Neusiedl/See: Jugendherberge sucht neue Leitung

Heidi und Josef Berger gehen in den Ruhestand. Nachfolger werden gesucht.

Birgit Böhm-Ritter
Birgit Böhm-Ritter Erstellt am 25. Dezember 2020 | 03:49
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Heidi und Josef Berger haben über drei Jahrzehnte die Jugendherberge in Neusiedl am See mit viel Herzblut betrieben. Anfangs verzeichneten sie 6000 Nächtigungen in der Saison, in Spitzenzeiten stieg diese Zahl auf 10.000.
Foto: Böhm-Ritter

Die einzige Jugendherberge des Burgenlandes ist auf der Suche nach einer neuen Leitung. Die „Herbergseltern“ Josef und Heidi Berger verabschieden sich mit Saisonbeginn in den Ruhestand. Nach 34 Jahren machen sie mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck Platz für Nachfolger.

Josef Berger blickt im Gespräch mit der BVZ zurück. Es sind schöne Erlebnisse, die dem gebürtigen Steirer in den Sinn kommen, wenn er an „seine“ Herberge denkt. Die Bergers haben das Haus schließlich so geführt, als wäre es das eigene. Dabei ist die Neusiedler Jugendherberge im Besitz des Österreichischen Jugendherbergswerks, welches als gemeinnütziger Verein über 20 Häuser in Österreich besitzt.

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Obmann des Vereines im Burgenland ist Neusiedls Alt-Bürgermeister Kurt Lentsch, Präsident der ehemalige ÖVP-Klubobmann Rudolf Strommer. Sie sind nun auf der Suche nach einer neuen Herbergsleitung. „Wir wollen in den nächsten Tagen mit dem AMS Kontakt aufnehmen und die offenen Stellen ausschreiben“, erklärt Kurt Lentsch.

Für eine groß angelegte Nachfolgersuche, etwa über Headhunter, sei kein Geld da, denn die Organisation werde gemeinnützig geführt und dürfe daher keine Rücklagen ansparen. „Das ist gerade in so einer Saison, wie es diese war, eine wirtschaftliche Katastrophe“, so Lentsch.

Die Herberge war aufgrund der Corona-Pandemie bei Weitem nicht ausgelastet. Erst Anfang Juni konnte das Haus für Gäste geöffnet werden. Alle Schulgruppen haben ihre Reservierungen allerdings storniert, ähnlich war die Situation im September. Gerade einmal im Juli und August konnte eine zufriedenstellende Auslastung verzeichnet werden.

Dass das Abschiedsjahr „so daneben gegangen ist“, erfüllt auch Josef Berger mit Wehmut. „Das ist schade, das hätten wir uns anders vorgestellt. Wir wollten noch einmal alles geben und uns mit guten Eindrücken bei unseren vielen Stammgästen verabschieden.“

Einige Schulen und Gruppen haben das Haus jedes Jahr besucht, darunter etwa die Mittelschule aus dem burgenländischen Rudersdorf und die Mittelschule Walserfeld aus Salzburg. Die Pfarre Korneuburg veranstaltete sogar zwei Mal jährlich ein Firmlingslager in Neusiedl und auch aus der Partnerstadt Deggendorf kamen regelmäßig Fußballer und Florianis in die Jugendherberge. „Aus diesen Stammgruppen haben sich auch Freundschaften entwickelt. Einige Lehrer und Leiter haben wir schon wirklich gut gekannt“, weiß Josef Berger zu berichten.

Vom Hoteldirektor bis zur Reinigungskraft

Zu tun hatte das Ehepaar Berger im Hause immer. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Herberge immer wieder renoviert. „Seit 1992 ist sehr viel investiert und ständig umgebaut worden. Die Zimmer wurden neu eingerichtet, ein Wintergarten errichtet, die Eingangshalle umgebaut, der Speisesaal neu möbliert und die Terrasse neu gestaltet. Zwischendurch wurde die Küche komplett erneuert. Die ist heute noch modern und in gutem Zustand“, betont der Herbergsvater.

Auf das Anforderungsprofil für die Nachfolger angesprochen, antwortet Obmann Lentsch mit einem leichten Schmunzeln im Unterton: „Vom Hoteldirektor über Rezeptionist bis zur Reinigungskraft muss man alles sein.“ Und auch Josef Berger sagt: „Vielseitigkeit ist wichtig“. Mit seiner Frau Heidi bildete er sozusagen das kongeniale „Direktorenpaar“, das im Herbergsjargon eben als „Herbergseltern“ tituliert wurde. Josefs Hauptaufgabe war das Kochen. Aber auch Gartenarbeit oder kleine Elektriker- oder Installateursarbeiten fielen in seinen Bereich.

Als großen Vorteil des Jobs nennt Berger die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Dienstwohnung in der Herberge machte das für die Bergers möglich. Mit zwei Kindern haben sie jahrelang direkt in der Herberge gewohnt.

Diese Möglichkeit gibt es auch für die künftigen Nachfolger. Interessenten können sich unter der E-Mail-Adresse jugendherberge@bkf.at melden.

Das Österreichische Jugendherbergswerk (ÖJHW) wurde am 11. Juli 1950 gegründet. Es entstand als konservativ geprägte Gegenorganisation zum eher gewerkschaftlich dominierten Österreichischen Jugendherbergsverband. Anfangs besaß das ÖJHW noch keine eigenen Jugendherbergen, sondern arbeitete mit sogenannten Vertragsherbergen.

1962 entstand das erste eigene Haus in Neusiedl am See. Das Österreichische Jugendherbergswerk besitzt heute 23 Häuser und hat Vereinbarungen mit acht Vertragshäusern verteilt in ganz Österreich. Es ist Mitglied des Dachverbandes Hostelling International.

Das Österreichische Jugendherbergswerk ist eine Nonprofit-Organisation und steht für ein gemeinnütziges und preiswertes Übernachtungsangebot mit hoher Qualität für Gruppen, Schulen, Rucksacktouristen, Familien und Einzelreisende in Österreich. Ziel ist das Fördern eines qualitätsbewussten, sozialverantwortlichen und umweltverträglichen Tourismus. Darüber hinaus sollen die Jugendherbergen weit mehr als ein Ort für günstige Übernachtungen sein– „die Jugendherberge inspiriert seit mehr als 100 Jahren als ein Ort der Verständigung, des kulturellen Austauschs und der Wertschätzung gegenüber anderen und der Natur“, heißt es auf der Website der Organisation.

Quelle: Wikipedia , www.jungehotels.at