Bezirk Mattersburg: SPÖ gewinnt 13 Mandate dazu

Erstellt am 06. Oktober 2022 | 05:29
Lesezeit: 6 Min
ÖVP verliert Gemeinderatssitze, Grüne gewinnen klar dazu, FPÖ nur mehr mit zehn Mandataren in den Gemeinderäten vertreten.
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Die SPÖ ist der Gewinner der Gemeinderatswahlen im Bezirk Mattersburg: 12.474 Menschen wählten die SPÖ, was einen Zugewinn von 3,19 Prozentpunkten bedeutet, nun hält man bei 204 Mandaten. SPÖ-Bezirksobmann Dieter Posch zeigt sich naturgemäß sehr zufrieden. „Wir haben eineinhalb Jahre auf die Wahl hingearbeitet und die Mühe hat sich ausgezahlt. Unsere Kandidaten waren sehr motiviert. Unser Motto, dass nichts unter die Gürtellinie geht, war sicherlich ein Teil des Erfolges“, so Posch.

Mit dem Ergebnis in der Bezirkshauptstadt (Festigung der Absoluten und ein ungefährdeter Wahlsieg von Bürgermeisterin Claudia Schlager) haben nicht alle gerechnet. „Schlager hat bei ihrem erstem Antreten Großes geleistet. Sie ist sehr bescheiden und seriös. Auch ihre ehrliche Art ist bei den Mattersburger Wählern sehr gut angekommen.“

„Wir haben eineinhalb Jahre auf die Wahl hingearbeitet und die Mühe hat sich ausgezahlt.“ Dieter posch SPÖ-Bezirksobmann

Posch streicht weiters jene Gemeinden hervor, die „lange Zeit von einer ÖVP-Dominanz geprägt waren. Dort sind wir oft mit dem falschen Verständnis angetreten, dass dort die SPÖ gar keine Chance hat“, erläutert Posch.

Im konkreten spricht der SPÖ-Bezirkschef die Gemeinden Pöttelsdorf und Antau an. „Eva Schachinger und Christian Strass sind mit großem Selbstbewusstsein aufgetreten, was sich ausgezahlt hat. In Pöttelsdorf haben wir bei der Bürgermeisterwahl 11,81 Prozentpunkte, bei der Gemeinderatswahl 5,14 Prozente dazugewonnen. In Antau ist mit einem Zugewinn von fast 20 Prozent die ÖVP-Absolute gefallen, das selbe Plus haben wir bei der Bürgermeisterwahl.“

In Sieggraben hat die ÖVP wieder die Absolute zurückgewonnen. „Dort hat die Volkspartei lange Jahre den Bürgermeister gestellt. Andreas Gradwohl hat 2017 dies mit seiner ruhigen Art umgedreht und nun bestätigt. Er hat gezeigt, dass es nicht nur ein ‚Aufflackern‘ war.“

In Forchtenstein ist es noch offen, ob die SPÖ ihren Bürgermeister behält. Friederike Reismüller trat nicht mehr an, Alexander Rüdiger Knaak muss in die Stichwahl. „Den Sepp Neusteurer (Anm.: ÖVP-Kandidat) kennt man in Forchtenstein. Alexander Rüdiger Knaak hatte wegen der Pandemie kaum Chancen, sich zu präsentieren. Ich bin zuversichtlich, dass dies bei der Stichwahl klappen wird“, so Posch.

In der Heimatgemeinde von SPÖ-Landesgeschäftsführer Roland Fürst (er trat dort auch als Kandidat bei den Gemeinderatswahlen an) hat sich ein spezielle Konstellation zum Nachteil der SPÖ ergeben: Man war dort die einzige Gemeinde im Bezirk ohne SPÖ-Bürgermeisterkandidat und Ortschef Gerhard Hutter vertritt die LIBS im Gemeinderat, sitzt jedoch im Landtag als SPÖ-Mandatar. Die Folge: Ein Verlust von zwei Mandaten, die SPÖ hält nun nur mehr bei drei Gemeinderäten.

Für die ÖVP steht im Bezirk bei der Gemeinderatswahl ein Minus von 1,34 Prozent zu Buche, Mandate gibt es nun neun weniger (aktueller Stand: 126).

