100 Prozent mehr Arbeitslose im Bezirk Neusiedl. Im Neusiedler Bezirk verzeichnete das Arbeitsmarktservice (AMS) im April einen Zuwachs von 100 Prozent.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 14. Mai 2020 (05:05)
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Der Arbeitsmarkt ist in ganz Österreich durch die Pandemie gehörig ins Schleudern gekommen. Im Bezirk Neusiedl am See meldete das Arbeitsmarktservice nun für April eine Verdoppelung der Arbeitslosenzahlen.

Petra Beidl, Geschäftsstellenleiterin des AMS Neusiedl: „So viele Anträge auf Kurzarbeit hatten wir noch nie.“
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„Die Corona-Krise führte auch im April zu einem neuen Negativ-Rekord am Neusiedler Arbeitsmarkt. Entgegen dem Trend aller bisheriger Jahre ist die Arbeitslosigkeit im April nicht gesunken, es war ein Rekordzuwachs von hundert Prozent zu verzeichnen“, zieht Petra Beidl, Geschäftsstellenleiterin des AMS Neusiedl am See, ein trauriges Resümee. Somit hat es im April 2426 Arbeitssuchende gegeben: Insgesamt waren mehr Frauen (1270) als Männer (1156) beim AMS vorgemerkt.

Von der Krisensituation am stärksten betroffen sind Jugendliche und ausländische Arbeitnehmer. Die gute Entwicklung bei der Jugendarbeitslosigkeit (15 bis unter 25 Jahre) der letzten Jahre wurde durch die Corona-Krise jäh unterbrochen. Junge Arbeitslose unter 25 Jahre waren vom Anstieg mit plus 168,2 Prozent stärker betroffen als Ältere, wo der Zuwachs plus 76,4 Prozent ausmacht. Unter Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft wuchs die Zahl der Arbeitslosen ebenfalls um 168 Prozent, ungleich stärker als bei Österreicherinnen und Österreichern (+87 Prozent).

Starker Einbruch auch am Stellenmarkt: Im Neusiedler Bezirk verzeichnet man im April ein Minus von 54,6 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr.

691 Anträge auf Kurzarbeit

Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist stark gesunken. Bis dato wurden durch Unternehmen 691 Anträge auf Kurzarbeit gestellt – betroffen sind 4900 DienstnehmerInnen. Bereits ausgezahlt wurden 375.000 Euro (Teilabrechnungen), reserviert sind über 30 Millionen Euro für den Bezirk Neusiedl. Stark betroffen sind Tourismus, Gastronomie, Bau und Handel.

Das Kurzarbeitsmodell kam in der Vergangenheit im Neusiedler Bezirk so gut wie nie zum Tragen. „In meinen vielen Dienstjahren beim AMS Neusiedl kann ich mich an einen einzigen Antrag erinnern“, macht es Petra Beidl deutlich. Existenzängste würden so gut wie alle Branchen treffen.

Neue Anträge auf Kurzarbeit kommen nun aber nur mehr vereinzelt, ab Mitte Mai rechnet man mit Verlängerungsanträgen. Diese sollen künftig über ein neues Webtool über das eAMS-Konto elektronisch eingereicht werden können. „Das AMS arbeitet auf Hochtouren daran. Bis dahin bitten wir um etwas Geduld“, so Beidl.

Zwischenzeitlich gab es Kritik an der langen Bearbeitungsdauer. „Wir haben in den letzten Wochen auf Hochtouren gearbeitet, um sowohl die vielen Arbeitslosenanträge als auch die Flut der Kurzarbeitsbegehren zu meistern. In allen Bereichen kam es zu einem gewaltigen Anstieg, allein gleichgeblieben ist die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, bittet Beidl um Verständnis und bedankt sich gleichzeitig bei dem großen Einsatz ihres Teams.