Mit den Tonnenmännern auf Tour. BVZ-Reporter Norbert Aichhorn war einen Nachmittag lang als Müllentsorger eines Neusiedler Entsorgungsbetriebes unterwegs.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 29. September 2019 (03:23)
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Tamas Rohrwild ist seit 23 Jahren für ein Neusiedler Entsorgungsunternehmen auf Tour.
Aichhorn

Im Hof der Entsorgungsfirma Pöck im Gewerbegebiet Prädium weht an diesem Dienstag kurz vor 13 Uhr schon ein herbstlich-kühler Wind. Gut, dass es die wärmende Arbeitsschutzkleidung gibt, die jeder tragen muss, der mit dem Müllwagen, einem Lkw der Klasse Euro 6, auf Tour geht.

Christoph Pöck, einer der beiden Geschäftsführer, übergibt mir mit einem Lächeln persönlich die Schutzbekleidung, denn einen „Schnupperlehrling“ hatte er noch nie.

Punkt 13 Uhr geht das Abenteuer los. Mitarbeiter Tamas Rohrwild fährt mit mir aus dem Hof. Es werde heute eine der leichteren Touren in der Stadt sein, erklärt er. Bei dieser werden Papierreste und Kartonagen von Gewerbebetrieben entsorgt. Der Ungar ist 62 Jahre alt und bereits seit 23 Jahren im Team. Damit ist er einer von vielen Mitarbeitern, die schon viele Jahre dem Betrieb die Treue halten. 43 Personen arbeiten im Unternehmen. Viele davon sind hier seit 15 oder 20 Jahren beschäftigt. Das spricht für ein ausgezeichnetes Betriebsklima.

Christoph und Günter Pöck gründeten das Entsorgungsunternehmen 1976 in Halbturn, seit 1997 ist der Betrieb in Neusiedl ansässig.

„Meine Kids freuen sich, weil ich die Stadt sauber halte"

Mein Chef für den heutigen Nachmittag ist allerdings Tamas. Der sympathische Ungar aus Mosonmagyaróvár ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. „Meine Kids freuen sich, weil ich die Stadt sauber halte“, sagt er, während wir gemeinsam Tonne um Tonne entleeren. „Umweltschutz und Mülltrennung werden auch bei uns großgeschrieben. Da habe ich bei meinen Kindern immer Pluspunkte“.

Pünktlich und fein säuberlich sind bei den Betrieben die Tonnen aufgestellt und warten auf ihre Entleerung. 25.000 Tonnen Abfall werden jährlich entsorgt. Alle Container müssen händisch zum Lkw gezogen werden, da braucht es Muskelkraft und Geschicklichkeit, auch wenn sie dann vom Lift in den Lkw gehoben und entleert werden. Diesen Job wird kein Roboter ersetzen können. Jetzt am Touranfang bin ich für das Hinfahren der Tonnen zum Lkw zuständig.

„Hektik beim Fahren bringt gar nichts“

Nach einer Stunde Tonnenheben tauschen wir und ich bin fürs Zurückstellen zuständig. Außerdem ist die leere Tonne ja viel leichter zu handhaben.

Ein guter Tausch, wenigstens für die kommende Stunde. Tamas ist normalerweise bei der Kartonagentour alleine und freut sich über die Unterstützung. Schnell sind wir ein eingespieltes Team.

Präzises, besonnenes und vorausschauendes Fahren zeichnen Tamas aus. Als Fahrer ist er für einen lärmarmen 23-Tonner mit 230 PS verantwortlich. 20 Fahrzeuge umfasst der firmeneigene Fuhrpark, insgesamt werden rund eine Million Kilometer jährlich zurückgelegt. Der Fuhrpark muss regelmäßig erneuert werden und höchsten Umweltstandards entsprechen.

Während Tamas erklärt, welche Tücken eine Fahrt mit so einem großen Fahrzeug mit sich bringt, setzen wir unsere Tour fort. „Hektik beim Fahren bringt gar nichts. Ich muss immer Acht geben, andere Fahrzeuge oder bei den Tonnen abgestellte Fahrräder nicht zu beschädigen“, meint Tamas, als er langsam vom Innenhof eines großen Neusiedler Baustoffhändlers auf die Kalvarienbergstraße hinausfährt und beim Eidler-Haus in die Josef-Haydn-Gasse einbiegt. „Außerdem musst du immer für die anderen mitdenken“, meint er lächelnd.

„Wir nehmen natürlich nur mit, was in der Papiertonne ist“

„Wir nehmen natürlich nur mit, was in der Papiertonne ist“, sagt Tamas. Daneben abgestelltes Gut geht uns nichts an. Auch im tiefsten Winter und bei Sturm und Regen muss die Tour gefahren werden. Wetterfestigkeit und körperliche Robustheit zahlen sich hier aus. Die meisten Entsorgungstrupps sind zu zweit oder zu dritt im Bezirk Neusiedl am See bei jedem Wetter zu fixen Abholzeiten unterwegs. Die Kunden kennen „ihre Tonnenmänner“ bereits. Auch Tamas wird während unserer Fahrt gewunken, viele grüßen freundlich, wenn sie uns beim Tonnen-Entleeren sehen. Für die Firmen gehört der Entsorgungslastwagen jeden Dienstagnachmittag zum Straßenbild. Schließlich ist jeder Unternehmer froh, wenn sein Gewerbemüll pünktlich entsorgt wird.

Das Unternehmen hat sich nicht nur auf Müllentsorgung, sondern auch auf Kanalreinigungen, Verstopfungsbeseitigungen und einen Handel mit Heizöl spezialisiert.

Ein kurzer Anruf vom Chef beordert uns noch nach Mönchhof. Bei einem großen Weinvertrieb sind noch etliche Container voll mit Kartonagen abzuholen. Flexibel haben wir die Extrafahrt in einer Stunde erledigt.

Um 16 Uhr kommen wir zurück. Müde gebe ich Christoph Pöck meine Schutzbekleidung zurück. „Bewerben kann sich bei uns jeder, der sich‘s körperlich zutraut. Schnupperlehrlinge wie dich nehmen wir für einen halben Tag jederzeit auf“, sagen Christoph und Günter Pöck zum Abschied mit einem Augenzwinkern.