36-Jähriger vor Gericht: „I bin ka Tierquäler“. 36-Jähriger aus dem Bezirk Neusiedl soll Rehe, einen Hasen, Stockenten und einen Stiglitz erschossen haben.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 06. Februar 2021 (03:26)
shuterstock.com/ Evlakhov Valeriy

In der Schonzeit soll ein 36-jähriger Mann aus dem Bezirk Neusiedl Wildtiere mit einem Jagdgewehr geschossen haben, das er von seinem verstorbenen Vater geerbt hatte. Er wurde wegen Eingriffs in fremdes Jagdrecht angeklagt.

Vor Gericht bekannte sich der Angeklagte nicht schuldig: Drei Geschwister, zwei Männer und eine Frau, die ihn mit ihren Aussagen belasten, hätten sich gegen ihn „verbündet“. Ein Mann aus diesem Geschwistertrio hätte mit dem 36-Jährigen die Anklagebank teilen sollen. Wegen Krankheit kam er jedoch nicht zur Verhandlung. Ebenso blieb seine Schwester, die als Zeugin geladen war, dem Prozess fern. Der Zweitangeklagte soll im Frühjahr 2020 zwei Steinkauzweibchen und einen jungen Steinkauz aus Nistkästen entnommen und in einem selbst gebastelten Käfig im Keller seiner Schwester gehalten haben.

Die Steinkäutze habe er bei dem Mitangeklagten „zu 100%“ gesehen, sagte der vor Gericht anwesende Angeklagte aus. Es sei aber nicht wahr, dass er selbst Fotos von einem erschossenen Hasen oder einem toten Stiglitz verschickt habe. „I bin ka Tierquäler!“, empörte sich der 36-Jährige vor Gericht. Er habe niemals Tiere abgeschossen, einen Stiglitz kenne er gar nicht. Und außerdem habe er „immer ein Haustier“ gehabt.

Den Hasen habe er mit dem Auto zusammengeführt, so der Angeklagte, und dann per Whatsapp ein Foto verschickt. Unter dem Posting habe jemand „illegaler Jäger“ geschrieben, berichtete Richterin Karin Lückl. Das habe sein ehemals bester Freund, der nicht anwesende Zweitangeklagte, geschrieben, so der 36-Jährige. Ein Jagdleiter, der als Zeuge befragt wurde, berichtete über „einige tote Rehe im Revier“, die 2019 gefunden worden waren. „Die waren bereits verwest“, sagte der Jagdleiter. Man habe nicht mehr feststellen können, ob die Todesursache ein Schuss, ein Verkehrsunfall oder eine Verletzung durch einen Mähdrescher war.

Ein anderer Jäger berichtete von einem in der Schonzeit erlegten Rehbock, der eindeutig mit einer Büchse geschossen worden sei. Eine solche hatte sich auch unter den Waffen befunden, die bei dem 36-Jährigen sichergestellt worden waren. Er wurde wegen der mutmaßlichen Eingriffe in fremdes Jagdrecht vorerst nicht schuldig gesprochen. Ein Urteil gab es jedoch zu einem weiteren Vorwurf: Der 36-Jährige hatte im Zusammenhang mit einem Drogenverfahren gelogen, um seine Freunde zu schützen. Wegen falscher Beweisaussage wurde er nun zu 15 Monaten Freiheitsstrafe bedingt verurteilt. Ob der Mann wegen der getöteten Tiere nochmals vor Gericht muss, wird nun die Staatsanwaltschaft entscheiden.