„Big John“ wurde geehrt

Dem Andauer Winzer Johann Scheiblhofer wurde neben drei weiteren burgenländischen Winzern die höchste Auszeichnung des Burgenlandes, das Komturkreuz, verliehen.

Erstellt am 16. Juli 2021 | 06:15

ANDAU Johann Scheiblhofer aus Andau wurde zusammen mit drei weiteren burgenländischen Winzern im Zuge des hundertjährigen Jubiläums des Burgenlandes mit dem Komturkreuz, der höchsten Auszeichnung des Burgenlandes, bedacht. Alle vier waren prägend für die Entwicklung der Rotweinkultur im Burgenland. Der große Beitrag zum burgenländischen Weinbau war im Fall von Johann Scheiblhofer der Rotweincuvée „Big John“. Anton Kollwentz war gegen Widerstand der Behörden erstmals für die Auspflanzung der Sorte Cabernet Sauvignon verantwortlich und ist bekannt für seinen „Steinzeiler“, einen der besten Rotweine Österreichs. Engelbert Gesellmann ist nicht nur für seinen mächtigen Blaufränkisch bekannt. Auch er hat früh experimentiert und sich mit seinem Rotweincuvée „Opus Eximium“ einen Namen gemacht. Hermann Krutzler aus dem Südburgenland ging einen ähnlichen Weg, indem er früh mit Barriqueausbau und der Sorte Cabernet Sauvignon experimentierte. Er ist bekannt für seinen Rotweincuvée „Perwolff“.

BVZ: Zuallererst, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen, um mit uns zu sprechen und herzliche Gratulation zum Komturkreuz des Landes Burgenland.

Johann Scheiblhofer: Danke, ich habe ihn gerne angenommen. Dieser Orden ist zwar nicht mein erster, aber mit Sicherheit der wertvollste, den ich je bekommen habe.

BVZ: Sind Sie zufrieden mit dem Betrieb, den Sie hier geschaffen haben? Ihr Sohn Erich führt ihn ja ambitioniert weiter und baut ständig aus.

Scheiblhofer: Ja, das geht aber natürlich über die ganze Familie, an einer Person kann man das nicht festmachen. Zum Glück funktioniert das sehr gut, auch wenn die beiden Brüder nicht immer einfach sind (lacht). Aber die sind nicht wie Brüder, sondern wie Freunde. Das macht es aus.

BVZ: Haben Sie auch heute noch eine aktive Funktion im Betrieb inne?

Scheiblhofer: Es gibt gewisse Kunden, die ich gerne noch persönlich beliefere (lacht).

BVZ: Haben Sie eine persönliche Präferenz, rot oder weiß?

Scheiblhofer: Ich müsste sagen, ich liebe den Weißen wie den Roten.

BVZ: Der „Big John“ war ursprünglich ein Rotwein, heute gibt es ihn auch in der weißen Ausführung. Haben Sie sich mit ihm als Namensgeber selbst ein Denkmal gesetzt?

Scheiblhofer: Das kann man so sagen. Man sollte aber auch erwähnen, dass nicht ich es war, der ihn kreiert und erfunden hat, aber der Name kommt von mir.

BVZ: Rührt die Großtrappe auf dem Etikett schon aus der Zeit, in der Sie den Betrieb geführt haben?

Scheiblhofer: Nein, das kam ein wenig später. Ein begnadeter Maler hat uns ein Etikett entworfen und uns gefragt, ob wir nicht den Mut hätten, den Storch, den ohnehin jeder verwendete, wegzulassen und stattdessen vielleicht die Großtrappe auf das Etikett zu geben. Und das war dann genau passend. Ich beschreibe sie immer als ein enorm sensibles Tier. Ich sage immer, dort wo die noch zu Hause ist, ist die Natur und die Umwelt noch in Ordnung, sonst wäre sie nicht da. In weiterer Folge hat sogar die Gemeinde Andau im Wappen umgestellt.

BVZ: Können Sie vielleicht noch etwas zur Entstehung des „Big John“ erzählen?

Scheiblhofer: Aber sicher. Damals hatten sich meine Winzerkollegen schon Jahre und Jahrzehnte vor uns auf den Rotweinsektor spezialisiert. Die hatten damals barrique-ausgebaute Weine, und wie es gerade die Mode war, hatten sie auch Rotwein-Cuvées. Wir haben dann auch einen gemacht, aber nicht mit Blaufränkisch in der harten französischen Eiche. Wir haben als Hauptsorte Zweigelt genommen, dazu den Pinot-Noir, eine meiner Lieblingssorten, um den weichen Zweigelt noch weicher zu machen, und dann mit Cabernet Sauvignon ein wenig Finesse dazugegeben. Als wir die Kunden den fertigen Wein verkosten ließen, war die Rückmeldung immer die gleiche: „Ui, so ein guter Wein. Aber so blöder Name! Wie kann man im Burgenland einen Wein Big John nennen? Der müsste eigentlich ‚Starker Hansl‘ oder so ähnlich heißen, nicht?“ Dennoch sind wir mit unserer Schiene gut gefahren, der Erfolg über die Zeit spricht für sich.