Coronavirus: „Ruhe bewahren“

Die neue Krankheit ist das Gesprächsthema Nummer eins im Bezirk Neusiedl. Hamsterkäufe und ausverkaufte Mundschutzmasken zeugen davon, dass sich die Menschen Sorgen machen.

Erstellt am 04. März 2020 | 05:32
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Koordinationsstab Coronavirus. In Eisenstadt stehen Behörden und Institutionen im ständigen Austausch.
Foto: Landesmedienservice/ Nina Sorger

Die Lage im Burgenland war bei Redaktionsschluss auch angesichts der jüngsten Coronavirus-Fälle in anderen Bundesländern soweit ruhig. Derzeit konnte kein direkter Bezug der Patienten zum Burgenland festgestellt werden.

„Sollte es Kontakte gegeben haben, würden wir umgehend von den Kollegen aus den anderen Bundesländern verständigt“, erklärte Nicole Schlaffer, die seitens des Landes am Wochenende den Einsatz des Koordinationsstabes leitet. Täglich ist man auch in Kontakt mit dem Bund und den einzelnen Institutionen.

Gegenüber der BVZ bestätigte Schlaffer, dass im Burgenland zwei Personen in häuslicher Quarantäne untergebracht seien, das sei allerdings als reine Vorsichtsmaßnahme zu werten. Als Mitarbeiter im Krankenhaus Rudolfsstiftung hatten sie Kontakt zum 72-jährigen Corona-Patienten, weshalb sie vorsorglich unter Quarantäne gestellt wurden. Beide wurden bereits negativ auf das Coronavirus getestet, ein weiterer Test folgt, wobei man ebenfalls von einem negativen Ergebnis ausgeht.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil erklärte: „Es gibt auch prinzipiell keinen Grund zur Panik. Dennoch ist es wichtig, bestmögliche Vorbereitungen zu treffen und wachsam zu sein. Im Burgenland sind wir gewappnet.“ Seitens des Landes ist Sonja Windisch als Gruppenvorständin der Gesundheitsabteilung für die Koordination zuständig.

Doskozil: „Im Land sind wir gewappnet“

Der „Koordinationsstab Coronavirus“ kommt regelmäßig in der Landessicherheitszentrale in Eisenstadt zusammen. In das Team, das aus Mitarbeitern der Sicherheitszentrale, der Landesamtsdirektion, der Gesundheitsabteilung sowie der Abteilung 2 (Sicherheit, Gemeinden) besteht, werden in erweiterter Runde auch Vertreter der Bezirkshauptmannschaften und Magistrate sowie von Polizei, Bundesheer, Rotem Kreuz und Arbeitersamariterbund eingebunden. An einer Stabsbesprechung nahmen am Montag auch die Bezirksbehörden teil.

Laut Auskunft des Landes ist der Stab rund um die Uhr bereit und steht in ständigem Austausch mit den Krankenanstalten im Burgenland, mit den Rettungsorganisationen sowie mit den Bezirkshauptmannschaften und den Behörden im Bund. Hier werden auch der Informationsaustausch sowie alle laufenden und erforderlichen Maßnahmen koordiniert.

Trotz der ruhigen Lage ist das neue Virus im Bezirk Gesprächsthema Nummer eins. Die Ängste und Sorgen der Menschen sind spürbar. Etwa in den Supermärkten, wo haltbare Lebensmittel verstärkt gekauft werden oder in der Apotheke.

Neusiedls Apotheker Simon Job berichtete im BVZ-Gespräch, dass Mundschutzmasken seit Tagen ausverkauft sind: „So wie in ganz Österreich.“ Er verweist aber darauf, dass Mundschutzmasken eigentlich nur sinnvoll für infizierte Personen sind, um niemanden anzustecken. Für alle anderen Menschen sei es besser, besonderen Wert auf Hygiene zu legen und die Hände regelmäßig zu desinfizieren. „Es gilt aber vor allem, ruhig zu bleiben“, sagt er. In der Apotheke sehe er schon viele Menschen, die in Panik seien.

Stadtpfarrer verzichtet auf Mundkommunion

Auch Stadtpfarrer Michael Wüger riet in der Sonntagsmesse dazu, Ruhe zu bewahren: Sorgsam, klug und wachsam solle man mit dem Coronavirus umgehen und ohne Angst zu schüren. Den Empfehlungen der Diözese Eisenstadt folgte er und verzichtete auf die Mundkommunion, auch die Weihwasserbecken wurden in der Neusiedler Kirche geleert. Weiters solle der Friedensgruß nicht per Handdruck, sondern mit einem Kopfnicken erfolgen, so die Empfehlung.

Besondere Panik verspürt der Weidener Gemeindearzt Dr. Herbert Cerny bei seinen Patienten wiederum nicht. Besorgt seien nur jene, die vorhaben, eine Reise zu machen. Allerdings seien auch für die Ärzte außergewöhnliche Vorkehrungen zu treffen: Cerny hatte bereits einen Fall, bei dem er durch ein Telefongespräch abklären musste, ob die Person mit einem Corona-Patienten in Kontakt gewesen sein könnte, bevor er sie in seine Ordination bitten konnte.

„Wer glaubt, sich mit dem Corona-Virus infiziert zu haben, soll auf keinen Fall in eine Arztpraxis kommen, sondern anrufen“, betont Cerny. Das steht auch auf einem Plakat, das an seinem Eingangstor hängt und von der Ärztekammer verteilt worden ist. Vorsicht sei geboten, um die Ausbreitung einzudämmen oder zumindest zu verlangsamen, sagt Cerny. So gebe man der Forschung Zeit, einen Impfstoff zu entwickeln. Auch er appelliert, besonders auf Hygiene zu achten.