Missbrauch? Inakzeptable Zustände in Wohngemeinschaft

Erstellt am 29. November 2017 | 14:49
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Foto: EAK MOTO/Shutterstock.com
Laut Volksanwaltschaft soll 15-Jähriger Mädchen und Burschen sexuell missbraucht haben.
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Wie die Volksanwaltschaft im Rahmen ihrer Pressekonferenz zum Tätigkeitsbericht 2015/2016 berichtete, gab es inakzeptable Zustände in einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft.

Kleinere Kinder: Übergriffe Älterer und ein Klima der Angst

Anlässlich eines – wie stets unangekündigten – Besuches der Volksanwaltschaft in einer nordburgenländischen sozialpädagogischen Wohngemeinschaft am 22. November 2017 forderte Volksanwalt Günther Kräuter sofortiges Einschreiten. „Ich habe der Burgenländischen Landesregierung am 24. November dringendst empfohlen, Maßnahmen zum Wohl der dort untergebrachten Kinder zu setzen. Die Einrichtung scheint mit der Aufgabe der Betreuung, Versorgung und dem Schutz der Kinder völlig überfordert zu sein“, so Kräuter.

So baten die befragten kleineren Kinder unter Tränen, die Einrichtung verlassen zu dürfen, berichteten zum Teil von Übergriffen älterer Kinder und einem Klima der Angst. Geht es nach Kräuter, so soll nichts unternommen worden sein – obwohl Bezirkshauptmannschaft und das Land durch verschiedene Gefährdungsmeldungen davon Kenntnis erlangt hatten.

Beispielsweise soll ein 15-Jähriger seit Jahren Mädchen und Burschen sexuell missbraucht haben soll. Mit dem Schreiben vom der Volksanwaltschaft vom 24. November wurde reagiert. Mit 1. Dezember ist eine Verlegung des 15-Jährigen geplant.

Horvath: „Bericht hat uns sehr betroffen gemacht“

Kurz nach Bekanntwerden gab es eine Stellungnahmen von der Sozialabteilung des Landes Burgenland: „Der Bericht der Volksanwaltschaft über die Wohngemeinschaft hat uns sehr betroffen gemacht“, sagt die leitende Sozialarbeiterin des Landes Burgenland, Bettina Horvath, zu den Erkenntnissen aus einer von der Volksanwaltschaft durchgeführten Überprüfung einer betreuten Wohngemeinschaft von Jugendlichen im Bezirk Neusiedl Ende November.

Horvath weiter: „Es sind von den Behörden aber bereits vor einiger Zeit Maßnahmen ergriffen worden, um die offenbar aufgetretenen grenzüberschreitende Handlungen zwischen Jugendlichen zu beenden.“ Im Auftrag vom zuständigen Landesrat, Norbert Darabos, werden durch die Abteilung Soziales und Gesundheit weiterhin alle weiteren notwendigen Schritte so rasch wie möglich gesetzt, um die betroffenen Kinder vor weiteren Vorfällen zu schützen.

Zur Klärung der im Raum stehenden Vorwürfe, wonach seitens der Betreiber der Wohngemeinschaft Fehler in der Betreuung und Beaufsichtigung der Jugendlichen unterlaufen sind, arbeiten die SozialarbeiterInnen und JuristInnen des Landes intensiv mit dem Landeskriminalamt zusammen,  das derzeit in dieser Angelegenheit ebenfalls ermittelt. Der mutmaßlich übergriffige Jugendliche werde jedenfalls auf Initiative des Landes per 1. Dezember 2017 in eine andere Betreuungseinrichtung überstellt.

Die bisher stattgefundenen regelmäßigen behördlichen Kontrollen der Kinder- und Jugendhilfe, ebenso wie die Kontrolle der Volksanwaltschaft im Juni 2016, haben vor September 2017 keine diesbezüglichen Beanstandungen ergeben. Bis zur endgültigen Klärung der jetzt zutage getretenen Angelegenheit und um allfällige weitere Vorfälle auszuschließen zu können, wurden an die Einrichtung zuletzt folgende konkrete Auflagen erteilt:

  • Anordnung an die Einrichtung, dass eine besondere Beaufsichtigung eines mutmaßlichen Gefährders zu gewährleisten ist; Anordnung, wonach dieser nicht mit mit anderen Kindern allein gelassen werden dürfe;
  • Verstärkter Personaleinsatz in der Einrichtung, besonders nachts;
  • Auftrag an die Einrichtung zur Vorlage eines entsprechenden Betreuungskonzeptes und Auflistung der umgehend getroffenen Schutzmaßnahmen; eine diesbezügliche Kontrolle erfolgte;
  • Verständigung der Obsorgeverantwortlichen aller untergebrachten Kinder;
  • Kontakt mit den zuständigen „Jugendämtern“ eines jeden einzelnen Kindes zur Abklärung der weiteren besten Vorgangsweise für die Kinder unter Beiziehung des landespsychologischen Dienstes;
  • Unterstützung der Obsorgeverantwortlichen bei der vorbereiteten und fachlich begleiteten Verbringung der Kinder in anderen Einrichtungen.

Bettina Horvath, leitende Sozialarbeiterin des Landes Burgenland, zu den unmittelbar nächsten Schritten: „Am wichtigsten ist jetzt, die betroffenen Kinder gut zu betreuen und vor weiteren Vorfällen zu schützen. Deswegen haben wir die entsprechend vorbereitete und fachlich begleitete Verbringung der Jugendlichen angeordnet.“

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