Aufzeichnungen und Reisetickets beschlagnahmt. Utl.: Gegenseitige Schuldzuweisungen der Angeklagten

Von Redaktion, APA. Erstellt am 02. Oktober 2017 (20:23)
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Bei dem Prozess am Montag in Kecskemet berichtete Richter Janos Jadi, dass die Bande über ihre Machenschaften Buch geführt hat. Bei Hausdurchsuchungen wurden laut Ungarischer Nachrichtenagentur MTI etwa Hefte beschlagnahmt, in denen Telefonnummern, Namen und Summen aufgelistet sind, die mit den Flüchtlingstransporten im Zusammenhang stehen sollen.

In der Budapester Wohnung des Hauptangeklagten habe man zudem internationale Zug- und Flugtickets gefunden, so Jadi laut MTI. Im Verfahren kam es erneut zu gegenseitigen Schuldzuweisungen der Angeklagten. Der Hauptangeklagte schob die Verantwortung auf den Fünftangeklagten, einen 52-jährigen, bulgarisch-libanesischen Staatsbürger, der laut Staatsanwaltschaft die Autos für die Schlepperbande besorgt haben soll. Der Fünftangeklagte sei demnach der "wichtigste Mann der Schlepperorganisation" gewesen.

Die Bande soll für den Erstickungstod von 71 Flüchtlingen verantwortlich sein. Der Kühl-Lkw mit den Leichen wurde im August 2015 an der Autobahn bei Parndorf im Burgenland entdeckt. Die 71 Flüchtlinge, darunter auch vier Kinder, sind darin nach Angaben der Staatsanwaltschaft innerhalb von eineinhalb bis zwei Stunden noch auf ungarischem Staatsgebiet erstickt. Den elf Angeklagten - einer davon ist noch flüchtig - wird u.a. qualifizierter Mord und Schlepperei im Rahmen einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, es drohen hohe Haftstrafen.