Theateraufführung in Neudörfl: „Die Welt gehört in Kinderhände“

Erstellt am 23. Juni 2022 | 04:45
Lesezeit: 4 Min
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Sehr bunt ging es auf der Bühne des Martinihofs bei der Theateraufführung der Vorschulkinder zu. Zum Thema: „Die Welt gehört in Kinderhände“ wurde über ein friedliches Zusammenleben aller Menschen nachgedacht.
Foto: zVg
Der Krieg in der Ukraine geht auch an den Kindern in Österreich nicht spurlos vorbei. Bei der diesjährigen Theateraufführung der Vorschulkinder der Kindergärten Neudörfls wurde über ein friedliches Zusammenleben nachgedacht.
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Alljährlich bereiten die Vorschulkinder in Neudörfl vor den Sommerferien ein Theaterstück vor, das sich mit Themen beschäftigt, die für Kinder in diesem Alter einfach interessant sind. So gab es in den vergangenen Jahren Aufführungen zu den Themen „Das Dschungelbuch“, „Wie bleibe ich gesund?“, „Piratenfahrt“ oder „Weltraumreise“. Heuer war alles ein wenig anders.

„Zum Schluss stellt sich heraus, dass die Welt nur mit allen Kontinenten gemeinsam bunt und vielfältig sein kann.“

„Eigentlich wollten wir uns mit etwas anderem beschäftigen“, berichtet Katrin Knopf, die seit mittlerweile 22 Jahren Elementarpädagogin im Kindergarten Zollikofenplatz ist. „Da aber der Krieg in der Ukraine derzeit alles überschattet und unsere Kinder auch beim Sammeln von Spielsachen und Gewand mithalfen, haben wir uns spontan für den Themenkomplex ‚friedliches Zusammenleben‘ entschieden.“

Zum großen Motto der Aufführung „Die Welt gehört in Kinderhände“ wurden eine Weltkarte und Fahnen gebastelt, Tänze aufgeführt und Sätze vorgetragen. „In dem Stück ging es darum, dass die Welt aus vielen Kontinenten besteht. Jeder Kontinent in unserer Aufführung glaubt allerdings, dass er einzigartig und der allerbeste sei. Zum Schluss stellt sich aber heraus, dass die Welt nur mit allen Kontinenten gemeinsam bunt und vielfältig sein kann und dass die Menschen nicht untereinander streiten und Krieg führen sollen, sondern dass die Welt ein Schatz ist, den niemand zerstören darf.“

„Wird der Krieg auch zu uns kommen?“, fragen Kinder

Natürlich bekommen die Kindergartenkinder, insbesondere die etwas älteren, auch mit, dass in der Ukraine tagtäglich etwas Schreckliches passiert. „Wie sie den Krieg genau wahrnehmen, ist schwierig zu sagen“, so Knopf.

„Unsere Kinder beschäftigte vor allem immer wieder, dass Menschen und Kinder flüchten müssen und es entstanden Fragen wie beispielsweise, ob der Krieg auch zu uns kommt. Unsere Aufgabe als Pädagoginnen und Pädagogen ist es, ihnen genau zuzuhören, ihnen das Gefühl zu geben, dass wir sie mit ihren Ängsten ernst nehmen und ihnen auch möglichst kindgerechte Weise zu erklären, was die aktuelle Situation bedeutet. Hierbei muss man natürlich ganz besonders aufpassen, was man sagt und wie man es vermittelt.“

Der Krieg bietet zugleich eine Möglichkeit, mit den Kindern zu besprechen, wie man im alltäglichen Leben mit Streitigkeiten umgeht oder eben gerade nicht damit umgehen sollte. „Im Kindergarten gibt es immer wieder die verschiedensten Konflikte. Deswegen haben wir versucht, mit den Kindern eine Friedens- und Konfliktpädagogik im Hinblick auf Integration, gewaltfreie Kommunikation, respektvollem Umgang und Diversität zu erarbeiten.“

Ziel dabei war es, Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten akzeptabel sind. „Wir haben auch viel über die Gefühle – sowohl die eigenen als auch die des anderen – gesprochen. Wie fühlt man sich, wenn man zum Beispiel geschlagen wird? Wie merkt man, dass jemand traurig ist? Wie würde ich mich fühlen, wenn es mir so geht?“

Die Kinder wurden dadurch zum Nachdenken angeregt, erklärt Katrin Knopf. „Dadurch lernen die Kinder, dass jeder einzigartig ist und dass niemand gerne ausgelacht wird, nur weil man etwas nicht so gut kann oder man nicht so aussieht, wie es andere gerne hätten.“

Geflüchtete Kinder wurden sehr nett aufgenommen

Am Theaterstück selbst waren alle Vorschulkinder aus den sechs Gruppen beider Kindergartenhäuser beteiligt sowie neben Katrin Knopf auch viele andere Elementarpädagoginnen.

Alle Inhalte wurden selbst erdacht, auch die Sätze, mit denen die Kinder ihre Kontinente vorstellten: „Alle Sätze sind auf das sprachliche Können der jeweiligen Kinder abgestimmt. Es gibt bei uns auch keine Hauptrollen, sondern alle Rollen sind gleichwertig, ganz egal ob man sich leichter oder schwerer tut beim Sprechen. Der Spaß und die Besonderheit auf so einer großen Bühne zu stehen und etwas zu präsentieren stehen ganz im Vordergrund.“

In Neudörfl besuchen derzeit mehrere Kinder aus der Ukraine den Kindergarten. „Ein Bursche hat sogar bei der Aufführung mitgewirkt“, freut sich Knopf. „Alle geflüchteten Kinder wurden bei uns sehr nett aufgenommen. Unsere Kinder gehen sehr fürsorglich und hilfsbereit miteinander um und mit dem Einsatz von Gestik und Mimik können sie sich eigentlich auch sehr gut miteinander verständigen.“

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