Gähnende Leere in der Mattersburger Innenstadt. Obwohl kleinere Geschäfte mittlerweile wieder geöffnet haben, bleiben Kunden größtenteils aus, wie einige Mattersburger Unternehmerinnen berichten.

Von Redaktion Mattersburg. Erstellt am 30. April 2020 (05:23)
Betreiberin des Frauenzimmers in der Innenstadt Petra Sieber.
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Viele einheimische Unternehmen bangen derzeit um ihre Existenz. Die Öffnung der kleinen Handelsbetriebe hat nach dem Shutdown noch keine großen Einnahmen in die Mattersburger Innenstadt gebracht. Die Krise hat den Einzelhandel schwer getroffen, Modehändler und Sportgeschäfte sitzen derzeit auf ihren Waren, die bereits bestellt, geliefert oder vorfinanziert wurden. Einige Mattersburger Unternehmerinnen ziehen eine erste Bilanz:

Petra Sieber betreibt das Frauenzimmer in der Innenstadt. Bei ihr findet man alles, was das Frauenherz höherschlagen lässt, doch auch bei Sieber hat sich in der Krise einiges geändert.

„In der Innenstadt herrscht gähnende Leere, es ist sehr ruhig geworden und es gibt fast keine Bewegung mehr. Wir haben leider ordentliche Umsatzeinbußen durch diese Krise, die man auch nicht mehr aufholen kann. Durch die Wiedereröffnung hoffte ich natürlich darauf, dass Kunden kommen. Ich habe mir aber ehrlich gesagt nicht mehr erwartet, als es dann letztendlich waren. Den Menschen wird gesagt, sie sollen zu Hause bleiben und wenn sie dann das Haus verlassen, kaufen sie lebensnotwendige Produkte wie Lebensmittel und keine Schuhe oder Kosmetikprodukte, das ist mir völlig klar. Die Kauflust ist bei Vielen einfach niedrig, dadurch ist die Nachfrage gering. Ich wünsche mir, dass es ab 2. Mai, wenn wieder alle Geschäfte öffnen dürfen, besser wird und die Menschen wieder gerne in der Mattersburger Innenstadt einkaufen gehen.“

Inhaberin des Dekoparadies Elke Hodosi.
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Auch in Elke Hodosis Dekoparadies kann nicht von einem Ansturm gesprochen werden: „Bei mir im Geschäft ist es sehr ruhig zurzeit. Die Kunden kommen vereinzelt. Ich denke, viele sind nach wie vor sehr verunsichert und das Geschäft wird erst wieder mehr werden, wenn die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden“, so Hodosi.

Die vergangenen Wochen haben ihr Einbußen von ca. 80% beschert. „Die Soforthilfe ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die kleinen Unternehmen bleiben letztendlich über. Dennoch freue ich mich sehr, dass mein Geschäft wieder offen hat. Ich hoffe, dass viele Leute in Zukunft an die Regionalität denken und verstärkt „daheim“ kaufen“, führt sie weiter aus.

Viki Hesch von Sport 2000.
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Für Sport 2000 von Wicki Hesch ist der Wiedereinstieg in den Alltag nicht einfach, wie Viki Hesch verrät: „Bei uns fängt das Geschäft wieder langsam zu Laufen an. Die vergangenen Wochen waren schwierig und wir mussten große Einbußen verzeichnen. Man hat natürlich viele Ausgaben und auch Ware im Haus, die schließlich bezahlt werden muss.“

Vom eingerichteten Online Shop konnten Sie nicht groß profitieren. Das Betreiben von Onlinehandel und Geschäft, sei auf Dauer aus finanziellen und personellen Gründen nicht machbar. Hier könnten kleine Händler mit Onlineriesen nicht mithalten. „Was letztendlich bleibt, ist die Hoffnung auf das baldige Face-To-Face-Einkaufserlebnis.“

Hesch hätte sich in den vergangenen Tagen mehr Kunden erwartet, doch man merke, dass die Menschen noch sehr vorsichtig und verunsichert seien.

„Von den Härtefallfonds der Regierung war ich sehr enttäuscht. Man kann sich an keinen wenden, keiner kennt sich so richtig aus und auch die Banken sowie Behörden können einem kaum Auskünfte geben. Die Einbußen können wir selbstverständlich nicht mehr aufholen, das ist klar. Ich wünsche mir, dass in den nächsten Wochen wieder mehr bei uns im Geschäft los ist“, so Hesch.

Karin Meissl vom Blumengeschäft Meissl.
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Ein fast einen Monat lang geschlossenes Geschäft bedeutet auch für Karin Meissl und ihrem Blumengeschäft große Verluste.

„Wir haben bestimmt 50% weniger Einnahmen als normal, dadurch dass die Anlaufzeit vom Verkauf nicht so ist wie vorher. Viele Veranstaltungen wie Hochzeiten sind abgesagt und dadurch fällt ein großer Teil vom Umsatz weg. Um einen Härtefallfonds habe ich angesucht und diesen auch sehr rasch bekommen, darüber bin ich sehr froh.

Schade finde ich die Tatsache, dass die Menschen in große Gartencenter fahren oder lieber online bestellen und den Handel in der Innenstadt komplett vernachlässigen“, bedauert Meissl.

„Es sind zurzeit sehr wenige Leute in der Stadt unterwegs, das wird sich hoffentlich bald ändern. Meine Hoffnung ist es, dass wir alle wieder zu ein wenig Normalität kommen können und dass die Leute auch wieder die Innenstadt beleben, statt große ausländische Firmen zu unterstützen.“

Chefin von „Anitas Mode & Dessous“ Anita Treitl.
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Den Mode- und Schuhhandel trifft die Krise besonders hart. Anita Treitl , Betreiberin eines Mode & Dessous Geschäftes in der Mattersburger Innenstadt, erzählt: „Bei uns ist es im Moment sehr ruhig und es zieht sich alles hin. Ich hätte mir durch die Wiedereröffnung mehr Kundenfrequenz erwartet, aber dadurch dass 50% meiner Kunden älteres Klientel sind, war es leider zu erwarten. Dadurch verzeichne ich Umsatzeinbußen von mindestens der Hälfte, wenn nicht sogar mehr. Ich habe auch um einen Notfallfonds angesucht, weiß aber noch nicht, wieviel ich letztendlich bekommen werde. Den verlorenen Umsatz der letzten Wochen kann ich nicht aufholen. Ich bin daher auf den AWS Überbrückungskredit angewiesen. Ich hoffe, dass das Geschäft und die ganze Wirtschaft in den nächsten Wochen wieder zum Blühen anfangen. Man kann leider nichts aufholen, aber ich hoffe, es kommt trotzdem wieder alles schön langsam in die Gänge“, so Treitl.