Ernte 2018: Weinbauern zittern um Traubenpreis. Die optimalen Wetterbedingungen der vergangenen Monate bescheren den Winzern einen möglichen Traubenüberschuss.

Von Birgit Böhm-Ritter, Bettina Deutsch und Saskia Jahn. Erstellt am 01. August 2018 (09:29)
Symbolfoto/Deutsch
Süße Früchte. Die ersten Trauben sind reif.

Die Winzer des Bezirks stehen bereits in den Startlöchern für die Lese des 2018er-Jahrganges. Aufgrund der guten Witterung ist eine frühe Ernte zu erwarten. Die Lese der Trauben für die Sturmproduktion hat teilweise bereits begonnen. Die Lese der frühen Sorten wird mit Anfang August einsetzen, die Hauptlese um den 23. August folgen.

„Das Wetter sollte nun mehr oder weniger trocken bleiben, da es genug Feuchtigkeit über das Jahr hindurch gegeben hat. Die Trauben schauen qualitativ und mengenmäßig gut aus“, erklärt Werner Falb-Meixner, Vize-Präsident der Landwirtschaftskammer. Der Jubel über eine mengenmäßig gute Ernte könnte aber durch einen geringen Traubenpreis getrübt werden.

„Wie immer bei einem guten Angebot sind die zu erwartenden Preise im Keller, man munkelt, dass gar nicht alle Trauben verkauft werden können“, gibt Falb-Meixner gegenüber der BVZ zu bedenken. In die gleiche Kerbe schlägt Kammerrätin Christine Riepl. Sie vermutet, dass der Traubenpreis weit unter den 80 Cent pro Kilogramm des Vorjahres liegen könnte.

Spritzwein aus dem Ausland

Die Golser Winzerin befürchtet, dass die Traubenproduzenten heuer nicht kostendeckend arbeiten können. „Deshalb wäre es unser Wunsch gewesen, dass in der Novelle der Weinmarktordnung festgehalten wird, dass für den Spritzer nur österreichischer Wein verwendet werden darf. Das ist leider nicht gelungen.“

Auf die Frage, warum dies gesetzlich festgehalten werden müsse, antwortet Riepl: „In der Gastronomie des Bezirks kann man davon ausgehen, dass regionaler Wein für den Spritzer verwendet wird, beim Nova Rock wurden aber eine große Menge Spritzer mit mazedonischem Wein ausgeschenkt. Und in Wien kann das durchaus auch passieren.“ Riepl appelliert nun an die Konsumenten, bewusst österreichischen Spritzer zu bestellen.

Bei den selbst kelternden Winzern stellt sich die Situation anders dar, als bei den Traubenproduzenten. Sie dürfen auf einen hochqualitativen Jahrgang 2018 hoffen, der vom Konsumenten auch gut bezahlt wird.

Doris Hoffmann: „2018 ist ein gutes Weinjahr“

Doris Hoffmann, Winzerin aus Leidenschaft, ist sich sicher: „2018 ist ein gutes Weinjahr.“ Das Weingut Hoffmann in Mönchhof beginnt voraussichtlich am 20. August mit der Hauptlese. „Die Qualität der Trauben ist gut aber wir müssen mit Ertragseinbußen aufgrund des reichlichen Niederschlages rechnen“, so Hoffmann.

Die Trauben sind sehr groß und enthalten viel Wasser, dadurch drücken sie sich selbst zusammen und platzen schließlich. „Die Sorte St. Laurent ist da so ein Sorgenkind“, berichtet die Winzerin.

In Tadten warten die Winzer, obwohl die Natur aufgrund des bislang optimalen Wetters rund zehn Tage voraus scheint, mit dem Start der Lese noch bis in den August. „Die kühlen Nächte der vergangenen Tage haben den Trauben keinen Schaden zugefügt. Ausgezeichnete Qualität braucht Zeit, und die nehmen wir uns“, sagt Winzer Richard Goldenits.