Historisches Jubiläum für Neusiedler Kalvarienberg

Ein Neusiedler Bauer tat sich damals als großzügiger Sponsor hervor und setzte die Errichtung testamentarisch fest.

Birgit Böhm-Ritter
Birgit Böhm-Ritter Erstellt am 17. September 2021 | 05:36
440_0008_8181028_nsd37bir_kalvarienberg.jpg
Die Bildstöcke des Kalvarienberges wurden vor 150 Jahren errichtet. Freigiebiger Spender war damals der wohlhabende Neusiedler Bauer Paul Schmückl.
Foto: Birgit Böhm-Ritter

Der Kalvarienberg mit seinen Kreuzwegstationen spielt nicht nur zu Ostern eine Rolle in der Stadtgemeinde, er hat sich zu einem Naherholungsgebiet entwickelt, das ganzjährig gerne von der Bevölkerung besucht wird. Nun feiert er am Samstag mit einem Gottesdienst (10 Uhr) mit Bischof Zsifkovics und einem Festakt seinen 150. Geburtstag.

Interessant ist seine Entstehungsgeschichte: Im Jahr 1869 verfasste der Neusiedler Bürger Paul Schmückl, der ein wohlhabender Bauer war und dessen Ehe kinderlos blieb, ein Testament, in dem er etliche Freunde und Verwandte mit Geschenken bedachte, aber auch einige Stiftungen, wovon eine der ganz großen zur Errichtung einer Kreuzweganlage auf dem Neusiedler Kalvarienberg war.

Mit der Errichtung wurde der Neusiedler Baumeister und Steinmetz Jakob Schaffrian beauftragt. Dieser holte sich für die „künstlerische Gestaltung“ den Akademischen Bildhauer David Hafner. Dieser schuf nicht nur die Reliefs für die elf Neogotischen Bildstöcke, sondern auch die Kreuzigungsgruppe und die Jesus Christus Figur im Grab.

Bis in die frühen 1950er Jahre wurde der Neusiedler Kalvarienberg regelmäßig Ziel zahlreicher kleinerer Wallfahrten und Bittprozessionen. Nicht nur von Gläubigen aus Neusiedl am See, sondern auch von umliegenden Gemeinden.

Seit 2010 kümmert sich der Verein „Freunde des Kalvarienbergs“ um die Erhaltung der gesamten Anlage. „Was Generationen vor uns aufgebaut haben, wollen wir pflegen und für die Nachkommen bewahren“, erläutert Obmann Franz Renghofer den Leitsatz des Vereines.

In den vergangenen elf Jahren hat der Verein die beachtliche Summe von etwa 400.000 Euro für eine umfassende Restaurierung aufgebracht. „Aber wie bei allen kunsthistorischen Schätzen ist das eine ‚never ending story‘. Man ist kaum fertig, glaubt man zumindest, und schon sind wieder die ersten Schäden sichtbar“, so Renghofer.

Übrigens: 2018 wurde der Kalvarienberg vom Land Burgenland als schützenswert eingestuft und in den Rang eines Naturdenkmals gehoben: Der Kalvarienberg sei ein wichtiger Lebensraum für viele seltene und auch gefährdete Pflanzenarten, der sich durch eine besonders hohe Artenvielfalt auszeichne, erklärte Natur- und Umweltschutzlandesrätin Astrid Eisenkopf damals. Solche Lebensräume gilt es zu schützen.