Historische Tiefstände in Mattersburg. Bei der Wulka gibt es die geringste Wasserabflussmenge seit Aufzeichnungsbeginn aus dem Jahre 1982, das Grundwasser ist am niedrigsten Stand seit 2009.

Von Richard Vogler. Erstellt am 21. Mai 2020 (05:08)
Ausgetrocknet. Das Bild der Wulka auf Höhe Rückhaltebecken. Dies ist kein seltenes Bild, immer wieder kommt es vor, dass die Wulka an manchen Stellen kein Wasser führt. Dennoch ist die Situation im heurigen Jahr noch nicht da gewesen seitdem es Aufzeichnungen gibt.
Richard

Die spärliche Regenmenge der vergangenen Zeit macht den Bauern zu schaffen und die Wasserdaten bei der Wulka oder beim Grundwasser sprechen eine deutliche Sprache: Historische Tiefstände seit Anbeginn der Aufzeichnungen seit den Jahren 1982 und 2009.

Die Wulka entspringt im Rosaliengebirge und durchquert das Ortsgebiet von Forchtenstein. „Man sieht es ganz deutlich, wenn man in die Wulka blickt, an den meisten Stellen ist sie ausgetrocknet. Normalerweise stellt sich dies meist erst im Sommer so dar. Auch beim Hochbergbach, der bei der Mattersburger Naturfreundehütte in die Wulka mündet, sieht die Situation nicht viel besser aus“, berichtet Forchtensteins Bürgermeisterin Ricki Reismüller.

„Es zeigt sich, dass die vergangenen Monate sehr niederschlagsarm waren, in etwa 60 Prozent weniger als die Jahre davor.“Gerald Hüller, Leiter Abteilung 9 (Wasser- und Abfallwirtschaft)

In Mattersburg fließt die Wulka beginnend von der Weidenbachgasse durch das Ortsgebiet. Ein Lokalaugenschein Mittwoch vergangener Woche ergab, dass der Fluss bis Höhe Rückhaltebecken komplett ausgetrocknet ist, ab der Weidenbachgasse dann wieder Wasser führt.

Eine Kennzahl bei Flüssen ist die Wasserabflussmenge (sie beschreibt die Wassermenge in Kubikmetern pro Sekunde), wobei sich hierfür in Walbersdorf in der Wulka eine Messstation befindet. Seit 1982 werden dort Messungen mit Monatsmitteln durchgeführt, die Monate März und April dieses Jahres weisen einen historischen Tiefstand mit 0,04 und 0,06 Kubikmetern Wasserdurchlauf pro Sekunde auf.

Nicht ungewöhnlich: Wulka ohne Wasser

„Die Wulka wird von Regenwasser und von Abflüssen gespeist“, erläutert Gerald Hüller, Leiter der Abteilung 9 (Wasser- und Abfallwirtschaft) der Burgenländischen Landesregierung, um weiter auszuführen: „Es zeigt sich, dass die vergangenen Monate sehr niederschlagsarm waren, in etwa 60 Prozent weniger als die Jahre davor. Dass die Wulka an manchen Stellen kein Wasser führt, ist jedoch nicht ungewöhnlich.“ Natürlich hat dies gewisse Auswirkungen auf das Öko-System wie die Fischpopulaton, längerfristig bringt dies jedoch keinen Schaden im Öko-System.

In einem weiteren Teilbereich gibt es dennoch Auswirkungen. Die Messstation bei Walbersdorf zeichnet den Flussquerschnitt an dieser Stelle auf, wobei auch die Wasserstandshöhe ersichtlich ist. Diese hat seit Jahresbeginn den „Q95%-Durchflusswert“ unterschritten, womit die „Warngrenze 1“ zum Tragen kommt und Wasserentnahmen verboten sind. Landwirtschaftliche Beregnungen sind somit aktuell nicht erlaubt.

Ein „Rekordergebnis“ im negativen Sinne gibt es auch beim Grundwasserstand. In Pöttelsdorf befindet sich eine Messstation, wo seit 2009 Aufzeichnungen durchgeführt werden und die ersten Monate des Jahres gab es auch dort einen absoluten Tiefwert. Ende April lag dieser bei 219,69 müA (Meter über Adria-Niveau), wobei sich dies im Burgenland nicht nur auf Pöttelsdorf beschränkt – auch in den Bezirken Eisenstadt und Oberpullendorf gibt es diese Tiefstände. Die Wulka mündet in den Neusiedlersee und auch dort gibt es einen sehr niedrigen Wasserstand – dies ist jedoch nicht der Wulka geschuldet. „Die Wulka trägt sehr wenig zum Wasser des Neusiedlersees bei. Bei einer Hochwassserwelle würde durch die Wulka der Wasserstand des Sees ledigich um drei Zentimeter ansteigen“, so Hüller.

„Die Reserven wurden eindeutig geringer“

Bereits Ende April wies Karl Marecek, Referatsleiter Hydrographie der Landesregierung, bereits hin: „Die derzeitige Situation ist keine, die es noch nie gegeben hat. Es herrschten allerdings in den vergangenen Monaten vorwiegend trockene Verhältnisse, die Reserven werden eindeutig geringer“, so Marecek. Dennoch: „Während der durchschnittliche Jahresniederschlag im Burgenland je nach Region etwa 550 bis 800 mm ausmacht, fallen in den Monaten Jänner bis März etwa 100 Milimeter. Diese geringe, aber für die Grundwasserneubildung bedeutende Menge wurde im heurigen Jahr und auch im Jahr 2019 gebietsweise deutlich unterschritten, zum Teil regnete es in diesem Zeitraum nur 40 mm.“