Mit Messer bedroht: „Nur leichtes Burnout“

Erstellt am 23. Februar 2019 | 07:14
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Symbolbild Prozess Gericht Gerichtsprozess
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Foto: Shutterstock.com, Africa Studio
Mit einem Filetiermesser bedrohte ein 58-jähriger Pensionist seinen Sohn. Er wurde in eine Anstalt eingewiesen.
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Eine Geisteskrankheit macht den 58-Jährigen, wenn er seine Medikamente nicht nimmt, nicht zurechnungsfähig. In einem Zustand der Verwirrung hatte er am 22. Oktober 2018 in einer Ortschaft im Bezirk Neusiedl seinen eigenen Sohn bedroht.

„Er zerkratzt das Garagentor, das Auto, schraubte eine andere Nummer ans Haus ...“Der Sohn berichtete

Der Sohn hatte den Vater zufällig auf der Straße getroffen und ihn gebeten, seine Medikamente zu nehmen. Daraufhin hatte der Pensionist ein Filetiermesser gezückt und den Sohn aufgefordert, ihn in Ruhe zu lassen.

Er habe, so soll der Pensionist geäußert haben, auch keine Angst vor den Freunden seines Sohnes. „Er sagte, er bringt mich um und meinen ganzen Freundeskreis“, erinnerte sich der Sohn vor Gericht.

Die Polizei fand den Pensionisten später auf einer Bank sitzend. „Er ließ sich widerstandslos festnehmen“, berichtete einer der Polizisten. Das Messer wurde dem Mann abgenommen. Der Sohn berichtete über das auffällige Verhalten seines Vaters: „Er zerkratzt das Garagentor, das Auto, schraubte eine andere Nummer ans Haus, damit ihn keiner findet. Meine Schwester und ich haben einen Schlüsselbund mit 100 Schlüsseln, aber keiner passt, weil unser Vater ständig die Schlösser im Haus austauscht.“

„Der Arzt sagte, ich bin schizophren...“

Immer wieder war der 58-Jährige in psychiatrischer Behandlung. Über einen der behandelnden Ärzte sagte er vor Gericht: „Der Arzt war für mich nicht kompetent. Er sagte, ich bin schizophren. Da bin ich wieder gegangen.“

„Sind Sie der Meinung, dass Sie auf dem Gebiet eine Erkrankung haben?“, wollte der zur Gerichtsverhandlung beigezogene psychiatrische Sachverständige wissen.

„Ich habe ein leichtes Burnout, bekomme leicht einen Nervenzusammenbruch“, relativierte der Angeklagte seinen Zustand.

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Unterbringung des Mannes in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Der Sachverständige berichtete, dass der Angeklagte seit einem Jahrzehnt unter einer schweren psychischen Erkrankung leidet, die sich durch eine hochgradige Auffälligkeit äußere. Der Angeklagte fantasiere Geschichten herbei, sei voller Wahnideen und höre immer wieder Stimmen.

Für die gefährliche Drohung gegenüber dem Sohn sei die Erkrankung handlungsbestimmend gewesen, so der Experte.

„Wenn er sich an die Wand gedrängt fühlt, kann es durchaus sein, dass er sich mit dem Messer zur Wehr setzt“, sagte der Sachverständige und empfahl eine Einweisung.

Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Daniela Berger entschied sich für die Einweisung des Angeklagten. Dieser bat um Bedenkzeit. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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