„Matineé der Menschlichkeit“ in Andau

Dort, wo 1956 tausende Menschen aus Ungarn nach Österreich flüchteten, wurde nun zum Mut zur Menschlichkeit aufgerufen.

Erstellt am 04. November 2021 | 04:19

Die Initiative „Courage - Mut zur Menschlichkeit“ lud am vergangenen Sonntag unter Ehrenschutz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen zu einer „Matineé der Menschlichkeit“ in die „Hall of Legends“ des Weinguts Scheiblhofer in Andau. Die Wahl des Ortes für diese Veranstaltung erfolgte nicht ganz zufällig - in der Grenzgemeinde Andau weiß man aus erster Hand um die Nöte geflüchteter Personen. Auf dem Tagesplan stand zunächst eine Podiumsdiskussion zum Thema „2015 darf sich nicht wiederholen“ unter der Leitung von Bernhard Fellinger, seines Zeichens Moderator beim Radiosender Ö1.

Unter den Teilnehmenden fanden sich Manuela Ertl von der Organisation Train of Hope, Judith Kohlenberger, Migrationsforscherin an der WU Wien aus Wallern, der ehemalige Flüchtlingskoordinator Christian Konrad, Dominik Orieschnig als Vertreter der Diözese Burgenland und schließlich der Vorstand des AMS Österreich, Johannes Kopf, um die Sachlage sechs Jahre später auch aus praktischer Sicht am Arbeitsmarkt beurteilen zu können. Darauf folgte die Verleihung des „Prix Courage“ an mehrere Menschen, die in den vergangenen Jahren Mut zur Menschlichkeit bewiesen hatten. Die Auszeichnung für die „Gemeinde mit Herz“ ging an Gerhard Zapfl, den Bürgermeister der Grenzgemeinde Nickelsdorf, wo man die schwierige Situation 2015, so gut es ging, mit vereinten Kräften stemmte. Ingrid Tschank, die evangelische Pfarrerin der Gemeinde Gols, wurde in der Kategorie „Nächstenliebe“ für ihr rasches Handeln bei der Unterbringung Geflüchteter in Gotteshäusern ausgezeichnet.

Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierte die Migrationsforscherin Judith Kohlenberger noch einen „6-Punkte-Plan“ für die geordnete Rettung besonders vulnerabler Personen aus den Lagern in Griechenland. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Experten sowie unter Einbeziehung von Stakeholdern entwickelt. Alles, was laut Kohlenberger jetzt noch fehlen würde, wäre Mut zur Umsetzung seitens der Bundesregierung.