Norden im Plus, Süden stagniert

Neusiedl am See, Parndorf und Kittsee „boomen“, die Gemeinden des Bezirkssüdens haben mit Abgängen zu kämpfen.

Erstellt am 23. Mai 2018 | 09:36
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Demographie Bevölkerung Symbolbild
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Die Statistik Austria hat in der Vorwoche die aktuellen Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung veröffentlicht. Dabei bestätigt sich abermals der Trend, dass vor allem das Nordburgenland wächst, während der mittlere und südliche Teil des Bundeslandes mit Bevölkerungsrückgängen zu kämpfen hat.

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Foto: Statistik Austria; Valua Vitaly/shutterstock.com; Grafik: Bischof

Laut Erhebung werden im Burgenland derzeit 292.675 Einwohner gezählt, der 15-Jahresvergleich (2003: 276.542) verdeutlicht: Tendenz steigend.

Im Bezirksranking darf sich der Bezirk Neusiedl am See mit 58.981 Bewohnern (2003: 51.649) erneut zu den Gewinnern zählen, mit einem Plus von 7.332 Personen hat man im Norden auch hier wieder klar die Nase vorne. Auch im österreichweiten Vergleich sticht man mit dem Zuwachs über der „Ein-Prozent-Marke“ im vergangenen Jahr 2017 (+1,02 Prozent) aus der Riege der ansonsten westlich dominierten Zuwachs-Bezirke hervor. Im Neusiedler Bezirk selbst hat sich in den vergangenen Jahren wenig Veränderung bemerkbar gemacht. Nach wie vor dürfen sich die Stadtgemeinde Neusiedl am See, Parndorf sowie die Grenzgemeinde Kittsee über kontinuierlich wachsende Bevölkerungszahlen freuen.

In Neusiedl am See hat man mit dem rasanten Wachstum durchaus zu kämpfen. Die finanziell angeschlagene Stadtgemeinde tut sich schwer, die nötigen Infrastrukturmaßnahmen umzusetzen. Der Bau eines vierten Kindergartens ist dringend notwendig und schon lange gefordert. Um das Projekt realisieren zu können, seien demnächst Gespräche mit einer Wohnbaugenossenschaft geplant, wie Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) mitteilte.

Wachsender Zuzug aus den Nachbarländern

In Kittsee führt man den Zuwachs auf die Nähe zu Bratislava zurück, was sich in der Ansiedlung vieler Slowaken bemerkbar macht. „In den letzten fünfzehn Jahren kamen vor allem slowakische Bürger, meistens aus Pressburg stammend, nach Kittsee.

Gründe dafür waren zum Beispiel die, zum Teil günstigeren Grundstückpreise, die Infrastruktur und Schulen in unserer Gemeinde, die Vorzüge vom Landleben für Kinder und trotz alledem die außergewöhnlich gute Verkehrsanbindung. Infolge der massiven Schaffung von Genossenschaftswohnungen im Jahr 2011 wurde ein besonders intensiver Zuzug in dem besagten und darauffolgenden Jahr verzeichnet“, erklärt sich Bürgermeister Johannes Hornek die Situation vor Ort.

Eine der großen „Boom“-Gemeinden des Neusiedler Bezirks bleibt weiterhin Parndorf. In den letzten 15 Jahren ist die Bevölkerung des Dorfes um 1.304 Personen gewachsen. Statistisch gesehen gibt es pro Jahr 87 neue Parndorfer.

David Gilschwert
Neujahrsbaby. Als erstes Baby im Burgenland im Jahr 2018 erblickte David zur Freude von Mama Sonja und Papa Hannes Gilschwert das Licht der Welt. 
Foto: Grabner

Eine Entwicklung, die Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) durchaus kritisch sieht: „Alle Prognosen gehen von 6.000 bis 6.500 Einwohnern aus, dort wird aber Schluss sein. Wir haben im Gemeinderat schon den Schritt gesetzt, dass wir keine neuen Wohngebiete mehr aufschließen werden. Das Wachstum wird trotzdem noch für zehn, fünfzehn Jahre weitergehen, weil viele Wohngebiete schon vor 35 Jahren gewidmet wurden. Darauf sind wir halbwegs eingestellt. Das ist wie bei einem Schiff: Das bleibt auch nicht sofort stehen, wenn man auf Stopp drückt, sondern es gleitet noch ein Stück weiter.“

Bestreben nach Zuwachs ohne sichtbarem Erfolg

Ein gänzlich anderes Bild zeichnet sich in den weiter südlich gelegenen Gemeinden des Bezirkes ab. Seit Jahren versucht man dort mit Maßnahmen, vor allem im Bereich des Wohnbaus, der Abwanderung der jungen Generation entgegenzutreten. In den Gemeinden Andau, Tadten, Wallern und Pamhagen zeichnet sich zunehmend eine negative Bevölkerungsentwicklung aus. 2.285 Menschen leben derzeit in der Grenzgemeinde Andau, 189 weniger als vor rund 15 Jahren. „Im vergangenen Jahr hatten wir mit 46 Sterbefällen einen ungewöhnlich hohen Abgang im Dorf“, begründet Ortschef Andreas Peck das Ergebnis der Erhebung.

Mit einem Verlust von 242 Personen hat man in der Marktgemeinde Wallern im Burgenland zu kämpfen. Die negative Bilanz schiebt man dort ebenfalls der steigenden Sterbefälle und der im Gegenzug dazu sinkenden Neugeborenenrate zu. Die Wohnraumschaffung für junge Generationen will aber auch hier nicht so recht fruchten.

„In den neu geschaffenen Wohnblöcken EBSG sind derzeit drei Einheiten frei. Wir setzen alles daran, unseren Bürgern genügend Wohnraum zu schaffen, bei entsprechender Nachfrage werden wir auch handeln. Gegen einen zusätzlichen Wohntrakt wäre vonseiten der Gemeinde nichts einzuwenden“, berichtet Wallerns Bürgermeister Helmut Huber.