Kinder vor Polizei versteckt

Vater (36) brachte Töchter nicht mehr zur Mutter. Wegen Kindesentziehung vor Gericht. Polizei musste mehrfach einschreiten.

Erstellt am 16. September 2021 | 06:06
schrank kind symbolbild
Symbolbild
Foto: Goami, shutterstock.com

„Die Kinder sagten, dass sie nicht zur Mutter zurückwollen“, verteidigte sich der 36-jährige Angeklagte vorige Woche am Landesgericht Eisenstadt.

Er steht wegen des Vorwurfs der Kindesentziehung vor Gericht, weil er von 19. März bis 23. April 2021 seine Töchter im Alter von 6 und 8 Jahren nicht zur Mutter zurückgebracht hatte.

Anzeige

„Die Kinder wehrten sich, weil sie fürchteten, dass die Mutter ihnen Gewalt zufügt“, sagte der Angeklagte.

Am 19. März habe er versucht, die ältere Tochter in die Schule zu bringen. Die Mädchen hätten vor der Schule geweint. „20 Minuten stand ich vor der Schule und versuchte, sie zu beruhigen“, berichtete der Vater.

Zufällig sei ein Notfallpsychologe vorbeigekommen, der habe ihm geraten, die Kinder zu sich nach Hause zu bringen.

Daraufhin fuhr er mit den Kindern in die Wohnung seiner Lebensgefährtin im Bezirk Neusiedl.

Die 34-jährige Mutter hatte in der Zwischenzeit erfahren, dass die Töchter nicht wie geplant in die Schule und in den Kindergarten gebracht worden waren.

Sie forderte den Vater ihrer Kinder, mit dem sie bis 2016 eine Beziehung gehabt hatte, auf, die Mädchen zu ihr zu bringen.

Als das nicht erfolgte, fuhr sie zur Wohnung, wo sich ihre Töchter aufhielten.

„Kinder sind sofort unters Bett“

„Die Kinder sind sofort unters Bett und haben sich versteckt“, berichtete der Vater.

Sie habe, so die Mutter, die Wohnung nicht betreten dürfen und sei – auf Anraten des Jugendamtes – mit der Polizei wiedergekommen.

Auch einer Polizistin gelang es nicht, die Kinder dazu zu bewegen, unter dem Bett hervorzukommen.

Die Mädchen blieben beim Vater. „Sie waren nervlich fertig. Da kommt die Polizei und will sie mitnehmen! Das sind kleine Kinder! Sie schrien um Hilfe!“, sagte der Vater.

Am nächsten Montag habe er neuerlich vergeblich versucht, die Mädchen in die Schule und den Kindergarten zu bringen. Die Mädchen seien hysterisch gewesen.

Er habe die Mutter verständigt. Kurze Zeit später sei sie wieder mit der Polizei zur Wohnung seiner Lebensgefährtin gekommen. „Eine Polizistin stürmte ins Zimmer, riss Tisch und Kinderbett weg“, beschrieb der Vater die Situation. „Die Kinder hatten Angst, die lagen unterm Bett.“ Später habe sich die Polizistin entschuldigt.

„Warum wollten die Kinder nicht zu Ihnen?“, fragte Richterin Birgit Falb die Mutter.

„Ich weiß es nicht“, antwortete diese.

In Abstimmung mit den Behörden wurde versucht, die Mädchen zur Mutter zurückzuführen. Zweimal gab es begleitete Kontakte. „Sie waren verstört, versteckten sich hinter dem Vater“, berichtete die Mutter.

„Seit fünf Jahren gibt es Streit um die Obsorge“

„Seit fünf Jahren gibt es Streit um die Obsorge“, sagte sie. Der Vater der Mädchen habe 2016 angekündigt, er werde ihr das Leben zur Hölle machen.

Die Mutter habe einem der Mädchen mit „der Faust auf die Schulter geschlagen“ und dieses gestoßen, gab der Angeklagte bei der Gerichtsverhandlung an.

Sie sei „schockiert“ gewesen, als sie davon hörte, sagte die Mutter: „Das stimmt nicht.“ Sie habe die Kinder nie geschlagen.

Auch der Vorwurf eines möglichen sexuellen Missbrauchs durch den Partner der 34-Jährigen wurde geäußert, ein diesbezügliches Strafverfahren ist eingestellt worden.

Am 19. April kam es in der Wohnung des Angeklagten im Bezirk Bruck/Leitha zu einem Versuch der Kindesabnahme. Die Mädchen versteckten sich hinter einem Kasten, die Kindesabnahme scheiterte.

Am 23. April kamen die Polizisten mit einem Tischler. Dieser baute einen Teil des Kastens ab. Die Kinder wurden herausgeholt und verbrachten anschließend drei Wochen in einer Kinderbetreuungseinrichtung. Jetzt sind sie wieder bei der Mutter.

„Sind Sie der Meinung, dass Sie etwas falsch gemacht haben?“, fragte die Richterin den Angeklagten. „Wüsste ich jetzt nicht“, antwortete dieser.

Der Prozess wurde auf November vertagt.