll ausgelastet.“

Politisch immer noch sehr interessiert

Die aktuelle Politik verfolgt er auch heute noch mit Interesse. „Ich mische mich aber nicht mehr ein oder gebe Erklärungen ab. Ich versuche nicht der ‚Herr G’scheit‘ zu sein. Aber ich informiere mich natürlich immer noch.“

Heute ist ihm vor allem die Familie wichtig – er hat vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter, sowie vier Enkelkinder - und Gesundheit steht ebenfalls ganz oben in der Prioritätenliste: „Ich bin immer noch im Sport, im Tennis, unterwegs. Es ist zwar kein regelmäßiges Training mehr, aber bei jeder Gelegenheit bin ich immer wieder mit dabei.“

Franz Sauerzopf erhielt in den letzten Tagen unzählige Glückwünsche. Auch seine Nachfolger in der burgenländischen ÖVP durften natürlich nicht fehlen. Christian Sagartz, aktuell Landesparteiobmann der ÖVP, sagt über Franz Sauerzopf: „Auch im Alter von 90 Jahren spürt man bei ihm sein starkes Charisma und seine zutiefst positive Ausstrahlung auf andere. Das waren auch seine Markenzeichen als Politiker. Seine Verdienste für unser Land und seine Heimatstadt Mattersburg sind über Parteigrenzen hinweg anerkannt. Diese Anerkennung hat er sich zweifelsfrei verdient.“

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