Direktor Roth: „Ein Lehrer muss ein großer Unterhalter sein“

Erstellt am 30. Juni 2022 | 05:55
Lesezeit: 4 Min
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Direktor Walter Roth: „Jedes Kind hat seine Fähigkeiten, man muss sie nur entdecken.“
Foto: Birgit Böhm-Ritter
Direktor Walter Roth anlässlich seiner Pensionierung als Schulleiter des Neusiedler Gymnasiums im Gespräch mit der BVZ.
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Sie wird ihm fehlen, „seine“ Schule. Nach 42 Jahren Lehrerdasein im Gymnasium Neusiedl verabschiedet sich Mag. Walter Roth in den Ruhestand. Leicht falle es ihm nicht, gibt er zu. Dabei sei gegen Schulschluss noch viel zu tun und die bevorstehende Pension gar noch nicht so richtig zu fassen. Seine Wehmut überdeckt der Schulleiter aus Pama mit der für ihn typischen quirligen Geschäftigkeit und mit seinem Humor.

20 Jahre lang leitete er als Direktor die Geschicke einer der größten Schulen in Österreich. Rund tausend Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit das Gymnasium in Neusiedl am See, über hundert Pädagoginnen und Pädagogen bilden das Lehrerteam.

Begonnen hat Walter Roth seine Tätigkeit 1980 als Lehrer für Mathematik und Physik. Im Laufe der Jahrzehnte ist ihm die Schule ans Herz gewachsen, vor allem in der Zeit, als er ab 1996 die Aufgaben des Administrators übernommen hat. Seine Einteilungen und Pläne seien stets von dem Gedanken geleitet gewesen, für die Schülerinnen und Schüler die günstigsten Rahmenbedingungen zu schaffen, sagt er im Rückblick.

„Damals habe ich so viel Zeit investiert und mich mit der Schule so identifiziert, dass ich mir keinen anderen Schulleiter vor die Nase setzen lassen wollte“, erzählt er mit einem Schmunzeln von der Entscheidung, sich um die Stelle des Direktors zu bewerben. Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren wurde er schließlich ab 1. Jänner 2003 als Nachfolger von Gerhard Pschill mit der Leitung des Neusiedler Gymnasiums betraut.

Als „Meisterstück“ seiner Direktorenzeit beschreibt er die Sanierung und Erweiterung des Schulgebäudes. Durch seine Initiative und seinen Einsatz weit über seine offizielle Zuständigkeit hinaus ist es ihm gelungen, aus einem nicht mehr zeitgemäßen 1970er- Gebäude eine moderne, top ausgestattete Schule entstehen zu lassen, die von einem Neubau nicht zu unterscheiden ist.

Dass Direktor Roth schon vor 15 Jahren auf die eklatante Raumnot hingewiesen hat und bereits bei der Planung einen größeren Zubau verlangt hat, ist bei den zuständigen Stellen jedoch auf taube Ohren gestoßen. Heute müssen auch Sonderräume, wie zum Beispiel der Physiksaal, als Klassenzimmer genützt werden.

Doch was macht nun den Lehrerberuf aus? „Es ist ein toller Beruf“, antwortet der 65-Jährige auch am Ende seiner Pädagogen-Laufbahn. „Man ist immer mit Leuten in Kontakt, die am Beginn ihrer ‚beruflichen Karriere‘ stehen, die so viel Aufnahmefähigkeit besitzen und wo man so viel bewirken kann.“ Aber nicht jeder sei als Pädagoge geeignet und Lehrer sein sei eine Berufung, betont er.

„Die Kunst eines guten Lehrers ist es, die Stunde kurzweilig zu gestalten. Ein Lehrer muss auch ein guter Unterhalter sein. Das größte Kompliment ist es, wenn die Kinder am Ende einer Stunde fragen, ob sie wirklich schon aus sei.“

Große Pläne für die Pension hat Walter Roth noch nicht geschmiedet. Er wolle endlich mehr Zeit mit seiner Frau verbringen und er werde mehr als Rettungsfahrer unterwegs sein. „Fad wird mir bestimmt nicht, ich hab schon einige Anfragen“, lacht er im BVZ-Interview.

Wer ihm in der Schuldirektion nachfolgen wird, ist übrigens noch nicht fixiert. Klar ist nur, dass es eine Frau sein wird. Drei Bewerberinnen haben sich dem Auswahlverfahren gestellt.

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