Parndorf kämpft gegen Verkehrsplage. 900 LKW fahren zu Spitzenzeiten täglich durch Parndorf. Diesen Wert will die Gemeinde um mehr als die Hälfte verringern.

Von Paul Haider. Erstellt am 08. März 2017 (06:04)
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Auf Lösungssuche. Bürgermeister Wolfgang Kovacs und die Gemeinde Parndorf wollen den LKW-Verkehr im Ortsgebiet deutlich reduzieren. Zu Spitzenzeiten fahren 900 LKW am Tag durch das Dorf.
Paul Haider

Das Ortsgebiet von Parndorf leidet unter einer ungewöhnlich hohen Verkehrsbelastung. Im Sommer 2016 wurden in der Ortschaft zwei Wochen lang Verkehrszählungen durchgeführt, die schockierende Ergebnisse lieferten: Demnach fahren zu Spitzenzeiten 13.000 Fahrzeuge täglich durch Parndorf, 916 davon sind LKW.

„Fehlplanungen, die vor 30, 40 Jahren passiert sind“

Im Gespräch mit der BVZ kommentiert Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) die Verkehrssituation in Parndorf: „Wenn man bedenkt, dass LKW ja nicht in der Nacht fahren, dann kommt man im Wesentlichen auf ein Zeitfenster von zwölf Stunden und somit auf eine Frequenz von mehr als einem LKW pro Minute. Wer möchte auf einer Straße leben, wo jede Minute ein LKW vorbeifährt? Das ist unerträglich und wir drängen darauf, dass es Alternativen geben muss.“

Ein gewisser LKW-Grundverkehr sei in Parndorf aufgrund einiger Betriebe im Ortsgebiet nicht zu vermeiden, räumt der Ortschef ein: „Kein Mensch würde heute auf die Idee kommen, mitten in der Ortschaft ein Industriegebiet zu planen. Das sind Fehlplanungen, die vor 30, 40 Jahren passiert sind. In der Saison gibt es in der Bahnstraße durch die Firmen Pioneer und Interpane ziemlich viel Bewegung, aber es ist nicht so viel, wie ich befürchtet habe.“

560 LKW fahren täglich zu den Schottergruben

Der Großteil des Schwerverkehrs in Parndorf sei auf den den Wegen, rund um die Schottergruben zu verzeichnen, das würden auch die Verkehrsmessungen vom vergangenen Sommer belegen, so Kovacs: „Auf den Straßen zu den Schottergruben wurden 560 LKW am Tag registriert. Weit mehr als die Hälfte der LKW waren Fahrzeuge, die entweder Schotter weggebracht oder Material zu den Schottergruben hingebracht haben.“

Viele Lenker von Schwerfahrzeugen seien zudem Mautf-lüchtlinge. Um sich ein paar (kostenpflichtige) Kilometer auf der Autobahn zu ersparen, würden viele Fahrer vorzeitig abfahren und stattdessen den Weg durch das Parndorfer Ortsgebiet nehmen, schildert Kovacs.

Derzeit wird an einem Verkehrskonzept gearbeitet, an dem Gemeinden, Firmen und Landesregierung beteiligt sind, um speziell den Schwerverkehr rund um die Schottergruben von Ortsgebieten fernzuhalten. Der Parndorfer Ortschef berichtet von ersten Erfolgen: „Ich bin schon mit den Firmen Kotzian und Böhm zusammengesessen und habe positive Zeichen bekommen. Sie haben Bereitschaft gezeigt, mit ihren Fahrzeugen andere Wege zu nehmen.“

Straßen für LKW unattraktiv machen?

Für Kovacs wäre ein „Gentlemen‘s Agreement“, in dem sich Firmen freiwillig dazu verpflichten, künftig die Autobahn, anstatt der Bundesstraße zu benutzen, die beste Lösung.

Sollte das nicht funktionieren, habe die Gemeinde aber auch andere Möglichkeiten, gibt der Bürgermeister zu verstehen: „Wenn ich ganz kreativ bin, dann lasse ich beispielsweise am Heidehofweg eine Serie von Schwellen einbauen, sodass kein LKW-Fahrer mehr die Lust verspürt, auf diesem Stück zu fahren.“