Corona-Hilfe blieb bei Neudörfler bis jetzt aus. Gastronom Franz Schober vom Sportcafé hat bis jetzt kein Geld von der Covid-19 Finanzierungsagentur erhalten und muss auf sein Erspartes zurückgreifen.

Von Christian Artner. Erstellt am 15. April 2021 (03:34)
Keine Zahlungen bis jetzt. Seit Monaten muss Franz Schober die Fixkosten in seinem Lokal, dem Sportcafé Schober, aus seinem Ersparten zahlen, da sich Hilfsleistungen verzögern.
zVg, zVg

Der Gastronom Franz Schober ist wütend, das ist am Klang seiner Stimme zu merken. Und er spricht es auch aus: „Ich bin fürchterlich wütend“. Seine Wut richtet sich einerseits auf die Wirtschaftskammer, von der er seine Interessen nicht gut vertreten sieht, andererseits auf die COFAG, die Covid-19 Finanzierungsagentur des Bundes. Anfang April 2020 gegründet, verwaltet sie einen Teil des Corona-Hilfsfonds, aus dem für heimische Unternehmen Garantien, Lockdown-Umsatzersatz, Ausfallbonus, Fixkostenzuschüsse und der Verlustersatz bereitgestellt werden.

In Neudörfl führt Franz Schober gemeinsam mit seinem Sohn Michael das Sportcafé. Durch die verordnete Schließung der Gastronomie haben sie seit Monaten keine Einnahmen mehr. Im Gegensatz zu anderen Gastro-Betrieben, die durch Liefer- und Abholservice zumindest teilweise Umsätze erzielen, fehlt ihnen diese Möglichkeit. „Wir hatten also Null Einkommen, überhaupt nichts“, sagt Franz Schober. Trotzdem müssen Miete, Strom und andere Fixkosten bezahlt werden. Hierbei sollte die Hilfe der COFAG zum Tragen kommen, zur Erhaltung der Zahlungsfähigkeit und Überbrückung von Liquiditätsschwierigkeiten, wie es auf der Webseite heißt.

Doch Schober wartet nun schon seit Monaten auf die von der Regierung versprochenen Leistungen. Den Umsatzersatz für Dezember hat Schober bis heute nicht auf seinem Konto und auch der Ausfallbonus für die ersten Monate des Jahres 2021 ist noch offen.

Monatlich müsse er deshalb „Tausende Euro“ von seinem Ersparten nehmen, um seine Fixkosten zu bezahlen.

Mangelhafte Kommunikation ärgert

Ihn ärgert nicht nur, dass er noch kein Geld erhalten hat, ihn ärgere vor allem auch die mangelhafte Kommunikation, die er im Kontakt mit der COFAG erfahren hat. Mehrfach habe er telefonisch und schriftlich um eine Auskunft seine Anträge betreffend ersucht, immer mit demselben Erfolg: sein Antrag sei in Arbeit.

Bereits am 1. Februar wurde Schober von Franz Perner, dem Spartengeschäftsführer für Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Burgenland, mit dem Schober in Kontakt war, mitgeteilt, dass sein Antrag auf Grün stehe und der Umsatzersatz an Schober demnächst ausgezahlt werde.

„Ich dachte mir, gut, die Wirtschaftskammer hat interveniert. Ende Feber hatte ich aber immer noch kein Geld erhalten.“ Eine weitere Hilfestellung von Seiten der Wirtschaftskammer gab es laut Aussagen von Schober nicht. „Mir wurde lediglich mitgeteilt, dass ich nicht der Einzige bin, der noch kein Geld erhalten hat und dass die Situation als nicht befriedigend angesehen wird.“

Franz Perner von der WK sagt, er sei mit Franz Schober laufend im Gespräch gewesen. „Wir von der Wirtschaftskammer üben auch Druck aus, dass die Anträge zügig abgearbeitet werden.“ Seines Wissens habe es auch technische Probleme bei der COFAG bei einem Teil der Dezemberanträge für den Umsatzersatz gegeben.

Verzögerung durch fehlerhafte Anträge möglich

Möglich ist es auch, dass Anträge falsch ausgefüllt werden und sich deshalb die Genehmigung verzögere. „Dreimal wurde eine angeblich fehlende Unterschrift nachweislich an die COFAG gemailt“, sagt Franz Schober, „aber anscheinend nicht an den zuständigen Sachbearbeiter weitergeleitet, und das seit Mitte Jänner. Ich habe auch mit meinem Steuerberater gesprochen, ob wir irgendwo einen Fehler gemacht haben. Aber es wurde alles korrekt eingereicht.“ Schober habe auch mehrmals gebeten, mit dem zuständigen COFAG-Sachbearbeiter direkt sprechen zu dürfen, um zu erfahren, woran es mangelt. „Das sei aber nicht möglich, wurde mir mitgeteilt.“

Dass es auch anders geht, weiß Schober von Kollegen. „Ich habe mit einigen Wirten gesprochen und erfahren, dass sie schon den Feber überwiesen bekommen haben.“ Schober hat die Vermutung, dass es bei ihm daran liegen könnte, dass er bereits Pensionsansprüche hat und sein Sohn auch einem Vollzeitberuf nachgeht. „Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, meint Schober, „ich habe ja trotzdem meine Fixkosten im Lokal. Ich sehe darin eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes.“

In den vergangenen Wochen stand deshalb sogar eine gerichtliche Klage im Raum. Für heute, Donnerstag, war bereits ein Termin mit einem Anwalt festgelegt worden. Nachdem die BVZ der COFAG-Pressestelle am Freitag den Fall schilderte, kam plötzlich – ob ursächlich miteinander verbunden oder nicht – doch noch Schwung in die Angelegenheit. „Ich habe heute noch einmal mit der COFAG telefoniert. Im Gespräch hieß es, dass sowohl der Umsatzersatz für Dezember, als auch der Ausfallbonus für Jänner und Februar freigegeben wurden und innerhalb von vierzehn Tagen ausbezahlt werden.“

Die COFAG-Geschäftsführung nahm zum Fall des Neudörflers Stellung: „Wir bedauern, dass Herr Schober länger auf die Bearbeitung der noch offenen Anträge warten musste und keine zufriedenstellende Antwort von uns erhalten hat. Mittlerweile wurde der Antrag auf Umsatzersatz Dezember genehmigt und befindet sich in Auszahlung. Wir wollen uns für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.“ Die COFAG sagt, dass Verzögerungen wie im Fall von Franz Schober die Ausnahme darstellen. „Bei einem geringen Teil der Antragsteller dauert die Abwicklung der Anträge länger als einen Monat. Diese Antragsteller werden regelmäßig informiert, dass wir weitere Daten benötigen, um den Fall zur Auszahlung zu bringen.“