Brand gelegt: „Es war ein riesengroßer Blödsinn!“

Erstellt am 10. Februar 2022 | 04:22
Lesezeit: 4 Min
Zu 30 Monaten Haft, davon zehn Monate unbedingt, wurde jener 47-jährige Familienvater verurteilt, der im November sein eigenes Haus angezündet hatte. Als die Feuerwehr Sieggraben am 8. November 2021 um vier Uhr morgens zum Einsatzort kam, schlugen bereits Flammen aus dem Dachstuhl des Einfamilienhauses.
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„Es hieß, Menschen sind drin“, erinnerte sich der Einsatzleiter vor Gericht.

Atemschutztrupps wurden in das lichterloh brennende Gebäude geschickt, um nach der Familie zu suchen, bis bekannt wurde, dass die Mutter mit ihren zwei Kindern telefonisch erreicht werden konnte.

Der Familienvater war untergetaucht und konnte erst Tage später verhaftet werden.

Am Montag dieser Woche stand der Mann am Landesgericht Eisenstadt vor einem Schöffengericht.

„Es war ein riesengroßer Blödsinn. Ich bereue, dass ich es gemacht habe“, sagte der wegen Brandstiftung angeklagte Familienvater, und bekannte sich zu den Vorwürfen schuldig.

„Versuchen Sie dem Gericht zu schildern, warum Sie das getan haben“, forderte Richterin Karin Lückl den Mann auf, seine Beweggründe zu schildern.

Seine Frau habe die Scheidung eingereicht, er habe den „psychischen Druck nicht mehr ausgehalten“.

Er sei bereits auf Wohnungssuche gewesen, seine Frau hätte mit den Kindern im Haus bleiben sollen.

„Was veranlasste Sie, dass Sie das Haus anzünden?“, fragte Richterin Karin Lückl.

„Wenn man jeden Tag hört, sie will Haus, Auto und die Obsorge für die Kinder…“, antwortete der Angeklagte.

Den eigenen Kindern das Zuhause genommen

„Sie nahmen den Kindern das Zuhause“, hielt die Richterin dem Familienvater vor.

„Das ist richtig. Es tut mir furchtbar leid“, antwortete dieser. Und später sagte er: „Das Haus hätte für die Kinder sein sollen. Ich habe meinen Kindern alles genommen.“

Am Sonntag, 7. November, habe seine Frau nach einem Streit mit den Kindern das Haus verlassen.

Mitten in der Nacht habe er im Kinderzimmer, im Wohnzimmer und im Keller Holz deponiert und der Reihe nach angezündet.

„Laut Landeskriminalamt gab es sechs unabhängige Brandentstehungsstellen“, hielt die Richterin dem Angeklagten vor. Auch seien Grillanzünder verwendet worden.

„Wollten Sie sicher gehen, dass das Haus komplett abbrennt?“, fragte die Richterin.

„Das kann ich nicht sagen, ich war in einem Ausnahmezustand“, antwortete der 47-Jährige. Nachdem er Feuer gelegt hatte, sei er mit dem Auto weggefahren.

„Sie wollten das Haus niederbrennen bis zur Ruine!“, hielt Staatsanwalt Christian Petö dem Angeklagten vor.

113 Feuerwehrleute von sieben Feuerwehren standen im Löscheinsatz, 685 Einsatzstunden wurden geleistet.

Noch bevor die Feuerwehr Sieggraben am Einsatzort eintraf, hatte eine Verpuffungsexplosion das Garagentor aus der Verankerung gerissen und weggeschleudert.

Es war Glück, dass kein Mensch zu Schaden kam.

Als Zeugin wurde die Ehefrau des Angeklagten befragt.

Ihr Mann habe Wochen und Monate vor dem Brand davon gesprochen, dass man „in der Zeitung davon lesen“ würde, „wenn er mit uns fertig ist“. Von „warm abtragen“ sei auch die Rede gewesen.

„Er wollte nicht, dass wir im Haus bleiben“, sagte die Frau. „Er nahm es zähneknirschend zur Kenntnis.“

Am Sonntag 7. November, wenige Stunden vor dem Brand, habe sich ihr Mann seltsam verhalten.

„Er ging in jeden Raum,

auch in den Dachboden“

„Er ging in jeden Raum, auch in den Dachboden“, berichtete die Gattin des Angeklagten. „Ich sagte, tust schon wieder räumen“, erinnerte sie sich.

Ihr Mann habe sie „hämisch angegrinst“ und ihre Frage mit „ja“ beantwortet.

„Es war eine eigenartige Situation“, sagte die Frau. „Da bekam ich das Gefühl, wir müssen raus.“

Am nächsten Tag habe sie, vor der Brandruine stehend, erfahren, dass sich im Dachboden einer der Brandherde befunden hatte. Dort hatte ihr Mann nach eigenen Angaben Spanplatten angezündet.

Staatsanwalt: „Es war ein Racheakt“

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sei es „ein Racheakt und keine Verzweiflungstat“, fasste Christian Petö die Prozessergebnisse zusammen. Der Angeklagte habe genau gewusst, was er tat.

„Er verursachte den größtmöglichen Schaden für sich selbst“, ersuchte Verteidiger Mirko Matkovits um eine Chance für seinen Mandanten, diesen Schaden gutzumachen.

Der Angeklagte wurde zu 30 Monaten Haft verurteilt, davon zehn Monate unbedingt. An die Versicherung und seine Frau muss er je 10.000 Euro bezahlen. Weitere Zahlungen an die Versicherung warten auf ihn.

Die Gemeinde Sieggraben habe seinem Mandanten zudem eine Aufforderung zugestellt, die Brandruine abzutragen, gab Verteidiger Matkovits bekannt. Das Urteil sist nicht rechtskräftig.

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