Bis zu 350 streunende Katzen im Bezirk Mattersburg

Erstellt am 23. Januar 2022 | 05:41
Lesezeit: 4 Min
Streunerkatzen können zu einem Problem werden, falls sie sich ungehindert vermehren. Damit das nicht geschieht, ist Nicole Zerkhold im Bezirk für den Verein „Katzfatz“ unterwegs.
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In ihrer Freizeit ist Nicole Zerkhold „Katzenfängerin“. Was sich zunächst wild anhört, hat natürlich einen ernsten Hintergrund. Allein 2020/21 (von Juni bis Juli) hat Zerkhold im Bezirk Mattersburg rund 350 streunende Katzen eingefangen, eine nicht unbeträchtliche Zahl, die noch weit höher wäre ohne die ehrenamtliche Arbeit der Mattersburgerin.

Diese erledigt sie im Dienste des Tierschutzvereins „Katzfatz“, der sich um Streunerkatzen kümmert, indem ihnen eine tierärztliche Versorgung gewährleistet wird, Kastrationsprojekte durchgeführt und Futterstellen betreut werden.

Zerkhold macht das seit 2019. Zum Verein Katzfatz kam sie zunächst als „Kundin“. „Direkt vor meiner Haustüre hatte ich damals mit etwa zwanzig Streunerkatzen zu tun. Ich habe das Kerstin König, der Obfrau unseres Vereins, gemeldet. Danach habe ich mich mit ihr zusammengesetzt und direkt begonnen, die Katze zu kastrieren und sie zu betreuen.“ Natürlich legt Zerkhold nicht selbst Hand an, sondern der Verein arbeitet bei den Kastrationen eng mit den Tierärztinnen Bettina Rumpler aus Marz und Gabriele Velich aus Eisenstadt zusammen.

"Erwischen wir nur eine einzige Katze nicht, beginnt die ganze Sache im Grund wieder von vorne." Nicole Zerkhold Freiwillige Helferin bei „Katzfatz“

Kastrationen sind auch das einzig wirksame Mittel, um der sonst zügellosen Vermehrung der Katzen Herr zu werden. Das sollte auch der gewöhnliche Katzenhalter beherzigen, meint Zerkhold. „Wenn unkastrierte Katzen in den Freigang gelassen werden, kann das natürlich dazu führen, dass sie sich stark vermehren. Jungkatzen können schon ab einem Alter von zirka sechs Monaten trächtig werden.“

Für Streunerkatzen gäbe es auch Kastrationsgutscheine, die auf den jeweiligen Gemeindeämtern aufliegen. Leider, bedauert Zerkhold, würden bei dieser Aktion nicht alle Gemeinden mitmachen. Um die Gutscheine in Anspruch nehmen zu können, muss es sich bei den Katzen tatsächlich um Streunerkatzen handeln. „Das heißt, die Katze lässt sich nicht anfassen. Lässt sie es zu, hat sie in der Regel auch Menschenkontakt.“ Bevor eine vermeintlich streunende Katze dem Verein „Katzfatz“ gemeldet wird, sollte also in der Nachbarschaft gefragt werden, ob jemand die Katze kennt.

Babykatzen werden, wenn die Mutterkatze sich nicht mehr sorgt, aufgenommen und gehen bei uns in die Vermittlung. Nicole Zerkhold

Nach erfolgter Kastration werden erwachsene Katzen wieder an einer Futterstelle ausgesetzt und weiter betreut. „Babykatzen werden, wenn die Mutterkatze sich nicht mehr sorgt, aufgenommen und gehen bei uns in die Vermittlung.“ Seit Ende vergangenen Jahres gibt es in Kleinneusiedl das österreichweit erste Streunertierheim, aufgebaut durch den Verein „Katzfatz“.

Von Gemeinde zu Gemeinde ist das Streuner-„Problem“ durchaus unterschiedlich ausgeprägt, berichtet Zerkhold. In Neudörfl, um nur ein Beispiel zu nennen, gäbe es eine Kolonie von bis zu dreißig Streunerkatzen. Bürgermeister Dieter Posch lässt hierzu allerdings wissen, dass die Gemeinde Projekte wie die Kastrationsgutscheine vom Land Burgenland immer tatkräftig unterstützt. „Es werden hin und wieder auch streunende Katzen von unseren Gemeindemitarbeitern eingefangen und zur Kastration gebracht“, so Posch.

Katzen sind verwurmt, haben Flöhe oder Schnupfen

Dass es sich bei dieser Arbeit um keine einfache handelt, davon zeugen auch die Einsatzstunden, die sich Nicole Zerkhold für den Verein engagiert. „Im Winter sind es, da ich die Vereinsarbeit nach Feierabend mache, etwas weniger. Aber im Sommer bin ich nach meinem Arbeitsende oftmals noch bis neun oder zehn Uhr unterwegs.“ Aus diesem Grund werden immer wieder freiwillige Helfer und Helferinnen gesucht. Auch einen Lagerplatz für das ganze Inventar wäre hilfreich.

„Alles, von Katzenfutter, über Fallen bis zu Transportern, ist noch immer in meinem Keller eingelagert.“ Genauso freut sich der Verein über Futter- oder auch Geldspenden. „Oftmals sind die Katzen in keinem guten gesundheitlichen Zustand und brauchen tierärztliche Behandlung. Die meisten haben Katzenschnupfen, sind verwurmt oder haben Flöhe. Wenn man überlegt, was man mit einer einzigen Katze für Kosten hat, kommt man bei zehn schon auf über tausend Euro“, rechnet Zerkhold vor.

Die eigentliche Schwierigkeit ihrer Arbeit bringt sie treffend auf den Punkt: „Erwischen wir nur eine einzige Katze nicht, beginnt die ganze Sache im Grund wieder von vorne.“

Spendenkonto: TSV Katzfatz Bank Austria AT46 1200 0100 2400 5729 BKAUATWW.

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