ÖVP-Bezirksobmann Christian Sagartz nimmt das Ergebnis zur Kenntnis: „Wie bei jeder Wahl gibt es Licht und Schatten. Unterm Strich haben wir unsere Bürgermeister gehalten, in Forchtenstein haben wir mit Sepp Neusteurer in der Stichwahl noch die Chance auf einen weiteren Ortschef. In größeren Gemeinden wie Neudörfl und Bad Sauerbrunn haben wir jeweils zwei Mandate dazugewinnen können, dies ist sehr positiv. In Pöttsching haben wir das historisch beste Ergebnis eingefahren.“

In der Gemeinde Sieggraben gab es ein extrem knappes Ergebnis. Die ÖVP holte zwar 51,93 Prozent der abgegebenen Stimmen, die SPÖ 46,39 und die FPÖ 1,67. Die Volkspartei konnte somit die absolute Mehrheit erringen (10 Mandate ÖVP, 9 Mandate SPÖ). Bei der Bürgermeisterwahl siegte hingegen SPÖ-Kandidat Andreas Gradwohl. „Auch über den Ausgang im Sieggraben freue ich mich sehr, dort war es sehr eng, es wurde die sehr gute Arbeit bestätigt“, so Sagartz.

In Antau gab es mit 12,8 Prozent den größten Verlust für die Volkspartei und den Wegfall der absoluten Mehrheit. „Der SPÖ-Kandidat hat dort anscheinend einen sehr guten Wahlkampf betrieben. Wir hatten einen Bürgermeisterwechsel. Frank Wiemer wird dort mit seiner professionellen, sachlichen Art gute Arbeit leisten.“

Das zweitgrößte „Minus“ für die ÖVP gab es in der Bezirkshauptstadt. „Ich bin der letzte, der jemanden von außen etwas zuruft. Die Gesamtsituation ist dort etwas anders als in kleineren Gemeinden. Wegen Covid konnten wir dort nicht so unsere Veranstaltungen abhalten. Wir werden uns in Mattersburg neu positionieren. Kandidat Thomas Haffer hat weiterhin mein vollstes Vertrauen“, hält Sagartz fest.

Listen anstelle von FPÖ-Ortsparteien

Die FPÖ trat mit einer speziellen Ausgangssituation bei den heurigen Gemeinderatswahlen an. In diversen Gemeinden, wo die Freiheitlichen eigentlich vertreten waren, wurden Listen gebildet: So etwa in der FPÖ-Hochburg Loipersbach, in Antau (Gemeinde von FPÖ-Bezirksobmann Christian Müllner) oder auch in Mattersburg mit Hans Tschürtz. Zum Teil werden diese hingegen der FPÖ zugerechnet.

Unterm Strich ist das Ergebnis enttäuschend: Laut offiziellem Wahlergebnis wählten 2017 noch 1.805 Personen die FPÖ, dieses Mal waren es 1.033. Gab es 2017 noch 22 FPÖ-Gemeinderäte im Bezirk Mattersburg, so sind dies nun nur mehr zehn. Auf das Wahlergebnis angesprochen, meint FPÖ-Klubobmann Hans Tschürtz (seine Liste in Mattersburg wird der FPÖ zugeordnet): „Das Ergebnis ist natürlich nicht erfreulich, man muss es jedoch zur Kenntnis nehmen. Man muss in Zukunft flächendeckend breiter aufgestellt sein.“

Bei den Gemeinderatswahlen verweisen Parteien mit einem Minus immer wieder auf Einflüsse „von oben“. Dass man auch mit einer schwierigen Bundes-Situation punkten kann, haben die Grünen bewiesen: 2017 gab es drei Mandatare im Bezirk, nun sind es elf. Nach dem Urnengang vom Sonntag hat man in Bad Sauerbrunn zwei, in Mattersburg eines, in Neudörfl drei Grüne Gemeinderatsmitglieder. Und auch in Wiesen wird die „WiPUG“ (Zusammenschluss der Wiesener Plattform und Unabhängigen Grünen) der Umweltpartei zugerechnet, wobei Juliane Bogner und ihr Team fünf Mandate erreichten. Zwei Klein-Parteien versuchten in zwei Gemeinden den Einzug in den Gemeinderat: In Mattersburg und Bad Sauerbrunn traten jeweils die NEOS und die MFG an. Die NEOS scheiterten in beiden Ortschaften, die MFG ist mit Wilhelm Rotschopf in Bad Sauerbrunn hingegen vertreten.

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