Der zwölfte Mann des SC Neudörfl. Der Neudörfler Fanclub „Attacke“ unterstützt den SC Neudörfl seit 2014 lautstark sowohl zu Hause als auch auswärts. Nun bauten einige Mitglieder ihren „Fansektor“ um.

Von Christian Artner. Erstellt am 09. August 2020 (05:34)
Sorgen immer für gute Stimmung bei den Heimspielen des SC Neudörfl: die Mitglieder des Fanclubs „Attacke“. Hier mit Co-Trainer Anton Morgenbesser.
zVg.

Am 23. August beginnt für den SC Neudörfl auswärts in Steinberg die neue Fußballsaison, eine Woche danach steht bereits das erste Heimspiel gegen Neutal am Programm. Wie es mit Zu- und Abgängen aussieht, welche Ziele sich die Mannschaft rund um Trainer Thomas Wallner und Kapitän Nic Fleck gesetzt haben, darüber wird gegebenenfalls die Sportredaktion berichten. Die Neudörfler Fans sind jedenfalls schon in gespannter Vorfreude. Um ein Spiel auf der Sportanlage, die nach dem früheren Präsidenten des SC, Erich Hörandl, benannt ist, genießen zu können, dazu braucht es nicht allzu viel, wissen die Neudörfler Anhänger: ein Getränk, Freunde, die die Leidenschaft zum Sport und der Mannschaft teilen und – nicht zu verachten – einen bequemen Platz an dem sich die 90 Minuten aushalten lassen.

Letzteres war lange Zeit an der Stelle, die der Neudörfler Fanclub „Attacke“ schon seit Jahren neben der Spielerbank für sich eingenommen hat, nicht wirklich der Fall. „Abschüssig und bei Regen morastig“, beschreibt Günter Kornfeld, ein „sehr motiviertes Mitglied“, die Platzverhältnisse – und meint damit nicht diejenigen am grünen Rasen selbst. „Bei unseren Bänken mussten wir notdürftig immer etwas unterlegen, damit wir halbwegs gerade sitzen konnten und auch ein gemütliches Stehen war unmöglich.“

„Hier darf man wortgewaltig und ungestraft einen herrlichen Blödsinn verzapfen.“ Fanclub-Mitglied Günter Kornfeld über Freiräume, die man als Fan genießt.

Das sollte sich pünktlich für den Ankick gegen Neutal ändern. Vier Herrschaften, Beppo Giefing, Peter Portius, Walter Schwindl und Erich Steiger, haben in Eigenregie ihr Platzerl letzte Woche barrierefrei und seniorengerecht gemacht. „Beppo und Peter waren zum Beispiel selbst lange aktive Spieler“, erzählt Kornfeld. „Diese Generation hat Haus und Garten noch mit eigenen Händen errichtet.“ Somit war das Einebnen und die Pflastersteinlegung kein sonderlich großes Problem. „Die Burschen können das und haben auch schon beim Bau der Haupttribüne vor Jahrzehnten mitgearbeitet.“ Die Pflastersteine kamen vom Bauhof: „Da zeigt sich, dass einlagern statt wegwerfen sich allemal auszahlt.“

Der „harte Kern“ des Fanclubs „Attacke“ besteht aus ungefähr 15 Personen, entstanden ist er 2014 aus den Mitgliedern des Männergesangsvereins (MGV). Ein nennenswerter Unterschied zum Neudörfler Anhänger-Club lässt sich nicht bestimmen. „Wir sind alle auch Mitglieder des AHC sowie vom SCN.“ Wer bei Heim- und Auswärtsspielen des SC schon anwesend war, wird bestimmt bemerkt haben, dass es im Fanclubsektor durchaus schon einmal emotional zugehen kann. „Roland Portius, der Obmann des MGV, spielt mit seinem Megaphon die ‚Fanfare zur Attacke‘ ein und wir brüllen gemeinsam auch hin und wieder ‚Attacke‘“. Ob es sich jedoch bezahlt macht, insofern, dass die Sportanlage durch den 12. Mann zu einer uneinnehmbaren Festung für die Gegner wurde, das lässt auch Kornfeld offen. „Bei den derzeitigen Zuschauerzahlen kann eher nicht davon ausgegangen werden, dass die Fanunterstützung einen großen Vorteil mit sich bringt.“ Bei Auswärtsspielen, zu denen man selbstverständlich jedes Mal fährt, lasse sich oftmals sogar eine bessere Stimmung erzeugen, „weil dort alle Fans zusammenrücken und nicht der Großteil auf der Haupttribüne sitzt.“

Die unmittelbare räumliche Nähe des Neudörfler Fansektors zur Spielerbank und vor allem auch zu Trainer Wallner, ließe sich natürlich auch nutzen, um jenem hin und wieder taktische Anweisungen zuzuflüstern. Das weiß auch Kornfeld: „Jeder am Sportplatz ist ein ausgewiesener Experte, kluger Taktiker und noch dazu selbst ein Edeltechniker und Torgarant.“ Zurufe und selbst ein wenig Trainer spielen sei deshalb „Part of the Game“. Hier dürfe man „wortgewaltig und ungestraft einen herrlichen Blödsinn verzapfen. Aber letztendlich lassen wir trotzdem unser Trainerteam ihren Job tun.“ Im Fokus stehen mehr die Schiedsrichter – obwohl, das muss hinzugefügt werden, trotz aller Emotion gegenseitiger respektvoller Umgang einen hohen Stellenwert einnimmt. „Unser regelkundiger Fredi Hajek wollte schon öfters ein Gespräch mit den Schiedsrichtern unter vier Augen führen.“

Für die neue Saison erhofft sich Kornfeld „viele spannende Spiele, hohe Laufbereitschaft und vollen Einsatz unserer Mannschaft. Wenn jeder Spieler alles gibt, sind wir zufrieden.“ Das sei es in Wahrheit, was Fans zuallererst von ihrer Mannschaft erwarten, egal ob auf der Erich-Hörandl-Sportanlage in der burgenländischen 2. Liga Mitte oder im Nou-Camp-Stadion in Barcelona während eines Champions-League-Spiels.