Schwierige Suche nach Ärzten. Offene Kassenstellen im Bezirk können kaum besetzt werden. Einer der Gründe könnte die schlechtere Bezahlung im Burgenland sein.

Von Birgit Böhm-Ritter und Paul Haider. Erstellt am 27. August 2020 (05:33)
Allgemeinmediziner werden in Gattendorf und Frauenkirchen gesucht, dazu gibt es eine offene Kassenstelle für eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt in Frauenkirchen sowie eine offene Kassenstelle für eine Dermatologin oder einen Dermatologen in Neusiedl am See.
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Es dauert nur noch wenige Wochen, dann wird der Frauenkirchener Gemeindearzt Dr. Peter Forster seinen wohlverdienten Ruhestand antreten. Nach über drei Jahrzehnten schließt die Praxis des Allgemeinmediziners ihre Pforten. Die angestrebte nahtlose Übergabe an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger klappt nicht. Zum zweiten Mal wurde die Kassenstelle ausgeschrieben. Beworben hat sich bis dato laut Ärztekammer niemand.

Stelle zum neunten Mal ausgeschrieben

Überraschung ist das keine. Gab es vor mehreren Jahren noch einen „Run“ auf offene Kassenstellen in den Gemeinden, so bleiben diese nun immer länger vakant. „Generell sind Stellen schon seit einiger Zeit schwieriger zu besetzen und müssen mehrfach ausgeschrieben werden. Durch die Corona-Pandemie wurde die Unsicherheit noch weiter verstärkt, die Lage wird sich nicht bessern“, befürchtet Thomas Bauer, Direktor der Ärztekammer.

Die Kassenstelle in Gattendorf etwa ist nun bereits zum neunten (!) Mal ausgeschrieben worden. Ein einziger Bewerber hat sich für diese Stelle interessiert, er hat seine Bewerbung aber schließlich zum Jahreswechsel wieder zurückgezogen. Seitdem ist es ruhig geblieben.

Suche nach zweiten Kinderarzt für Bezirk

Schauplatzwechsel zurück nach Frauenkirchen. Dort wird nicht nur eine Allgemeinmedizinerin oder ein Allgemeinmediziner gesucht, sondern auch ein Kinderarzt. Um die Ausschreibung dieser Stelle durch die Ärztekammer und die Gebietskrankenkasse wurde mit einer Petition und politischer Unterstützung durch den damaligen Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) gekämpft. Seit der ersten Ausschreibung im Jänner 2019 hat sich erst ein einziger Facharzt gemeldet, angetreten hat er die Stelle dann aber doch nicht.

„Bei den Kinderärzten besteht im Prinzip dieselbe Problematik wie bei den Allgemeinmedizinern. Obwohl wir erst im Vorjahr mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) ein Förderprogramm speziell für Kinderärzte etabliert haben, gibt es offenbar wenig Interesse an einer Planstelle im Burgenland“, bemerkt Bauer. Das Problem liege darin, dass sich die Jungärzte mittlerweile österreichweit unbesetzte Planstellen aussuchen könnten und das Burgenland mit den im Vergleich niedrigeren Honoraren hier doch einen immensen Wettbewerbsnachteil habe.

17 von 26 Hausärzten über 55 Jahre alt

„Damit die Versorgung aufrecht gehalten werden kann, muss die ÖGK, die ja jetzt bundesweit organisiert ist, auch im Burgenland Honorare wie in den anderen Bundesländern zahlen. Diese Ungleichbehandlung muss sofort beendet werden“, sagt Bauer mit Nachdruck.

Die Lage könnte sich in den nächsten Jahren noch weiter zuspitzen. Derzeit sind 26 Allgemeinmediziner im Neusiedler Bezirk tätig, sieben sind älter als 60 Jahre, weitere zehn sind zwischen 55 und 60 Jahre alt. Nimmt man ein Pensionsalter von 65 Jahren an, dann werden in den nächsten zehn Jahren 65 Prozent der praktischen Ärztinnen und Ärzte des Bezirks ihre Kassenverträge zurücklegen.

Um einen eklatanten Medizinermangel zu verhindern, hat das Land Burgenland ein Maßnahmenpaket geschnürt. So gibt es etwa seit 2018 Ordinationsförderungen bis zu 60.000 Euro bei einer Übernahme oder Gründung einer Ordination. Elf Ordinationsförderungen wurden seit Beginn der Initiative im Burgenland vergeben, eine ging nach Parndorf.

Darüber hinaus organisiert die FH Burgenland Vorbereitungskurse für den Aufnahmetest zum Medizinstudium, Stipendien für Medizinstudierende, Turnusärztinnen und -ärzte in der Höhe von 300 Euro monatlich werden vergeben und jährlich werden sechs Stipendien für ein Medizinstudium an der Danube Private University verliehen, mit der Verpflichtung, nach dem Studium mindestens für fünf Jahre im Burgenland zu praktizieren.

Wird das genug sein? Ärztekammer-Direktor Thomas Bauer zeigt sich skeptisch: „Alle Fördermaßnahmen sind grundsätzlich zu begrüßen. Angesichts der Alterspyramide der Ärzte und des Nachbesetzungsbedarfes beziehungsweise des Bedarfes für zusätzliche Angebote werden die sechs Stipendien pro Jahr nicht reichen.“

Hoffnungsschimmer in Gattendorf

In Gattendorf gibt es einstweilen wieder einen kleinen Hoffnungsschimmer. Längst hat die Gemeinde selbst die Initiative ergriffen. Zuletzt wurde eine Annonce in der Ärztekammerzeitung für die Übernahme der Praxis von Dr. Klaus Derks geschaltet. Darauf hat sich laut Bürgermeister Franz Vihanek (ÖVP) auch schon ein Interessent gemeldet. Allzu große Hoffnungen, dass die Kassenarztstelle für Gattendorf und Potzneusiedl nach weit über einem Jahr der Suche nun endlich besetzt werden kann, will sich der Ortschef aber noch nicht machen - zu oft haben potenzielle neue Dorfärzte doch wieder einen Rückzieher gemacht.

In der Zwischenzeit „pendeln“ die meisten Patienten aus Gattendorf nun in die Ordination von Dr. Achleitner nach Zurndorf. Die Gemeindeverwaltung bemüht sich in der Zwischenzeit um Hilfestellungen für weniger mobile Mitbürger: „Wir haben den Corona-Fahrtendienst zwar eingestellt, aber wir versuchen natürlich trotzdem, die Leute zu unterstützen. Wer Hilfe braucht, kann sich jederzeit bei der Gemeinde melden“, betont Ortschef Vihanek.