Johanna Sebauer wurde ausgezeichnet. Die ursprünglich aus Marz stammende Autorin Johanna Sebauer gewann den diesjährigen Literaturpreis des Landes Burgenland für ihren Prosatext „Nincshof“.

Von Christian Artner. Erstellt am 24. Oktober 2019 (03:30)
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Johanna Sebauer mit ihrem Vater, dem Autor und Schriftsteller Wolfgang Weisgram (l.) und Onkel Kurt Weisgram.
Wolfgang Millendorfer

In der fiktiven Gemeinde Nincshof hausen einige schräge Charaktere. Von ihnen erzählt die in Marz aufgewachsene und nunmehr in Hamburg lebende Autorin Johanna Sebauer in ihrem gleichnamigen Romanmanuskript „Nincshof“, an dem sie Anfang des Jahres zu schreiben begann und das mittlerweile auf 120 Seiten angewachsen ist. Einen Auszug von etwa zwanzig Seiten sandte sie für eine kritische Würdigung an das Literaturpreiskomitee des Landes Burgenland. „In scheinbarer Leichtigkeit wird hier in einer Dichte erzählt, die den Leser ab den ersten Zeilen in den Text hineinzieht. Man umgibt sich gern mit dieser Geschichte aus Geschichten, deren originelle Schnörkel zum Teil dem (nord-)burgenländischen Volksidiom abgeluchst, zum Teil jedoch eigenhändig aus dem großen Sprachfass geschöpft sind“, heißt es auszugsweise in der Begründung der Fachjury, die „Nincshof“ zum diesjährigen Sieger kürte.

Die gebannt wartende Öffentlichkeit muss sich allerdings noch eine Zeitlang gedulden, ehe sie selbst nach den originellen Schnörkel Ausschau halten und in die Geschichte aus Geschichten eintauchen kann. „Es war ein Förderpreis. Damit werden Autoren bei der Umsetzung ihrer Projekte unterstützt. Mein Roman wird hoffentlich in den nächsten ein bis zwei Jahren fertig sein“, erzählt die 31-jährige Autorin, die schon 2014 den Burgenländischen Jugendliteraturpreis gewann und von der in der Anthologie-Reihe Junge Literatur Burgenland zwei Kurzgeschichten zu lesen sind.

„Man braucht viel Geduld und Disziplin.“

Dass es jemals so weit kommen würde, hätte sie sich trotz ihres lebhaften Vorstellungsvermögens nicht träumen lassen. „Seit etwa fünf Jahren schreibe ich ernsthaft an Texten. Ich habe mich bisher immer in Kurzgeschichten ausgetobt. Aber ich hätte mir nicht gedacht, dass ich einen ganzen Roman schreiben könnte. Dafür braucht man viel Sitzfleisch, Disziplin und Geduld.“ Nun sei es endlich an der Zeit gewesen, Sitzfleisch und Disziplin auf die Probe zu stellen. „Bislang finde ich den Prozess sehr spannend. Es ist eine schöne Tätigkeit“, der sich Sebauer neben ihrer Arbeit in einem Medienforschungsinstitut in ihrer Freizeit widmet.

Am wichtigsten sei ihr beim Schreiben stets „authentische Figuren zu schaffen, die im inneren Auge des Lesers konkrete Form annehmen und von denen sie sagen können: ‚Ich kenne jemanden, der ist genau so.‘“ Auch das Burgenland als Schauplatz, an dem sie „Nincshof“ ansiedelt, kam nicht von ungefähr: „Es fließen Eindrücke, die ich zuhause aufgeschnappt habe, in meine Erzählung mit ein. Ich mag die Leute und das Land sehr, deshalb wollte ich von etwas erzählen, das dort spielt.“

„Früher war ich etwas genervt davon “

Inwiefern sich Versatzstücke einer ihrer Lieblingsautoren, des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez, in ihrem Text finden lassen, kann aus Mangel an einsehbarem Leseproben nur erahnt werden, ebenso wie der Einfluss ihres Vaters, des Journalisten und Autors Wolfgang Weisgram, der unter anderem für die Zeitung „Der Standard“ schreibt. Mittlerweile störe sie es auch nicht mehr, wenn sie auf ihre familiären Bande angesprochen wird. „Früher hat es mich vielleicht ein bisschen genervt.“

Da ihr abschließend auf die Frage, ob sie noch etwas erwähnen wolle, was im Gespräch vergessen worden ist, nichts mehr einfällt, gibt sie beiläufig ihren Wochenendausflug als Urlaubsempfehlung allen Lesern zur Empfehlung: „Fahrt nach Krakau, wenn Sie noch nie dort waren. Die Stadt ist wunderschön.“